Wo Mittelalter stattfyndet. Where medieval times happen.
Im Viewer öffnenIm Viewer öffnen ÜbersetzenTranslate DokumentDruckversion DokumentTEI-XML

Colris - dünne Eierfladen in Milch

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

RezeptSonstigesLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9/10BrotBrot / BackwerkHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-3 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Nimm Eier und schlage sie mit Semmelmehl auf. Forme aus dieser Masse dünne Kuchen und gib sie in Milch. Lasse die Milch sieden, bis die Kuchen gar sind. Dann mische das Gericht mit weiteren Eigelben und gib Schmalz hinzu, bevor du es servierst.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
eyger ca. 4 Eier - -
semel mele ca. 50 g Semmelmehl (Paniermehl) Supermarkt -
milich ca. 500 ml Milch - -
eyger totern ca. 2 Eigelb - -
smaltz ca. 50 g Schmalz (Schweine- oder Gänsefett) Metzger, Supermarkt Butter oder Pflanzenöl

Welches Gericht ist das? Ein colris: dünne Eierfladen (hier mit Semmelmehl im Eierteig) werden in Milch gesotten und mit Eigelb und Schmalz zu einem sämigen Milchgericht gebunden. Der lebende Verwandte ist die Flädle-/Frittatensuppe - dünne Eierkuchen in der Flüssigkeit -, hier in Milch statt Brühe.

Das Rätselwort colris. Das Buoch von guoter Spise bringt drei colris-Rezepte in Folge (Nr. 65-67), alle nach demselben Muster: dünne Eierfladen in Milch. Trotz des Anklangs ist es kein Kohlreis - in keinem der drei kommt Kohl oder Reis vor. Der Namensursprung ist in der Forschung ungeklärt; wir geben colris als Gerichtnamen wieder und raten keine Etymologie hinein.

Praxis. Eier mit Semmelmehl verquirlen; der Text nennt anders als die beiden Nachbarrezepte kein ausdrückliches Backen der Fladen, daher lässt sich der Teig entweder zu dünnen Fladen backen oder direkt in die siedende Milch geben. In der Milch garziehen lassen, bis die Fladen durchgegart sind. Die Hitze vor dem Einrühren des Eigelbs reduzieren, damit es sich glatt einbindet statt zu gerinnen, und zuletzt mit Schmalz abrunden.

Wo bekomme ich Schmalz?

Schmalz erhalten Sie beim Metzger oder im gut sortierten Supermarkt. Als Alternative können Sie auch Butter oder ein geschmacksneutrales Pflanzenöl verwenden, um eine ähnliche Textur und Reichhaltigkeit zu erzielen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind einfach zu beschaffen und zu transportieren. Die Zubereitung ist schnell und erfordert keine spezielle Ausrüstung außer einem Topf und einer Feuerstelle oder einem Gaskocher.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'Das Buch von guter Speise', dem ältesten bekannten Kochbuch in deutscher Sprache. Es ist Teil des Würzburger Hausbuchs des Michael de Leone und entstand um 1345-1354 in Würzburg. Es gibt Einblicke in die bürgerliche und klösterliche Küche des Spätmittelalters.

Was bedeutet 'colris' im Rezept?

'Colris' ist der Name dieses Gerichts - dünne Eierfladen, in Milch gesotten und mit Eigelb gebunden. Das Buch bringt drei colris-Rezepte hintereinander (Nr. 65-67), alle nach diesem Muster. Trotz des Anklangs ist es NICHT 'Kohlreis': In keinem der drei kommt Kohl oder Reis vor. Woher der Name stammt, ist ungeklärt - am ehesten ein früher Verwandter der heutigen Flädle-/Frittatensuppe.

Ein col ris. Aber ein colris. nim eyger vnd zeslahe die mit semel mele zeslahe daz. duenne kuochen geworfen in ein milich vnd biz ez gesiede. vnd mengez aber mit eyger totern vnd tuo smaltz drin vnd gibz hin.
col ris / colris

Name eines Gerichts aus dünnen Eierfladen in Milch (drei colris-Rezepte in Folge, BvgS Nr. 65-67). NICHT 'Kohlreis' - in keinem der drei kommt Kohl oder Reis vor; der Namensursprung ist ungeklärt.

zeslahe

Zerschlagen, aufschlagen, verquirlen.

semel mele

Semmelmehl, Paniermehl.

duenne kuochen

Dünne Kuchen, Fladen oder Pfannkuchen.

geworfen

Hineingeben, hinzufügen.

milich

Milch.

gesiede

Siedet, kocht.

eyger totern

Eigelb.

smaltz

Schmalz, tierisches Fett (z.B. Schweine- oder Gänsefett).

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 163r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartzeslahe daz

Gewählte Lesart: Wahrscheinlicher ist, dass das zweite 'zeslahe' (in 'zeslahe daz duenne kuochen') das Verb ist, das den Eierteig zu dünnen Kuchen verarbeitet bzw. verstreicht ('schlage/forme das zu dünnen Kuchen') - nicht eine bloße Wiederholungs-Emphase des ersten Aufschlagens von Eiern und Semmelmehl.

Andere mögliche Lesart:

  • Die Wiederholung von 'zeslahe' als reine Betonung eines gründlichen Verquirlens, ohne eigene zweite Handlung. - In mittelalterlichen Texten kommen Wiederholungen gelegentlich als Verstärkung vor; hier jedoch ohne trennendes Satzzeichen im Text weniger wahrscheinlich.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 163r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Eierfladen in Milch, in Pfanne und Topf am Feuer machbar; frische Milch hält am Lager nur kurz.
Alle Rezepte aus Das Buch von guter Speise Alle Kochbücher

Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.