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Tragant-Brei für Genesende

Libro della cocina (Anonimo Toscano) · Toskana, Italien · 1390

SonstigesLagerküche-tauglichViel InterpretationsspielraumEinfach
15 Min.1 PersonAnonimo Toscano - Libro della cocina (~1390)

Original - Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)

Tragant-Brei für Genesende - Originalseite aus Anonimo Toscano - Libro della cocina
Zambrini-Edition Bologna 1863, S. 151 (De la farina per infreddati.) - Public Domain. Quelle: Internet Archive (illibrodellacuci00bolouoft, p151)

Transkription - Toskanisches Volgare (Ende 14. Jh.)

Fa' bullire l'acqua con quattro once di adragante e cum due once di zuccaro; et mentre bolle mettivi la farina bianca a poco a poco, mestando forte col cocchiaro, e lassa bene cocere, e da' a lo 'nfreddato. Puoi anche cocere a li 'nfermi starne, polli, pesci, secondo la valetudine de lo 'nfermo, simplicemente lessi ovvero nei brodi, secondo che di sopra è detto, e ova sperdute e molte altre cose ministrare.

Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition, Basis: Zambrini 1863)

Moderne Übersetzung

Lagerküche-Tipp: Im Topf am Feuer in 10-15 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung - auch Tragantpulver lässt sich gut transportieren. Geeignet als sanfte Stärkungsspeise für müde Mitlagernde nach einem langen Markttag oder als historisches Schaugericht zum Thema mittelalterliche Krankenkost. **Aber bitte beachten:** Wenn es jemandem am Markt wirklich nicht gut geht, sind die Sanitäter und Marktwachen die erste Adresse - nicht der Tragant-Topf.

Lass Wasser mit vier Unzen Tragant und zwei Unzen Zucker aufkochen. Während es kocht, gib nach und nach das Weißmehl hinzu und rühre kräftig mit einem Löffel. Lass es gut durchkochen und serviere es dem Genesenden.

Du kannst für Kranke auch Rebhühner, Hühner oder Fisch kochen, je nach Zustand des Kranken, einfach gesotten oder in Brühen, wie oben beschrieben, sowie verlorene Eier und viele andere Dinge zubereiten.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
l'acqua Wasser - -
quattro once di adragante 4 Unzen Tragant Apotheke, Reformhaus, Online-Handel Speisestärke (Kartoffel- oder Maisstärke), Reismehl, Pfeilwurzel-Stärke oder ein zusätzlicher Eigelb-Schuss zum Binden
due once di zuccaro 2 Unzen Zucker - -
la farina bianca Weißmehl - -

Anmerkungen

adragante

Tragant (Astragalus gummifer) ist ein pflanzliches Gummi vom Saft mediterraner Astragalus-Sträucher. In der mittelalterlichen Küche zum Andicken von Suppen, Breien und Patissier-Cremes verwendet (auch in der mittelalterlichen Apotheke), heute hauptsächlich in der Konditorei (Tragant-Paste für Zuckerblumen). Nicht mit Drachenblut (Harz, ganz andere Pflanze) zu verwechseln.

cocchiaro

Ein Löffel.

lo 'nfreddato

Wörtlich ‚der Erkältete' oder ‚der Abgekühlte', im Kontext der mittelalterlichen Medizin ein allgemeiner Begriff für einen Kranken oder Genesenden, der Stärkung benötigt.

ova sperdute

Wörtlich ‚verlorene Eier', was in diesem Kontext ‚pochierte Eier' bedeutet.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Puoi anche cocere a li 'nfermi starne, polli, pesci, secondo la valetudine de lo 'nfermo, simplicemente lessi ovvero nei brodi, secondo che di sopra è detto, e ova sperdute e molte altre cose ministrare.

Gewählte Lesart: Dieser Abschnitt ist eine allgemeine Empfehlung zur Ernährung von Kranken und listet weitere geeignete Speisen auf, die je nach Zustand des Patienten zubereitet werden können. Er ist nicht Teil der Zubereitung des Tragant-Breis selbst, sondern eine Ergänzung zum Thema Krankenverpflegung.

Häufige Fragen

Was ist Tragant und woher bekomme ich es?

Tragant (Astragalus gummifer) ist ein pflanzliches Gummi, das aus dem Saft mediterraner Astragalus-Sträucher gewonnen wird. Es bindet Flüssigkeiten zu einer cremig-glatten Konsistenz und wurde im Mittelalter auch medizinisch eingesetzt. Heute ist es noch in Apotheken, Reformhäusern und im Konditorei-Handel erhältlich (es wird für Zuckerblumen-Pasten verwendet). Wer kein Tragant besorgen kann, hat mehrere klassische Alternativen:

  • Speisestärke (Kartoffel- oder Maisstärke): in kaltem Wasser anrühren, dann einrühren - schnellste Lösung
  • Reismehl: mittelalterlich plausibel, milder Geschmack, gut für Genesende
  • Pfeilwurzel-Stärke: sehr feine, fast geschmacksneutrale Bindung; im Mittelalter aus dem Mittelmeer-Handel bekannt
  • Ein zusätzliches Eigelb: klassische Liaison, gibt zusätzliche Nährstoffe für Kranke
  • Mandelmehl (siehe rfk-017): cremig, mit eigenem Aroma, mittelalterlich Standard

Die Mengen sind bei moderner Speisestärke deutlich geringer als bei Tragant - als Faustregel: ein gestrichener Esslöffel Stärke pro 500 ml Flüssigkeit, in kaltem Wasser anrühren und in die heiße Flüssigkeit einrühren.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Im Topf am Feuer in 10-15 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung - auch Tragantpulver lässt sich gut transportieren. Eignet sich als sanfte Stärkungsspeise für müde Mitlagernde nach einem langen Markttag oder als historisches Schaugericht zum Thema mittelalterliche Krankenkost. Wichtiger Hinweis: Wenn es jemandem am Markt wirklich nicht gut geht (Kreislauf, Hitzschlag, Verletzung), sind die Sanitäter und die Marktwachen die erste Adresse - nicht der Tragant-Topf. Mittelalterliche Krankenkost ist ein nettes kulinarisches Konzept, ersetzt aber keine medizinische Erstversorgung.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro della cocina' des Anonimo Toscano, einem Kochbuch aus dem späten 14. Jahrhundert, verfasst in toskanischem Volgare. Es spiegelt die Küche des gehobenen Bürgertums oder Adels in der Toskana wider.

Was ist mit den anderen genannten Speisen wie Rebhühnern oder Fisch?

Der zweite Teil des Rezepts ist eine allgemeine Empfehlung zur Ernährung von Kranken und listet weitere geeignete Speisen auf, die je nach Zustand des Patienten zubereitet werden können. Diese sind keine Zutaten für den Tragant-Brei selbst, sondern ergänzende Optionen.

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