Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Pochierte Eier in Safransauce

Wel ende edelike spijse · Gent, Flandern · 1475

LagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchVon guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) (~1475)

Acht pochierte Eier mit Kümmel. Nimm Safran und Brot und reibe sie zusammen, rühre es mit Milch an und treibe es durch ein Sieb. Dann lass es aufkochen, salze es und gib die pochierten Eier hinein.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
viij. Eyeren 8 Eier - -
commine Kümmel - Kreuzkümmel
soffraen Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
broot Brot - altbackenes Weißbrot
melke Milch - -
zoutet Salz - -

Welches Gericht ist das? Pochierte Eier in einer goldgelben, brotgebundenen Safran-Milch-Sauce - ein Eiergericht, das den modernen Eggs Benedict oder einem Ei in heller Senf-/Safransauce nahekommt. Im Korpus hat es einen fast identischen Zwilling im englischen foc-087 ("Eyroun in lentyn"/pochierte Eier mit Ingwer-Safran-Sauce); beide stehen für denselben Gerichtstyp.

Eyeren ghepochiert metten commijne: die Eier werden zuerst pochiert (in siedendem Wasser ohne Schale gegart) und mit Kümmel gewürzt. Das ist ein Fasten-/Milchspeisen-Gericht, daher fleischlos.

Die Sauce ist eine klassische Brotbindung: broot (Brot, in der Praxis altbackenes Weißbrot) wird mit soffraen (Safran) verrieben, mit melke (Milch) angerührt und durch eine stemize (Sieb/Seihtuch) passiert, damit sie glatt wird. Safran färbt sie golden - reine Speisefarbe der Periode, kein Rote-Bete- oder Kurkuma-Ersatz.

Praxis. Wasser knapp unter dem Siedepunkt halten, einen Schuss Essig zugeben, Eier einzeln einlaufen lassen und 3-4 Min. pochieren, mit Schaumkelle herausheben. Für die Sauce eine Scheibe altbackenes Weißbrot ohne Rinde mit etwas Safran fein verreiben, mit Milch glatt rühren, durch ein Sieb streichen, aufkochen bis sie leicht bindet, salzen, mit Kümmel würzen. Eier kurz in der heißen Sauce ziehen lassen. Mit Topf und Sieb gut am Lagerfeuer machbar.

Aus welcher Handschrift stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus der Handschrift UB Gent 1035, einer mittelniederländischen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die in der Universiteitsbibliotheek Gent aufbewahrt wird. Es ist die einzige vollständig erhaltene mittelniederländische Rezeptsammlung dieser Epoche. Eine digitale Edition ist auf coquinaria.nl (Christianne Muusers, 2020) verfügbar.

Was bedeutet 'commine' im Rezept?

‚Commine‘ kann sowohl Kümmel (Carum carvi) als auch Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) bedeuten. Für die nordeuropäische mittelalterliche Küche ist Kümmel die wahrscheinlichere Wahl, da er dort heimisch und weit verbreitet war. Kreuzkümmel war zwar bekannt, aber oft teurer und seltener.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind relativ einfach zu beschaffen und zu lagern. Das Pochieren der Eier und das Zubereiten der Sauce erfordern zwar etwas Geschick, sind aber mit grundlegender Lagerausrüstung (Topf, Sieb) über offenem Feuer oder einem Kocher gut umsetzbar.

Wie pochiere ich Eier ohne spezielles Küchengerät?

Pochiere Eier, indem du Wasser in einem Topf zum Sieden bringst (nicht sprudelnd kochen). Gib einen Schuss Essig hinzu, das hilft dem Eiweiß, zusammenzuhalten. Schlage jedes Ei einzeln in eine kleine Schale und lasse es vorsichtig ins Wasser gleiten. Lasse die Eier etwa 3-4 Minuten ziehen, bis das Eiweiß fest und das Eigelb noch flüssig ist. Hebe sie dann mit einer Schaumkelle heraus.

viij. Eyeren ghepochiert metten commijne neemt soffraen ende broot ende wryuet te gader ende tempert met melke ende doet liden duer eene stemize dan doet wallen ende zoutet ende doeter die eyeren gepochiert in
commine

Kümmel (Carum carvi), in der nordeuropäischen Küche das übliche „commijn"; seltener Kreuzkümmel.

wryuet te gader

„Reibt zusammen" - Brot und Safran werden miteinander verrieben.

stemize

Sieb oder Seihtuch zum Passieren der Sauce.

Handschrift
Wel ende edelike spijse
Sprache
Mittelniederländisch (2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Gent, Flandern, 1475

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartcommine

Gewählte Lesart: Kümmel (Carum carvi) - das in Nordeuropa heimische und übliche „commijn".

Andere mögliche Lesart:

  • Kreuzkümmel (Cuminum cyminum). - Das mittelniederländische „commijn" deckt beide Gewürze ab; im flämischen Küchenkontext des 15. Jh. ist der heimische Kümmel jedoch deutlich wahrscheinlicher.

Originalwerk (~1475) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 006, Universiteitsbibliotheek Gent, BHSL.HS.1035 (ca. 1475), Public Domain
Transkription
Coquinaria.nl - Christianne Muusers, Digitale Edition 2020 (Hs. UB Gent 1035) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Mit Topf und Sieb über offenem Feuer gut machbar; Eier pochieren und die brotgebundene Safransauce direkt im Topf ansetzen.
Alle Rezepte aus Von guten und edlen Speisen (Wel ende edelike spijse) Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.