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Gekochte Lamprete in Gewürzsud

Kuchařství o rozličných krměch, kterak se užitečně s chutí strojiti mají · Prag, Böhmen · 1535

🐟 Hauptspeise · Fisch 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Aufwändig
⏱ 180 Min.👥 4–6 Personen📖 Böhmisches Kochbuch — Kuchařství o rozličných krměch (~1535)

Historische Illustration

Gekochte Lamprete in Gewürzsud — Originalseite aus Böhmisches Kochbuch — Kuchařství o rozličných krměch
Tacuinum Sanitatis, BNF NAL 1673, Fol. 8v (ca. 1390)

Transkription (Frühneuzeitliches Tschechisch)

Takto máš strojiti lampredu.

Vezmi malvazí, aneb výborného vína pintu neb víc, i nalejž jeho na necky. I vsadiž do něho lampredu, a když se velmi napí (napije, nasákne), zabodni v každé díře, kterúž má pod hrdlem, až z ní to všecko vyjde, což jest vypila, a když umře, rozřež ji na dva kusy, neb na tři, prosoliž jí na míse, a kdyžť ponajde, odpeciž ji čistě na roště, tak až se s ní ta kuože pryskati bude. I strhni tu kůži doluo čistě přínozú (přínoza, nůž krájecí, kuchyňský) všecku. Potom řež v kusy, jakž se zdá, i vezmi topenek z bílého chleba a řeckého vína, i rozetřiž čistě v pánvi, i rozpusť tím vínem, v kterém jest lampreda byla, a protěhni skrze sítko a okořeň všemi kořeními, a přidaj cukru, nebo medu, i vkladiž tu lampredu tam, ať uvře v té jiše zakořenné hodinu neb puol. Chceš-li teplú, muožeš ji jísti, pakli chceš na studeno, tehdy chovaj do polévaného hrnce, přikryje čistě. Pakli by chtěl komu poslati ji, dajž tam řeckého vína i mandluov, hřebičkuov čistých a i zázvoru řezaného.

Čeněk Zíbrt, Staročeské umění kuchařské (1927), Zlatý fond SME — Kap. 26–27: Pavel Severin z Kapí hory

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Die Lamprete muss vor Ort geschlachtet und vorbereitet werden. Das Braten auf dem Rost und das anschließende Kochen im Sud sind über offenem Feuer oder im Dutch Oven machbar.

Nimm Malvasier oder einen Pint oder mehr guten Weins und gieße ihn in ein Gefäß. Lege die Lamprete hinein, und wenn sie sich gut vollgesogen hat, stich in jedes Loch, das sie unter dem Hals hat, bis alles herauskommt, was sie getrunken hat. Wenn sie stirbt, schneide sie in zwei oder drei Stücke, salze sie auf einer Schüssel gut ein, und wenn sie durchgezogen ist, brate sie sauber auf einem Rost, bis die Haut davon abplatzt. Ziehe dann die ganze Haut mit einem Küchenmesser sauber ab. Danach schneide sie in Stücke, wie es dir beliebt. Nimm geröstetes Weißbrot und griechischen Wein, zerdrücke es sauber in einer Pfanne, löse es mit dem Wein auf, in dem die Lamprete gelegen hat, und streiche es durch ein Sieb. Würze mit allen Gewürzen und gib Zucker oder Honig hinzu. Lege die Lamprete hinein und lasse sie in dieser gewürzten Sauce anderthalb Stunden kochen. Willst du sie warm essen, so kannst du sie genießen. Willst du sie aber kalt, bewahre sie in einem glasierten Topf auf, sauber zugedeckt. Wenn du sie jemandem schicken möchtest, gib noch griechischen Wein, reine Mandeln, Nelken und geschnittenen Ingwer hinzu.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
malvazí, aneb výborného vína pintu neb víc ca. 0,5 Liter Malvasier oder guter Weißwein trockener Weißwein
lampredu 1 Lamprete (Flussneunauge) ⚠ Artenschutz: Flussneunaugen sind streng geschützt und nicht im Handel erhältlich. Dieses Rezept ist nur historisch nachvollziehbar. Welsfilet oder Aal (Aal ist ebenfalls geschützt, bitte auf nachhaltige Zucht achten)
sůl (implied) Salz
topenek z bílého chleba geröstetes Weißbrot Paniermehl oder Semmelbrösel
řeckého vína Griechischer Wein (z.B. Retsina oder ein trockener Weißwein) gut sortierter Supermarkt, Weinhandel trockener Weißwein
všemi kořeními Gewürzmischung (z.B. Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskat, Safran)
cukru, nebo medu Zucker oder Honig
mandluov Mandeln (gemahlen oder gehackt)
hřebičkuov čistých Nelken (gemahlen)
zázvoru řezaného Ingwer (frisch, geschnitten)

Anmerkungen

necky
Ein Trog oder eine Wanne, hier im Kontext des Einlegens wohl ein größeres Gefäß.
pinta
Ein historisches Hohlmaß, das je nach Region und Zeit variierte. Hier etwa 0,5 bis 0,6 Liter.
ponajde
Wenn sie durchgezogen ist, d.h. das Salz gut eingewirkt hat.
roště
Ein Rost oder Grillrost zum Braten über offenem Feuer.
pryskati
Abplatzen, sich lösen.
přínozú
Ein Küchenmesser oder Schneidemesser.
topenek
Geröstetes Brot oder Croutons, oft zur Bindung von Saucen verwendet.
řeckého vína
Griechischer Wein, der im Mittelalter oft süßer oder harziger war als heutige Weine.
jiše
Ein Sud, eine Sauce oder Brühe.
hodinu neb puol
Wörtlich ‚eine Stunde oder eine halbe', was im Kontext der Kochzeit ‚anderthalb Stunden' bedeutet.
polévaného hrnce
Ein glasierter Tontopf, der für die Aufbewahrung von Speisen verwendet wurde.
hřebičkuov čistých
Reine Nelken, d.h. von guter Qualität und ohne Verunreinigungen, hier wohl gemahlen.
zázvoru řezaného
Geschnittener Ingwer, was auf frischen Ingwer hindeutet, im Gegensatz zu gemahlenem Pulver.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

necky

Gewählte Lesart: ‚Gefäß' – Eine allgemeine Bezeichnung für ein Behältnis, das hier zum Einlegen des Fisches dient.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Trog' oder ‚Wanne' — Die wörtliche Bedeutung von ‚necky' ist Trog oder Wanne, was für das Einlegen eines Fisches ebenfalls plausibel wäre, aber ‚Gefäß' ist allgemeiner und verständlicher.

hodinu neb puol

Gewählte Lesart: ‚anderthalb Stunden' – Die gebräuchliche moderne Ausdrucksweise für die angegebene Dauer.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚eine Stunde oder eine halbe Stunde' — Dies ist die wörtliche Übersetzung, die jedoch im modernen Sprachgebrauch weniger flüssig ist als ‚anderthalb Stunden'.

hřebičkuov čistých

Gewählte Lesart: ‚reine Nelken' (gemahlen) – ‚Čistých' (rein) bezieht sich hier auf die Qualität der Nelken, die frei von Verunreinigungen sein sollen, und impliziert im Kontext einer Sauce gemahlene Form.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚ganze Nelken' — Es wäre auch denkbar, dass ganze Nelken gemeint sind, die dann im Sud mitkochen. Die Betonung auf ‚rein' könnte aber auch auf die feine, gemahlene Form hindeuten.

zázvoru řezaného

Gewählte Lesart: ‚Ingwer' (frisch, geschnitten) – ‚Řezaného' (geschnitten) deutet auf die Verwendung von frischem Ingwer hin, der in Stücke geschnitten wird.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚getrockneten, geschnittenen Ingwer' — Getrockneter Ingwer war ebenfalls gebräuchlich, würde aber eher als ‚zerstoßen' oder ‚gemahlen' beschrieben werden, wenn er in Pulverform vorliegt. ‚Geschnitten' passt besser zu frischem Ingwer.

ponajde

Gewählte Lesart: ‚wenn sie durchgezogen ist' – Im Kontext des Salzens bedeutet dies, dass das Salz in den Fisch eingewirkt und ihn mariniert hat.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚wenn sie aufgetaut ist' — Dies ist unwahrscheinlich, da der Fisch frisch gefangen und verarbeitet wurde. Die Bedeutung bezieht sich auf den Zustand nach dem Salzen.

Häufige Fragen

Wo bekomme ich Lampreten (Flussneunaugen)?

Flussneunaugen sind in Deutschland und der EU streng geschützt und dürfen nicht gefangen oder gehandelt werden. Dieses Rezept ist daher heute nicht authentisch nachkochbar. Als geschmackliche Alternative könntest du Welsfilet oder Aal verwenden, wobei Aal ebenfalls unter Artenschutz steht und nur aus nachhaltiger Zucht bezogen werden sollte.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist grundsätzlich für die Lagerküche geeignet, erfordert aber eine aufwendige Vorbereitung. Die Lamprete muss vor Ort geschlachtet und die Haut abgezogen werden. Das Braten auf einem Rost und das anschließende Kochen im Sud sind über offenem Feuer oder in einem Dutch Oven machbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem „Böhmischen Kochbuch — Kuchařství o rozličných krměch“, verfasst von Pavel Severin z Kapí Hory und 1535 in Prag gedruckt. Es ist das älteste erhaltene gedruckte tschechische Kochbuch und gibt Einblicke in die frühneuzeitliche böhmische Küche.

Was bedeutet 'pinta' im Rezept?

Eine 'pinta' ist ein historisches Hohlmaß, das je nach Region und Zeit variierte. Im Kontext dieses Rezepts aus Böhmen um 1535 kann man von etwa einem halben Liter (ca. 0,5–0,6 Liter) ausgehen.

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