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Koláč aus Mandelmilch und Reis

Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají · Prag, Böhmen · 1535

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichReisReisVeganVegan
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchBöhmisches Kochbuch - Kuchařství o rozličných krměch (~1535)

Nimm Reis und verlese ihn sauber. Wasche ihn danach gründlich und gib ihn in einen reinen Topf. Salze sparsam und koche ihn, bis er trocken ist. Füge dann Mandelmilch hinzu und vermische alles. Lasse es so lange köcheln, bis es dick wird. Gib es anschließend auf eine Schale, bestreue es reichlich mit Zucker und serviere es zum Verzehr.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
rajže 200 g Reis (Rundkorn) - -
mandlového mleka 500 ml Mandelmilch - -
cukrem 50 g Zucker - -
nesol mnoho 1 Prise Salz - -

Welches Gericht ist das? Ein süßer Milchreis - der direkte Vorfahr unseres heutigen Milchreises, hier in der Fasten-Variante mit Mandelmilch statt Kuhmilch. Trotz des Titels Koláč (sonst „Kuchen") wird hier nichts gebacken: Reis wird zuerst trocken weichgekocht, dann in Mandelmilch zu einem dicken Brei eingekocht und gezuckert serviert.

Koláč - kein Kuchen. Im frühneuzeitlichen Tschechisch war koláč ein weiter Begriff und meinte nicht nur den gebackenen Hefekuchen von heute. Der Titel nennt zudem rajžové mouky („Reismehl"), doch das Rezept arbeitet mit ganzen Reiskörnern (rajže), die gekocht und nicht gemahlen werden - der Titel ist also lose, „aus Reis gemacht".

Zwei Garstufen. Der Reis kommt zuerst nur mit Salz und wenig Wasser in den Topf und wird „bis trocken" gekocht - das quillt das Korn vor. Erst dann kommt die Mandelmilch dazu, in der alles zu einem dicken Brei einkocht. Das ist dieselbe Technik wie beim Reisbrei mar-267 und beim Mandel-Reis-Mus foc-093/kkm-046 - die Mandelmilch-Reis-Sippe der Fastenküche.

Praxis. 200 g Rundkornreis kurz verlesen, waschen, mit Salz und knapp bedeckendem Wasser weichkochen. Dann ca. 500 ml Mandelmilch angießen und unter Rühren zu einem dicken Brei einköcheln (10-15 Min). Auf eine Schale geben, großzügig mit Zucker bestreuen. Nach Belieben ein wenig Safran oder Zimt - das Original lässt es schlicht.

Was ist ein 'Koláč' in diesem Kontext?

Ein ‚Koláč' ist im Böhmischen Kochbuch ein allgemeiner Begriff für Fladen oder Kuchen. In diesem Rezept beschreibt die Zubereitung jedoch eher einen süßen Brei oder Pudding, der aus gekochtem Reis und Mandelmilch hergestellt wird, anstatt eines gebackenen Kuchens aus Mehl.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt lediglich einen Topf und eine Wärmequelle, die ein sanftes Köcheln ermöglicht, wie ein Lagerfeuer oder ein Kocher. Die Zutaten sind leicht zu transportieren und die Zubereitung ist unkompliziert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Böhmischen Kochbuch, Kuchařství o rozličných krměch', verfasst von Pavel Severin z Kapí Hory und gedruckt in Prag um 1535. Es ist das älteste erhaltene gedruckte tschechische Kochbuch und gibt Einblicke in die frühneuzeitliche böhmische Küche.

Wie viel Salz soll ich verwenden, wenn es heißt ‚nesol mnoho'?

‚Nesol mnoho' bedeutet wörtlich ‚nicht viel salzen'. Verwende eine kleine Prise Salz, um den Geschmack der süßen Zutaten zu unterstreichen, aber nicht so viel, dass der Brei salzig schmeckt.

Koláč z mandlové a rajžové mouky takto máš dělati. Vezmi rajže a přebeř ji čistě, a potom umej dobře a vsyp ji v hrnec čistý a nesol mnoho, a vař ji, ať sucha bude a k tomu přičiň mandlového mleka, a míšej spolu, nechť tak vře, ať husto bude, a potom daj na misu a pospi cukrem dobře a daj na misu a jez.
Koláč

Im frühneuzeitlichen Tschechisch ein weiter Begriff, nicht nur der gebackene Hefekuchen von heute. Hier meint es eine dickflüssige, auf der Schale servierte Süßspeise aus Reis und Mandelmilch: gekocht, nicht gebacken.

mandlového mleka

Mandelmilch, der gängige Milchersatz der Fastenzeit.

nesol mnoho

Wörtlich „nicht viel salzen" - eine Prise Salz, die die Süße hebt, ohne selbst zu schmecken.

Handschrift
Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají
Sprache
Frühneuzeitliches Tschechisch
Entstehung
Prag, Böhmen, 1535

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartrajžové mouky / rajže

Gewählte Lesart: Der Titel nennt „Reismehl" (rajžové mouky), das Rezept selbst beginnt aber mit „Nimm Reis" (Vezmi rajže) und kocht ganze Körner. Der Titel ist als lose Sammelbezeichnung „aus Reis gemacht" zu lesen; gekocht werden Reiskörner, nicht Mehl.

Originalwerk (~1535) gemeinfrei.

Bildquelle
Kirschen, Tacuinum Sanitatis, Codex Vindobonensis (ca. 1390)
Transkription
Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927), Zlatý fond SME - Kap. 26-27: Pavel Severin z Kapí hory Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Robuste, lange haltbare Trockenzutaten (Reis, Zucker), Mandelmilch lässt sich am Lager frisch ansetzen oder fertig mitbringen. Ein Topf über dem Feuer genügt, kein Ofen, keine Kühlung.
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