Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390
Lass Wasser mit 115 g Tragant und 55 g Zucker aufkochen. Während es kocht, gib nach und nach das Weißmehl hinzu und rühre kräftig mit einem Löffel. Lass es gut durchkochen und serviere es dem Genesenden.
Du kannst für Kranke auch Rebhühner, Hühner oder Fisch kochen, je nach Zustand des Kranken, einfach gesotten oder in Brühen, wie oben beschrieben, sowie verlorene Eier und viele andere Dinge zubereiten.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| l'acqua | Wasser | - | - |
| quattro once di adragante | 115 g Tragant | Reformhaus, Online-Handel | Speisestärke (Kartoffel- oder Maisstärke), Reismehl, Pfeilwurzel-Stärke oder ein zusätzlicher Eigelb-Schuss zum Binden |
| due once di zuccaro | 55 g Zucker | - | - |
| la farina bianca | Weißmehl | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein milder, mit Tragant gebundener Weißmehl-Brei für Kranke und Genesende - mittelalterliche Schonkost, im Geiste verwandt mit dem blanc manger für Schwache (vgl. men-107) oder einem feinen Grießbrei. Der zweite Teil des Textes ist kein Bestandteil des Breis, sondern eine allgemeine Empfehlung zur Krankenverpflegung.
adragante. Tragant (Astragalus gummifer), ein pflanzliches Gummi vom Saft mediterraner Astragalus-Sträucher. Es bindet Flüssigkeit zu einer glatten, cremigen Konsistenz und war in Küche wie Apotheke gebräuchlich; heute kennt man es vor allem aus der Konditorei (Tragant-Paste für Zuckerblumen). Nicht mit Drachenblut zu verwechseln.
ova sperdute. Wörtlich „verlorene Eier“ - im Kochkontext pochierte Eier, also außerhalb der Schale in heißer Flüssigkeit gegart. Sie zählen zu den im zweiten Teil aufgezählten leichten Krankenspeisen.
Praxis. Wasser mit Tragant (115 g) und Zucker (55 g) aufkochen, unter kräftigem Rühren nach und nach Weißmehl einrieseln lassen und gut durchkochen, bis ein glatter Brei entsteht. Wer keinen Tragant bekommt: ein gestrichener EL Speisestärke pro 500 ml, in kaltem Wasser angerührt, bindet ähnlich; auch Reismehl, Pfeilwurzelstärke oder ein zusätzliches Eigelb tun es. Lauwarm und frisch servieren.
Tragant (Astragalus gummifer) ist ein pflanzliches Gummi, das aus dem Saft mediterraner Astragalus-Sträucher gewonnen wird. Es bindet Flüssigkeiten zu einer cremig-glatten Konsistenz und wurde im Mittelalter auch medizinisch eingesetzt. Heute ist es noch in Apotheken, Reformhäusern und im Konditorei-Handel erhältlich (für Zuckerblumen-Pasten). Wer kein Tragant besorgen kann, hat mehrere klassische Alternativen:
Speisestärke (Kartoffel- oder Maisstärke): in kaltem Wasser anrühren, dann einrühren - die schnellste Lösung.
Reismehl: mittelalterlich plausibel, milder Geschmack, gut für Genesende.
Pfeilwurzel-Stärke: sehr feine, fast geschmacksneutrale Bindung; im Mittelalter aus dem Mittelmeer-Handel bekannt.
Ein zusätzliches Eigelb: klassische Liaison, gibt zusätzliche Nährstoffe für Kranke.
Mandelmehl (siehe rfk-017): cremig, mit eigenem Aroma, mittelalterlich Standard.
Die Mengen sind bei moderner Speisestärke deutlich geringer als bei Tragant - als Faustregel: ein gestrichener Esslöffel Stärke pro 500 ml Flüssigkeit, in kaltem Wasser anrühren und in die heiße Flüssigkeit einrühren.
Im Topf am Feuer in 10-15 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung - auch Tragantpulver lässt sich gut transportieren. Eignet sich als sanfte Stärkungsspeise für müde Mitlagernde nach einem langen Markttag oder als historisches Schaugericht zum Thema mittelalterliche Krankenkost. Wichtiger Hinweis: Wenn es jemandem am Markt wirklich nicht gut geht (Kreislauf, Hitzschlag, Verletzung), sind die Sanitäter und die Marktwachen die erste Adresse - nicht der Tragant-Topf. Mittelalterliche Krankenkost ist ein nettes kulinarisches Konzept, ersetzt aber keine medizinische Erstversorgung.
Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro della cocina' des Anonimo Toscano, einem Kochbuch aus dem späten 14. Jahrhundert, verfasst in toskanischem Volgare. Es spiegelt die Küche des gehobenen Bürgertums oder Adels in der Toskana wider.
Der zweite Teil des Rezepts ist eine allgemeine Empfehlung zur Ernährung von Kranken und listet weitere geeignete Speisen auf, die je nach Zustand des Patienten zubereitet werden können. Diese sind keine Zutaten für den Tragant-Brei selbst, sondern ergänzende Optionen.
Tragant (Astragalus gummifer) ist ein pflanzliches Gummi vom Saft mediterraner Astragalus-Sträucher. In der mittelalterlichen Küche zum Andicken von Suppen, Breien und Patissier-Cremes verwendet (auch in der mittelalterlichen Apotheke), heute hauptsächlich in der Konditorei (Tragant-Paste für Zuckerblumen). Nicht mit Drachenblut (Harz, ganz andere Pflanze) zu verwechseln.
Ein Löffel.
Wörtlich ‚der Erkältete' oder ‚der Abgekühlte', im Kontext der mittelalterlichen Medizin ein allgemeiner Begriff für einen Kranken oder Genesenden, der Stärkung benötigt.
Wörtlich ‚verlorene Eier', was in diesem Kontext ‚pochierte Eier' bedeutet.
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