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Coppo-Pasteten: Fleisch- und Gemüsevarianten

Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390

LesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9.2/10Bürgerliche KücheBürgerlichHülsenfrüchteHülsenfrüchte
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4-6 PersonenBuchAnonimo Toscano - Libro della cocina (~1390)

Einen ähnlichen Coppo kannst du aus Rind- oder Schweinefleisch zubereiten, wie oben beschrieben.

Fehlt dir Verjus, so kannst du stattdessen den Saft von Zitronatzitronen, Orangen und Rosenwasser hinzufügen.

Du kannst Coppo-Pasteten auch aus Rehfleisch und anderem Wildbret herstellen, sowie aus Herz, Leber und Lunge vom Zicklein, mit wohlriechenden Kräutern, Gewürzen und Safran; und farblich und geschmacklich abwandeln, wie du magst.

Und aus Kichererbsen, Bohnen, Kürbis und anderen Füllungen, die man in Pasteten gibt.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
carne di bue Rindfleisch Metzger -
di porco Schweinefleisch Metzger -
agresto Verjus Feinkostladen, Online-Handel Zitronensaft oder milder Essig
succhio di cetrangole Saft von Zitronatzitronen Spezialitätenladen, Online-Handel Zitronensaft
d'aranci Orangensaft - -
acqua rosada Rosenwasser türkischer Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
carne di capriolo Rehleisch Wildhändler, gut sortierter Metzger Hirschfleisch oder Lammfleisch
d'altre carni Wildbret Wildhändler, gut sortierter Metzger anderes Wildfleisch (z.B. Wildschwein, Hase)
coratelle di capretto Herz, Leber und Lunge vom Zicklein Spezialisierter Metzger (auf Vorbestellung) Innereien vom Lamm oder Kalb
erbe odorifere Wohlriechende Kräuter - Petersilie, Salbei, Majoran, Thymian
spezie Gewürze - Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat
zaffarano Safran Supermarkt, Gewürzhandel -
ceci Kichererbsen - -
fagiuoli Bohnen - -
zucche Kürbis - -
pastelli Pastetenteig - Mürbeteig oder Blätterteig

Welches Gericht ist das? Dies ist kein eigenständiges Rezept, sondern der Varianten-Anhang zum vorangehenden coppo (ant-064): eine becher- oder mützenförmig hochgezogene Hülle aus festem Mehlteig, gefüllt und im Ofen gebacken - der Form-Vorfahr von Pasticcio, Timbale und der gefüllten Pastete. Der Text zählt nur auf, womit man die Hülle sonst noch füllen kann: andere Fleischsorten, Wild, Innereien oder rein pflanzliche Füllungen.

Coppo (von lat. cuppa, Becher - wie auch der italienische Dachziegel) ist im Anonimo Toscano ein eigenes Mini-Kapitel mit sechs Varianten. Das Grundverfahren (Teig anrühren, hochziehen, vorhärten, füllen, backen) steht im ersten Rezept der Reihe (ant-064) und wird hier vorausgesetzt.

Coratelle di capretto meint das Geschlinge - Herz, Leber und Lunge - eines Zickleins, klein gehackt als Füllung. Agresto (Verjus, der Saft unreifer Trauben) ist das übliche Säuerungsmittel; der Text bietet ersatzweise Zitronatzitronen- und Orangensaft mit Rosenwasser an.

Praxis. Den festen Mehlteig (Mehl, Wasser, etwas Fett, Salz) in eine schmale Form drücken und hochziehen. Füllung nach Wahl: feingehacktes Rind, Schwein, Reh- oder Wildfleisch, oder gegartes Zickleingeschlinge, gewürzt mit Petersilie/Salbei/Majoran, Pfeffer-Ingwer-Nelken-Muskat und einer Prise eingeweichtem Safran. Für die Fastenvariante stattdessen weichgekochte Kichererbsen, Bohnen oder Kürbismus. Einfüllen, deckeln, im Ofen bei 180 °C goldbraun backen.

Was ist eine Coppo-Pastete?

Eine Coppo-Pastete ist eine mittelalterliche Form der Pastete oder Teigtasche, die in einer Schale oder Form gebacken wurde. Das vorliegende Rezept beschreibt verschiedene Füllungsvarianten, ohne das genaue Grundrezept für den Teig oder die Form der Pastete zu spezifizieren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist nicht direkt für die Lagerküche geeignet. Das Backen von Pasteten erfordert einen Ofen oder eine vergleichbare Hitzequelle, die am Lager selten verfügbar ist. Die Füllungen können jedoch zu Hause vorbereitet und dann am Lager in einer einfachen Form serviert werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Libro della cocina“ des Anonimo Toscano, einem Kochbuch, das um 1390 in toskanischem Volgare verfasst wurde. Es gibt Einblicke in die gehobene bürgerliche und höfische Küche Norditaliens im späten 14. Jahrhundert.

Was ist 'agresto'?

Agresto ist der Saft unreifer Weintrauben, auch bekannt als Verjus. Er wurde im Mittelalter als Säuerungsmittel verwendet, da Zitronen teuer und nicht immer verfügbar waren. Er hat einen milderen, fruchtigeren Säuregeschmack als Essig.

Was sind 'Coratelle'?

Coratelle bezeichnet die Innereien eines jungen Tieres, in diesem Fall eines Zickleins. Dazu gehören typischerweise Herz, Leber und Lunge. Die Verwendung von Innereien war in der mittelalterlichen Küche üblich, um das ganze Tier zu verwerten.

Simile coppo puoi fare di carne di bue, di porco, come è detto di sopra. E, per mancanza d'agresto, puoi mettarvi succhio di cetrangole, d'aranci e acqua rosada. E puoi fare coppo di carne di capriolo e d'altre carni, e di coratelle di capretto con erbe odorifere, spezie e zaffarano, e diversificare e coloralle come tu vuoli; e di ceci, fagiuoli, e di zucche e d'altre misture che si ponono nei pastelli.
Coppo

Ein „Coppo“ (ital. coppa = Becher, Schale) bezeichnete im Mittelalter eine Art Pastete oder gefüllte Teigtasche, oft in einer Schale oder Form gebacken. Das Grundrezept wird hier nicht explizit genannt. Siehe auch Coppo-Cluster in den Grundlagen für die übergreifende Form-Erklärung und alle sechs Varianten im Anonimo Toscano.

agresto

Agresto ist der Saft unreifer Weintrauben, auch bekannt als Verjus. Er wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel verwendet, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft.

cetrangole

Die Zitronatzitrone ist eine alte Zitrusfrucht, deren dicke Schale oft kandiert (Zitronat) oder für ihren Saft verwendet wurde.

coratelle di capretto

Als Coratelle bezeichnet man die Innereien, insbesondere Herz, Leber und Lunge (das ‚Schlachtabfall‘ oder ‚Lungenmus‘) eines jungen Tieres, hier eines Zickleins.

erbe odorifere

Wohlriechende Kräuter waren im Mittelalter eine breite Kategorie, die von Petersilie und Salbei bis zu Majoran und Thymian reichte.

spezie

Gewürze umfassten im mittelalterlichen Italien typischerweise Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskat und Zimt, oft in Mischungen verwendet.

pastelli

Pastelli sind kleine Pasteten oder Teigtaschen, die mit verschiedenen Füllungen gebacken werden.

Handschrift
Libro della cocina (Anonimo Toscano)
Sprache
Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)
Entstehung
Toskana, Italien, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartCoppo

Gewählte Lesart: Wir interpretieren ‚Coppo‘ als eine Art Pastete oder gefüllte Teigtasche, da der Text von ‚pastelli‘ (Pasteten) spricht und verschiedene Füllungen beschreibt.

Lesartcoratelle di capretto

Gewählte Lesart: Wir übersetzen ‚coratelle di capretto‘ als Herz, Leber und Lunge vom Zicklein, da dies die gängige Bedeutung von Coratelle für junge Tiere ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine allgemeinere Lesart wäre ‚Innereien vom Zicklein‘. - Der Begriff Coratelle kann auch breiter für alle essbaren Innereien verwendet werden, aber Herz, Leber und Lunge sind die spezifischsten und häufigsten Bestandteile.

Lesartd'altre carni

Gewählte Lesart: Wir übersetzen ‚d'altre carni‘ als ‚anderes Wildbret‘, da das Rezept zuvor ‚carne di capriolo‘ (Rehleisch) nennt und der Kontext auf Wildfleisch hindeutet.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine allgemeinere Lesart wäre ‚anderes Fleisch‘. - Ohne weiteren Kontext könnte es auch anderes domestiziertes Fleisch bedeuten, aber die Nennung von Rehleisch legt eine Fortsetzung im Bereich Wild nahe.

Lesartaltre misture che si ponono nei pastelli

Gewählte Lesart: Diese Phrase wird im Fließtext als ‚andere Füllungen, die man in Pasteten gibt‘ übersetzt, aber nicht als separate Zutat aufgeführt, da sie zu vage ist, um eine spezifische Zutat zu benennen.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Zambrini-Edition Bologna 1863, S. 127 (Del coppo d'altre cose, e da ciascun giorno.) - Public Domain. Quelle: Internet Archive (illibrodellacuci00bolouoft, p127)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition, Basis: Zambrini 1863) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Die gebackene Teighülle (_coppo_) braucht einen Ofen oder eine Backglocke über Glut. Die Füllungen lassen sich zu Hause vorbereiten; am Lager nur mit großem Dutch Oven oder Lehmofen umsetzbar.
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