Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350
Nimm dünne, aus Eiern gebackene Kuchen (Pfannkuchen oder Crêpes) und schneide sie würfelförmig. Schneide ebenso viel Semmelbrot würfelförmig. Gib beides in Milch. Füge einen gewürfelten Apfel hinzu. Verrühre alles gut mit Eigelb. Lass es gut aufkochen und serviere es.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| duenne kuochen gebacken von eyern | 2-3 Eier für dünne Pfannkuchen | 2 | - | - |
| semelbrotes | Semmelbrot (Brötchen) | 200 g | Bäcker, Supermarkt | Weißbrot |
| ein milich | Milch | 300 ml | - | - |
| einen apfel | großer Apfel | 1 | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
| eyertotern | Eigelb | 3 | - | - |
Welches Gericht ist das? Ein colris in der süßen Variante: dünne Eierfladen und Semmelbrot werden gewürfelt, in Milch eingeweicht, mit Apfel ergänzt und mit Eigelb zu einer sämigen, aufgekochten Masse gebunden. Verwandt mit süddeutsch-österreichischen Brot-Apfel-Speisen wie dem Ofenschlupfer (Schwaben) oder dem Scheiterhaufen (Österreich) - dieselbe Grundidee aus altbackenem Weißbrot, Apfel und Milch/Ei, hier ergänzt um die charakteristischen Eierfladen-Würfel.
col rys - ein Rätselwort. Das Aber ein col rys ('Noch ein Colris') reiht dieses Rezept direkt an bgs-065 und bgs-066: drei colris-Rezepte in Folge, alle nach ähnlichem Muster. Trotz des Anklangs ist es nicht 'Kohlreis' - in keinem der drei kommt Kohl oder Reis vor; auch eine Herleitung vom lateinischen colare ('durchseihen') bleibt unbelegt, da in den colris-Rezepten nichts gesiebt wird. Der Namensursprung ist in der Forschung ungeklärt. Hier kommt mit dem Apfel ein süß-säuerlicher Akzent dazu, der bgs-065/066 fehlt.
eyertotern und das Aufkochen. Das Eigelb bindet die eingeweichte Masse; der Text endet direkt mit dem Sied-Befehl: laz ez sieden wol - 'lass es gut sieden/aufkochen'. bgs-065 schließt ähnlich mit 'suedez wol', bgs-066 mit 'biz ez gesiede' - alle drei colris-Rezepte enden mit demselben Sied-Schritt.
Praxis. Sehr dünne Pfannkuchen (fast Crêpes) backen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden; ebenso viel altbackenes Semmelbrot würfeln. Beides in einen Topf geben und mit Milch übergießen, sodass alles bedeckt ist (Startpunkt: ca. 300 ml Milch auf je 100 g Brot/Pfannkuchen). Kurz einweichen, dann einen gewürfelten, eher säuerlichen Apfel zugeben. 3-4 Eigelb gut unterrühren und die Masse gut aufkochen lassen - dabei rühren, da eine eigelbgebundene Milchmasse beim Sieden leicht gerinnt/flockt; die sichtbaren Würfelstücke sollen ohnehin erhalten bleiben, eine ganz glatte Creme ist hier nicht das Ziel. Warm servieren; ein Löffel Honig, eine Prise Zimt oder ein paar geröstete Mandelblättchen sind eine zeittypische Verfeinerung.
Semmelbrot ist einfach Weißbrot oder Brötchen. Sie erhalten es in jedem Supermarkt oder beim Bäcker.
Ja, sehr gut geeignet. Die dünnen Eierkuchen können Sie bereits zu Hause zubereiten und gewürfelt mitbringen. Am Lager müssen dann nur noch die restlichen Zutaten vermischt und die Masse in einem Topf oder Dutch Oven über dem Feuer unter Rühren gut aufgekocht werden, bis sie andickt.
'Colrys' ist der Name dieses Gerichts - dünne Eierfladen und Brot, in Milch eingeweicht und mit Eigelb gebunden. Das Buch bringt drei colris-Rezepte hintereinander (Nr. 65-67). Trotz des Anklangs ist es nicht 'Kohlreis': In keinem der drei kommt Kohl oder Reis vor. Woher der Name stammt, ist ungeklärt. 'Laz' ist die reguläre mittelhochdeutsche Imperativform von 'lassen' - hier im Sinn von 'lass es gut aufkochen', bevor serviert wird.
Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).
'Noch ein Colris' - das dritte von drei aufeinanderfolgenden colris-Rezepten (bgs-065, -066, -067), alle nach ähnlichem Muster. Trotz des Anklangs ist es nicht 'Kohlreis' - in keinem der drei kommt Kohl oder Reis vor; der Namensursprung ist in der Forschung ungeklärt.
Würfelförmig geschnitten.
Semmelbrot, also feines Weißbrot/Brötchen - hier am besten altbacken.
Eigelb, bindet die eingeweichte Masse zu einer sämigen Konsistenz.
Reguläre mittelhochdeutsche Imperativform von lâzen (=lassen), hier als Kausativkonstruktion 'lâzen + Infinitiv': laz ez sieden wol = 'lass es gut sieden/aufkochen'. Das Verb (sieden) steht direkt im Satz - anders als es der abgebrochen wirkende Satzanfang vermuten lässt, braucht es hier keinen Analogieschluss aus den Schwesterrezepten bgs-065 und bgs-066.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| semelbrotes | white bread Q1501889 |
| ein milich | milk Q8495 |
| einen apfel | apple Q89 |
| eyertotern | yolk Q16336079 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 4-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.