Das Buch von guter Speise (Daz buoch von guoter spîse)
Süßer Colrys mit Apfel
Moderne Übersetzung
Nimm dünne, aus Eiern gebackene Kuchen (Pfannkuchen oder Crêpes) und schneide sie würfelförmig. Schneide ebenso viel Semmelbrot würfelförmig. Gib beides in Milch. Füge einen gewürfelten Apfel hinzu. Verrühre alles gut mit Eigelb. Lass es gut aufkochen und serviere es.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| duenne kuochen gebacken von eyern | 2-3 Eier für dünne Pfannkuchen | 2 | - | - |
| semelbrotes | Semmelbrot (Brötchen) | 200 g | Bäcker, Supermarkt | Weißbrot |
| ein milich | Milch | 300 ml | - | - |
| einen apfel | großer Apfel | 1 | Supermarkt, Wochenmarkt | - |
| eyertotern | Eigelb | 3 | - | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein colris in der süßen Variante: dünne Eierfladen und Semmelbrot werden gewürfelt, in Milch eingeweicht, mit Apfel ergänzt und mit Eigelb zu einer sämigen, aufgekochten Masse gebunden. Verwandt mit süddeutsch-österreichischen Brot-Apfel-Speisen wie dem Ofenschlupfer (Schwaben) oder dem Scheiterhaufen (Österreich) - dieselbe Grundidee aus altbackenem Weißbrot, Apfel und Milch/Ei, hier ergänzt um die charakteristischen Eierfladen-Würfel.
col rys - ein Rätselwort. Das Aber ein col rys ('Noch ein Colris') reiht dieses Rezept direkt an bgs-065 und bgs-066: drei colris-Rezepte in Folge, alle nach ähnlichem Muster. Trotz des Anklangs ist es nicht 'Kohlreis' - in keinem der drei kommt Kohl oder Reis vor; auch eine Herleitung vom lateinischen colare ('durchseihen') bleibt unbelegt, da in den colris-Rezepten nichts gesiebt wird. Der Namensursprung ist in der Forschung ungeklärt. Hier kommt mit dem Apfel ein süß-säuerlicher Akzent dazu, der bgs-065/066 fehlt.
eyertotern und das Aufkochen. Das Eigelb bindet die eingeweichte Masse; der Text endet direkt mit dem Sied-Befehl: laz ez sieden wol - 'lass es gut sieden/aufkochen'. bgs-065 schließt ähnlich mit 'suedez wol', bgs-066 mit 'biz ez gesiede' - alle drei colris-Rezepte enden mit demselben Sied-Schritt.
Praxis. Sehr dünne Pfannkuchen (fast Crêpes) backen und in etwa 1 cm große Würfel schneiden; ebenso viel altbackenes Semmelbrot würfeln. Beides in einen Topf geben und mit Milch übergießen, sodass alles bedeckt ist (Startpunkt: ca. 300 ml Milch auf je 100 g Brot/Pfannkuchen). Kurz einweichen, dann einen gewürfelten, eher säuerlichen Apfel zugeben. 3-4 Eigelb gut unterrühren und die Masse gut aufkochen lassen - dabei rühren, da eine eigelbgebundene Milchmasse beim Sieden leicht gerinnt/flockt; die sichtbaren Würfelstücke sollen ohnehin erhalten bleiben, eine ganz glatte Creme ist hier nicht das Ziel. Warm servieren; ein Löffel Honig, eine Prise Zimt oder ein paar geröstete Mandelblättchen sind eine zeittypische Verfeinerung.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/bgs-067/
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