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Frische Erbsen für Kranke im Teigbecher

Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10BeilageBeilageBürgerliche KücheBürgerlichHülsenfrüchteHülsenfrüchteVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit60 Min.Portionen1-2 PersonenBuchAnonimo Toscano - Libro della cocina (~1390)

Nimm frische junge Erbsen, dicke Milch und Mandeln und gib ein wenig Salz hinzu.

Forme dann einen gut gearbeiteten Becher aus Teig. Streue, wenn du magst, Zucker darüber, setze es zum Garen und iss es.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
pesi novelli Frische junge Erbsen Markt, Saisonware; ersatzweise Tiefkühl-Erbsen Tiefkühl-Erbsen
latte spesso Dicke Milch - Sahne, Rahm oder Mandelmilch
amandole Mandeln - -
sale Salz - -
pasta Teig - Mürbeteig
zuccaro Zucker - -

Welches Gericht ist das? Eine milde Krankenkost-Speise: frische junge Erbsen mit Mandeln und dicker Milch, in einem essbaren Becher aus Teig gegart und nach Belieben mit Zucker bestreut. Die Scan-Überschrift sagt es klar - Dei peselli freschi per li 'nfermi, „von den frischen Erbsen für die Kranken". Das Gericht gehört zum kleinen Krankenkost-Block des Anonimo Toscano (vgl. ant-104, Kichererbsen für Kranke, und die Krankenkost-Variante in ant-102).

Keine Fisch-Speise. Das Wort pesi im Manuskript ist eine Schreibvariante von piselli/peselli (Erbsen), nicht von pesci (Fische) - die Überschrift derselben Editionsseite nennt ausdrücklich Erbsen. Es ist also ein mildes, sämiges Gemüse-Milch-Gericht, kein Fischgericht.

Latte spesso und Mandeln - milde Bindung. Frische Erbsen, Mandeln und latte spesso (dicke Milch) ergeben eine sanfte, leicht süßliche, gut bekömmliche Masse - genau das Profil, das die mittelalterliche Diätetik Kranken empfahl. Die Mandeln binden und mildern, die Milch macht es cremig. Latte spesso ist mehrdeutig: Sahne/Rahm für eine glatte Creme, oder dickgelegte (gesäuerte) Milch für eine leicht säuerliche Note - bei Krankenkost spricht die Milde eher für Rahm oder Mandelmilch.

Der coppo di pasta. Ein coppo ist ein becher- oder schalenförmiges Teiggefäß, das mitgebacken wird - dieselbe Form, die das Buch mehrfach nutzt (vgl. ant-065, ant-082). Die übergreifende Form-Erklärung samt aller Varianten steht im Coppo-Cluster der Grundlagen.

Praxis. Frische (notfalls TK-)Erbsen kurz blanchieren. Mit gemahlenen Mandeln, etwas Sahne oder Mandelmilch und einer Prise Salz zu einer dicklichen Masse verrühren oder grob pürieren. Einen Becher aus Mürbeteig in einer ofenfesten Form blind anbacken (oder die Masse direkt im Teig backen), füllen, nach Geschmack mit Zucker bestreuen und im Ofen bei ca. 180 °C garen, bis der Teig goldgelb ist.

Sind das wirklich Erbsen und kein Fisch?

Ja, Erbsen. Das Manuskript-Wort pesi ist eine Schreibvariante von piselli/peselli (Erbsen), und die Überschrift derselben Editionsseite nennt ausdrücklich peselli freschi per li 'nfermi - „frische Erbsen für die Kranken". Das Gericht steht zudem neben den Kichererbsen für Kranke (ant-104). Eine frühere Lesart als Fischgericht war ein Übersetzungsfehler.

Was ist „latte spesso"?

Wörtlich „dicke Milch". Das kann Sahne/Rahm oder dickgelegte (gesäuerte) Milch meinen. Für die milde Krankenkost passt am besten Rahm oder Mandelmilch; wer eine leicht säuerliche Note möchte, nimmt Dickmilch.

Was ist ein „coppo di pasta"?

Ein becher- oder schalenförmiges Teiggefäß, das mitgebacken wird und als essbare Hülle dient. Du kannst dafür Mürbeteig in einer ofenfesten Form blind anbacken und dann füllen, oder die Füllung direkt im Teig garen. Mehr zur Form im Coppo-Cluster der Grundlagen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Der gebackene Teigbecher braucht einen regelbaren Ofen, und die frische Milch verlangt Kühlung. Besser zu Hause vorbereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Aus dem „Libro della cocina" (Anonimo Toscano), einem toskanischen Kochbuch vom Ende des 14. Jahrhunderts in frühitalienischem Volgare.

Togli i pesi novelli e latte spesso e amandole, e ponvi un poco di sale: poi fa' uno coppo di pasta bene composto: giungivi su, se tu vuoli, zuccaro, e metti a cocere, e mangia.
pesi novelli

Frische junge Erbsen - pesi ist eine Schreibvariante von piselli/peselli (Erbsen). Die Überschrift derselben Editionsseite bestätigt es: Dei peselli freschi per li 'nfermi, „von den frischen Erbsen für die Kranken".

per li 'nfermi

„Für die Kranken" - das Gericht gehört zur mittelalterlichen Krankenkost: mild, sämig, leicht süß und gut bekömmlich (vgl. ant-104, Kichererbsen für Kranke).

latte spesso

Wörtlich „dicke Milch". Mehrdeutig - kann Sahne/Rahm oder dickgelegte (gesäuerte) Milch meinen; bei Krankenkost spricht die Milde eher für Rahm oder Mandelmilch.

coppo di pasta

Ein becher- oder schalenförmiges Teiggefäß, das mitgebacken wird. Siehe den Coppo-Cluster in den Grundlagen für die Form-Erklärung und alle Varianten im Anonimo Toscano.

Handschrift
Libro della cocina (Anonimo Toscano)
Sprache
Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)
Entstehung
Toskana, Italien, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpesi novelli

Gewählte Lesart: Frische junge Erbsen. pesi ist eine Schreibvariante von piselli/peselli; die Editions-Überschrift derselben Seite nennt ausdrücklich peselli freschi (frische Erbsen), und das Gericht steht im Krankenkost-Block neben den Kichererbsen (ant-104).

Andere mögliche Lesart:

  • Junge Fische (pesci). - Lautlich nahe, aber durch die Überschrift Dei peselli freschi und den Hülsenfrucht-/Krankenkost-Kontext ausgeschlossen. Eine frühere Lesart als Fischgericht war ein Übersetzungsfehler.

Lesartlatte spesso

Gewählte Lesart: Dicke Milch - im Krankenkost-Kontext am ehesten Sahne/Rahm oder Mandelmilch für eine milde, glatte Masse.

Andere mögliche Lesart:

  • Dickgelegte (gesäuerte) Milch. - Sprachlich ebenfalls gedeckt und gibt eine leicht säuerliche Note; für Krankenkost aber weniger naheliegend als die milde Variante.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Zambrini-Edition Bologna 1863, S. 150 (Dei peselli freschi per li 'nfermi.) - Public Domain. Quelle: Internet Archive (illibrodellacuci00bolouoft, p150)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition, Basis: Zambrini 1863) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt: Der gebackene Teigbecher (_coppo_) braucht backende Hitze - am offenen Feuer nur über Reflektorofen/Dutch Oven, sonst zuhause vorbereiten. Frische Milch gekühlt mitführen oder Mandelmilch nehmen.
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