Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Kohl gibt es in fünf Arten: Die besten sind jene, die vom Frost getroffen wurden; sie sind zart und schnell gar. In Frostzeiten braucht man sie nicht vorzukochen, in regnerischen Zeiten jedoch schon. (Man beginnt mit diesen, weil sie die ersten Gewächse des Jahres sind, nämlich nach April; und dann geht es abwärts in Richtung Weinlese, Weihnachten und Ostern.)
Weißkohl gibt es Ende August. Kohlköpfe gegen Ende der Weinlese. Und wenn der Kohlkopf - welcher in der Mitte ist - entfernt wurde, reißt man den Stamm dieses Kohls heraus und pflanzt ihn in neue Erde, und daraus wachsen große Blätter, die sich ausbreiten. Ein Kohl nimmt viel Platz ein, und man nennt diese Kohlsorten „Römerkohl“; sie werden im Winter gegessen. Und aus den Stämmen, wenn sie neu gepflanzt werden, wachsen kleine Kohle, die man „Minces“ nennt, welche man mit rohen Kräutern in Essig isst.
Und wenn man reichlich davon hat, wähle gute aus, wasche sie in warmem Wasser und koche sie ganz mit etwas Wasser. Und dann, wenn sie gar sind, gib Salz und Öl hinzu, und richte sie gut eingedickt ohne Wasser an, und gib Olivenöl darüber in der Fastenzeit.
Dann gibt es andere Kohle, die man „Osterkohl“ nennt, weil man sie zu Ostern isst, doch sie werden schon im August gesät. Und wenn sie nach der Aussaat einen halben Fuß hoch gewachsen sind, reißt man sie heraus und pflanzt sie anderswo ein, und sie werden oft bewässert. Auch alle oben genannten Kohle werden zuerst gesät, dann, wenn sie einen halben Fuß hoch gewachsen sind, entfernt und neu gepflanzt.
Und zuerst ist von den Kohlköpfen zu wissen, dass, wenn diese Köpfe entblättert, ausgewählt und fein geschnitten sind, man sie sehr gut und lange vorkochen muss, länger als die anderen Kohlsorten. Denn vom Römerkohl soll man das Grüne der Blätter durch Zupfen entfernen, und das Gelbe, das heißt die Rippen oder Adern, im Mörser zerstoßen. Dann alles zusammen in warmem Wasser blanchieren, dann ausdrücken und in einen Topf geben, und lauwarmes Wasser, das nicht genug Fleischbrühe hat. Und dann mit dem fettesten Teil und der Fleischbrühe servieren; und viele zerstoßen Brot hinein.
Und wisse, dass Kohl schon sehr früh am Morgen auf das Feuer gesetzt werden soll und sehr lange kochen muss, länger als jeder andere Eintopf, und bei gutem und starkem Feuer. Und er soll in Rinderfett getränkt werden, und keinem anderen - seien es Kohlköpfe oder andere Kohlsorten, ausgenommen die „Minces“. Wisse auch, dass fette Rinder- und Hammelbrühe dafür geeignet ist, aber keineswegs Schweinebrühe - Schweinebrühe ist nur für Lauch gut.
Danach bereitet man Kohl für Fischtage zu, nachdem er vorgekocht ist, koche ihn in lauwarmem Wasser und gib Öl und Salz hinzu. Ebenso geben einige Grütze hinzu. Ebenso geben einige anstelle von Öl Butter hinzu.
An Fleischtagen gibt man Tauben, Würste und Hasen, „Fourques“ und reichlich Speck hinzu.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Choulx | Kohl (verschiedene Sorten) | - | - |
| eaue chaude | Warmes Wasser | Leitung | - |
| sel | Salz | - | - |
| uille | Pflanzenöl | - | Olivenöl für Fastentage |
| uille d'olive | Olivenöl | - | - |
| eaue tiede | Lauwarmes Wasser | Leitung | - |
| eaue de char | Fleischbrühe | Metzger | Geflügel- oder Gemüsebrühe |
| pain | Brot | - | - |
| gresse de beuf | Rinderfett | Metzger | Schweineschmalz oder Pflanzenöl |
| eaue grasse de beuf et de mouton | Fette Rinder- oder Hammelbrühe | Metzger | Geflügelbrühe |
| grumiau | Grütze oder Käsebruch | Supermarkt / Wochenmarkt | Reis oder Haferflocken |
| beurre | Butter | - | - |
| pigons | Tauben | Geflügelhändler (auf Bestellung) | Hähnchen oder Wachteln |
| saulcisses | Würste | Metzger | - |
| lievre | Hase | Wildhändler (auf Bestellung) | Kaninchen |
| fourques | Fleischstücke | Metzger | Schweinebauch oder andere deftige Fleischstücke |
| foison lart | Reichlich Speck | Metzger | - |
Der Begriff 'fourques' ist in diesem Kontext ungewöhnlich und bezeichnet wahrscheinlich einen spezifischen, heute nicht mehr gebräuchlichen Fleischzuschnitt oder eine regionale Bezeichnung für Fleischstücke. Da es zusammen mit Tauben, Würsten und Hasen genannt wird, handelt es sich um eine Fleischzutat. Als Ersatz kannst du deftige Fleischstücke wie Schweinebauch, Nacken oder andere kräftige Fleischteile vom Metzger verwenden.
Nein, dieses Rezept ist aufgrund der sehr langen Kochzeit ('schon sehr früh am Morgen auf das Feuer setzen und sehr lange kochen') und der Notwendigkeit eines 'guten und starken Feuers' nicht ideal für die spontane Lagerküche. Die Zubereitung erfordert mehrere Stunden ungeteilter Aufmerksamkeit und viel Brennmaterial. Es ist besser, den Kohl zu Hause vorzubereiten und dann am Lager nur noch aufzuwärmen oder eine stark vereinfachte Version zu kochen.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem Haushaltsbuch, das um 1393 in Paris verfasst wurde. Es wurde von einem wohlhabenden Pariser Bürger für seine junge Frau geschrieben und enthält neben Kochrezepten auch Ratschläge zur Haushaltsführung, Gartenarbeit und Moral. Es bietet einen tiefen Einblick in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters.
'Choulx rommains' (Römerkohl) bezieht sich wahrscheinlich auf eine großblättrige Kohlsorte wie Wirsingkohl, der im Mittelalter verbreitet war. 'Grumiau' kann entweder Grütze (Getreidekörner, die zu kleinen Stücken zerkleinert wurden) oder Käsebruch (geronnene Milch, die bei der Käseherstellung anfällt) bedeuten. Beide wurden in mittelalterlichen Rezepten zur Bindung oder als Zutat verwendet. Für die moderne Küche kannst du Grütze (z.B. Gerstengrütze) oder feinen Käsebruch verwenden.
Im mittelalterlichen Französisch bezeichnet 'potage' keinen klaren Suppenteller, sondern einen dicken Eintopf, Brei oder eine gebundene Speise, die oft über längere Zeit in einem Topf (pot) gekocht wurde. Es ist eher vergleichbar mit einem heutigen Eintopf oder einem dicken Gemüsemus als mit einer modernen Suppe.
Kohl, hier als Oberbegriff für verschiedene Kohlsorten verwendet.
Vom Frost getroffen. Frost macht Kohl zarter und süßer.
Vorkochen oder blanchieren.
Kohlköpfe, im Gegensatz zu einzelnen Blättern oder Sprossen.
Römerkohl, wahrscheinlich eine Art Wirsing oder großblättriger Kohl.
Kleine Kohle oder Kohlsprossen, die aus den Stämmen nachwachsen.
Osterkohl, eine Sorte, die im August gesät und zu Ostern gegessen wird.
Einen halben Fuß hoch, entspricht etwa 15 cm.
Im Mörser zerstoßen.
Ein dicker Eintopf oder Brei, nicht eine klare Suppe.
Rinderfett oder Rindertalg.
Grütze oder Käsebruch, zur Bindung oder als Zutat.
Ein nicht näher bezeichnetes Fleischstück, möglicherweise ein spezifischer Zuschnitt oder eine regionale Bezeichnung.
Reichlich Speck.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
fourques
Gewählte Lesart: Als 'Fleischstücke' übersetzt, da es im Kontext anderer Fleischzutaten an Fleischtagen genannt wird.
Andere mögliche Lesart:
grumiau
Gewählte Lesart: Als 'Grütze oder Käsebruch' übersetzt, da beides im Mittelalter als Zutat oder Bindemittel üblich war.
Andere mögliche Lesarten:
choulx rommains
Gewählte Lesart: Als 'Römerkohl' übersetzt und als Wirsingkohl interpretiert.
Andere mögliche Lesart:
minces
Gewählte Lesart: Als 'kleine Kohle' oder 'Kohlsprossen' übersetzt, die aus den Stämmen nachwachsen.
Andere mögliche Lesart:
Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.
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