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Reis in Mandelmilch und Zickleinbrühe

Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10BeilageBeilageBürgerliche KücheBürgerlichFischFastenspeiseReisReis
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchAnonimo Toscano - Libro della cocina (~1390)

Gib den Reis in den Sud, in dem zuvor Beinscheiben vom Zicklein gegart wurden. Lass den Reis darin gar kochen. Füge anschließend Mandelmilch und Zucker hinzu.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
el riso Reis - -
l'acqua dove sieno stati cotti i piei del capretto Sud vom Zickleinbein (Beinscheiben gar gekocht) Metzger (Beinscheiben/Knöchel vom Zicklein vorbestellen) Kräftige Geflügelbrühe mit etwas Gelatine, ersatzweise Lammbeinscheibe
latte d'amandole Mandelmilch - -
zuccaro Zucker - -

Welches Gericht ist das? Süßer Reis, in einer kräftigen Zickleinbrühe gegart und mit Mandelmilch und Zucker gebunden - ein direkter Vorläufer der Bianco-Mangiare-/Blanc-Manger-Tradition (vgl. boc-072, sev-203, m725-007). Es stammt aus dem Krankenkost-Teil der Quelle (überschrieben Riso per li 'nfermi, „Reis für die Kranken“): eine bekömmliche, weiße, milde Schonspeise.

Die Brühe trägt das Gericht. Der Reis kocht im acqua dove sieno stati cotti i piei del capretto - dem Sud, in dem zuvor die Beinscheiben vom Zicklein gegart wurden. Diese geben über Knöchel und Sehnen reichlich Gelatine ab, die der Speise Körper und eine sämige, fast cremige Bindung verleiht. Wichtig: gemeint sind die unteren Beinabschnitte (Beinscheiben), nicht die Hufe - siehe interpretive_choices.

Süß auf herzhaft. Mandelmilch und Zucker machen das Gericht hell und süß und überdecken den Fleischgeschmack der Brühe fast vollständig - der Sud bleibt im Hintergrund und gibt nur Bindung und Tiefe. Diese Kombination aus herzhafter Grundlage und süßer Krönung war in der italienischen Trecento-Küche typisch; die Grenze zwischen Hauptgericht und Dessert verlief noch fließend.

Praxis. Zickleinbeinscheiben (ersatzweise Lammbeinscheibe oder eine kräftige, leicht gelierende Geflügelbrühe) auskochen, bis ein gehaltvoller, gelatinöser Sud entsteht. Den Reis darin in etwa 25 Minuten weich und sämig garen, dabei nach Bedarf Sud nachgießen. Zum Schluss Mandelmilch und Zucker einrühren und kurz durchziehen lassen. Die Masse soll dick und cremig, die Speise hell sein. Warm servieren.

Wo bekomme ich Zickleinbein?

Zickleinbein (Beinscheiben vom jungen Zicklein) ist nicht in jedem Supermarkt erhältlich, aber du kannst es bei einem gut sortierten Metzger oder auf dem Wochenmarkt vorbestellen. ‚Piei del capretto‘ im Original meint die unteren Beinabschnitte mit Knöchel und Sehnen - NICHT die Hufe; diese geben der Brühe ihre charakteristische Gelatine. Alternativ kannst du auch eine kräftige Hühner- oder Gemüsebrühe als Basis verwenden, wenn du keine Zickleinbein findest.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, mit Einschränkungen. Die Zubereitung des Reises selbst ist einfach und schnell am offenen Feuer möglich. Die Herausforderung liegt in der Beschaffung und Kühlung der Zickleinbeinscheiben oder der daraus gewonnenen Brühe. Diese sollte entweder frisch vor Ort gekocht oder gut gekühlt mitgebracht werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Libro della cocina“ des Anonimo Toscano, einem Kochbuch aus dem späten 14. Jahrhundert, verfasst in toskanischem Volgare. Es bietet Einblicke in die bürgerliche und höfische Küche Norditaliens dieser Zeit.

Warum die Kombination aus herzhaft und süß?

Die mittelalterliche Küche liebte die Kombination von süßen und herzhaften Geschmäckern. Zucker und Mandelmilch wurden oft zu Fleisch- oder Gemüsegerichten hinzugefügt, um eine ausgewogene Geschmacksbalance zu erzielen und den Status des Gastgebers zu zeigen, da Zucker ein teures Importgut war.

Metti el riso a cocere nell'acqua dove sieno stati cotti i piei del capretto, e mettivi latte d'amandole e zuccaro.
Handschrift
Libro della cocina (Anonimo Toscano)
Sprache
Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)
Entstehung
Toskana, Italien, 1390

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartpiei del capretto

Gewählte Lesart: Beinscheiben / Beinknöchel vom Zicklein. ‚Piei‘ (Plural von ‚piede‘, modern ‚piedi‘) bezeichnet im italienischen Küchen-Vokabular - mittelalterlich wie heute - nicht die Hufe, sondern die unteren Beinabschnitte mit Knöchel und Sehnen. Diese werden für ihre Gelatine geschätzt, die der Brühe Körper und Sämigkeit gibt - analog zur deutschen Beinscheibe, dem Eisbein oder den ‚piedini di vitello‘ in der heutigen italienischen Küche. Hufe selbst heißen ‚unghie‘ oder ‚zoccoli‘ und wären unverdaulich. ‚Capretto‘ ist außerdem speziell das junge Zicklein (ca. 30 Tage bis 4 Monate alt) - ausgewachsene Ziege wäre ‚capra‘. Junges Tier liefert eine zartere, mildere Brühe, die zu einem feinen Mandelmilch-Reis passt.

Andere mögliche Lesart:

  • Wörtliche Übersetzung als ‚Füße des Zickleins‘ oder ‚Ziegenfüße‘. - Anatomisch nicht falsch, aber kulinarisch irreführend: im Deutschen suggeriert ‚Ziegenfüße‘ die Hufe (unverdaulich) und nicht die zarten Beinabschnitte, die hier gemeint sind. Diese Lesart führt zu unappetitlichen Titeln und falscher Vorstellung vom Gericht. Außerdem verschiebt sich das Bild durch ‚Ziege‘ statt ‚Zicklein‘ Richtung zähes, ausgewachsenes Tier - was der refined Renaissance-Küche dieses Rezeptes nicht gerecht wird.

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Zambrini-Edition Bologna 1863, S. 151 (Riso per li 'nfermi.) - Public Domain. Quelle: Internet Archive (illibrodellacuci00bolouoft, p151)
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition, Basis: Zambrini 1863) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eingeschränkt wegen Kühlung: Die gelatinöse Zickleinbrühe muss entweder frisch vor Ort ausgekocht oder gut gekühlt mitgebracht werden - danach ist die Reiskochung in rund 25 Minuten am Topf erledigt. Reis, Mandelmilch und Zucker sind selbst gut zu lagern.
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