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Gekochter Kürbis mit Ei und Käse

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit50 Min.Portionen4-6 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Schäle die Kürbisse, wie du es wünschst. Koche sie dann in Fleischbrühe oder Wasser und gib etwas Zwiebel hinzu, je nach der Menge, die du zubereiten möchtest. Wenn die Kürbisse gar erscheinen, nimm sie heraus und passiere alles durch einen Schaumlöffel oder zerstoße es sehr fein. Gib es dann zum Kochen in einen Topf mit fetter Brühe und etwas Verjus. Färbe es mit etwas Safran gelb. Wenn es gar ist, nimm es vom Feuer und lass es etwas abkühlen. Nimm danach Eigelb nach Belieben und schlage es mit etwas altem Käse. Gib dies zu den Kürbissen und rühre ununterbrochen mit dem Löffel, damit es nicht ansetzt. Richte es in Portionen an und bestreue es mit süßen Gewürzen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Zucche Kürbis - -
brodo di carne Fleischbrühe - -
acqua Wasser Leitung -
cipolla Zwiebel - -
brodo grasso Fette Brühe - -
un pocho d'agresto etwas Verjus Feinkostladen, Online-Shop Weißweinessig oder Zitronensaft
zafrano Safran - -
rossi d'ova Eigelb - -
caso vecchio alter Käse - Parmesan oder Pecorino
spetie dolci süße Gewürze (z.B. Zimt, Ingwer, Nelken, Muskat) - -

Welches Gericht ist das? Ein cremiges Kürbispüree, mit Eigelb und altem Hartkäse gebunden - der Renaissance-Vorfahr eines herzhaften Kürbis-Sformato oder einer gratinierten Kürbiscreme. Die Kombination aus Kürbis, Brühe, Käse, Ei und süßen Gewürzen ist bis heute in der italienischen Küche (etwa als Füllung für tortelli di zucca) lebendig.

Welcher Zucca? Der amerikanische Gartenkürbis kam erst nach 1492 nach Europa; Martinos zucca meint daher die altweltlichen Flaschenkürbisse (Lagenaria) und verwandte Kürbisgewächse. Für die Nachküche passt jeder feste Speisekürbis - Hokkaido, Butternut oder Muskatkürbis.

Das Ei darf nicht stocken. Eigelb mit geriebenem alten Käse wird erst untergerührt, nachdem die Kürbismasse vom Feuer genommen und etwas abgekühlt ist. Dann unter ständigem Rühren binden lassen, damit das Ei sämig legiert und nicht zu Rührei gerinnt - dasselbe Prinzip wie bei einer modernen Legierung.

Säure und Farbe. Etwas agresto (Verjus) bringt die für die Zeit typische frische Säure ins sonst milde Püree; etwas Safran färbt es goldgelb (periodentreue Tafelfarbe, kein moderner Farbzusatz).

Praxis. Kürbis schälen, würfeln und in Fleischbrühe oder Wasser mit etwas Zwiebel weich kochen. Abgießen, durch ein Sieb streichen oder fein stampfen. Mit etwas fetter Brühe und einem Schuss Verjus zurück in den Topf, mit ein paar Safranfäden gelb färben und kurz aufkochen. Vom Feuer ziehen, leicht abkühlen lassen. Eigelb mit reichlich geriebenem Parmesan oder Pecorino verquirlen, unterrühren und bei milder Hitze unter ständigem Rühren binden. In Portionen anrichten und mit süßen Gewürzen (Zimt, Ingwer, Nelke, Muskat) bestreuen.

Was sind 'Zucche' in diesem Rezept?

‚Zucche‘ bezeichnet im mittelalterlichen Italienisch Kürbisse oder andere Kürbisgewächse. Da die Vielfalt der Kürbisse im 15. Jahrhundert anders war als heute, kannst du moderne Speisekürbisse wie Hokkaido, Butternut oder Muskatkürbis verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt lediglich einen Topf zum Kochen und eine Möglichkeit, die Kürbisse zu zerdrücken oder zu passieren. Die Zutaten sind gut transportierbar und die Zubereitung ist in etwa einer Stunde machbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem ‚Libro de Arte Coquinaria‘, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts, verfasst um 1465 von Maestro Martino da Como. Es ist in norditalienischem Volgare geschrieben und spiegelt die gehobene Küche der italienischen Fürstenhöfe wider.

Was ist 'agresto'?

Agresto ist der italienische Begriff für Verjus, den sauren Saft unreifer Weintrauben. Er wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel in der Küche verwendet, ähnlich wie Essig oder Zitronensaft. Du findest Verjus in Feinkostläden oder online; alternativ kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden.

Was ist ein 'Mörser', brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im Rezept wird ‚pistale‘ (zerstoßen) erwähnt, was auf die Verwendung eines Mörsers hindeutet. Im Mittelalter war dies oft ein großer Fleischmörser, um Zutaten zu einer feinen Paste zu verarbeiten. Für dieses Rezept kannst du die Kürbisse einfach mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken, durch ein Sieb passieren oder einen Pürierstab/Küchenmaschine verwenden, um eine glatte Konsistenz zu erreichen. Ein kleiner Gewürzmörser ist hierfür nicht ausreichend.

Cocer zucche. Mondale como vogliono essere, et poi cecile con brodo di carne, overo con acqua et mettevi un pocha de cipolla secundo la quantità che tu vorrai fare. Et quando parerà cotta cacciala fore, et passa ogni cosa per la cocchiara straforata, overo pistale molto bene, et metteli accocere in una pignatta con brodo grasso, et con un pocho d'agresto. Et siano un pocho gialle di zafrano; et quando sono cotte toglile dal focho et lasciale un pocho refredare. Dapoi togli di rossi d'ova secundo la quantità et sbattili con un pocho di caso vecchio et gittagli in le ditte zucche menando continuamente col cocchiaro acciò che non si prendano : et fa' le menestre et mectevi sopra spetie dolci.
Zucche

Kürbis - im 15. Jh. altweltliche Flaschenkürbisse, nicht der erst nach 1492 eingeführte amerikanische Gartenkürbis.

brodo grasso

Fette Brühe, eine kräftige Fleischbrühe mit hohem Fettanteil.

agresto

Verjus, der saure Saft unreifer Trauben, als Säuerungsmittel.

caso vecchio

Alter, harter Käse, vergleichbar mit Parmesan oder Pecorino.

cocchiara straforata

Lochkelle oder Schaumlöffel, hier zum Passieren bzw. Zerdrücken der gekochten Kürbisse.

spetie dolci

Süße Gewürze, typisch Zimt, Ingwer, Nelke, Muskat oder eine Mischung davon.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 23r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartZucche

Gewählte Lesart: „Kürbis“ - im italienischen 15. Jahrhundert die altweltlichen Kürbisgewächse (v.a. Flaschenkürbis Lagenaria), da der amerikanische Speisekürbis noch nicht bekannt war. Für die Nachküche ist jeder feste Speisekürbis geeignet.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 23r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Topf über offenem Feuer machbar. Zum Passieren genügen Lochkelle, Sieb oder Stampfer. Die Eigelb-Käse-Mischung erst nach dem leichten Abkühlen unterrühren, sonst gerinnt das Ei.
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