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Gebackene Birnen mit Honig

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit120 Min.Portionen4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Möchtest du eine Speise zubereiten, so schneide Birnen sauber zurecht und spalte sie in vier Teile. Lege sie in einen Topf, bedecke den Topf und versiegele ihn mit Teig, damit kein Dampf entweichen kann. Dann bedecke den Topf mit einem weiten Deckel und lege ringsherum glühende Kohlen. Lass es langsam backen. Nimm dann die Birnen heraus und gib reinen Honig hinzu, etwa die gleiche Menge wie Birnen vorhanden sind. Koche es zusammen, bis es dick wird, und serviere es. Ebenso kannst du es auch mit Äpfeln und Quitten zubereiten, doch sollst du reichlich Pfeffer hinzufügen.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
biern Birnen - Supermarkt, Wochenmarkt -
teyge Teig (zum Versiegeln) - Supermarkt (Fertigteig) oder selbstgemacht Alufolie und feuchter Lehm
reines honiges Reiner Honig - Supermarkt, Imker -
epfeln Äpfel - Supermarkt, Wochenmarkt -
kueten Quitten - Wochenmarkt, gut sortierter Supermarkt Birnen oder Äpfel
pfeffers Pfeffer - - -

Welches Gericht ist das? Ein im teigversiegelten Topf zwischen Glutschichten gegartes, anschließend gemeinsam mit Honig eingekochtes Birnenkompott - am ehesten vergleichbar mit heutigen Ofen- oder Bratbirnen, nur eben am offenen Feuer statt im Backofen. Die Teigversiegelung dient dabei ausschließlich dem Dampfschluss, nicht der Aromatisierung.

Die Glut ringsherum. Der Topf wird nicht einfach ins Feuer gestellt, sondern mit einem weiten Deckel bedeckt und rundherum mit glühenden Kohlen umgeben. Das erzeugt eine gleichmäßige Rundum-Hitze, ähnlich einer kleinen Ofenkammer, ohne dass ein echter Ofen nötig ist. Wie viel Kohle und wie lange genau, sagt der Text nicht - nur, dass es langsam gehen soll.

Praxis. Birnen sauber zurechtschneiden - der Text verlangt kein Schälen, nur ein ordentliches Zurichten - und in vier Teile spalten. In einen feuerfesten Topf mit gut schließendem Deckel legen. Den Deckelrand mit Teig abdichten, sodass kein Dampf entweichen kann; welche Teigsorte dafür verwendet wurde, sagt der Text nicht - ein einfacher Mehl-Wasser-Teig erfüllt den Zweck ebenso wie ein fester Brotteig. Danach den Topf mit einem zweiten, weiten Deckel abdecken und rundherum glühende Kohlen anhäufen. Bei moderater, gleichmäßiger Glut langsam garen. Die Birnen aus dem Topf nehmen, reinen Honig dazugeben - etwa so viel, wie die Birnen wiegen - und beides gemeinsam aufkochen, bis es dickflüssig wird. Dann servieren. Wer die Apfel- oder Quittenvariante zubereitet, gibt reichlich Pfeffer dazu - eine süß-scharfe Kombination, die im Rezeptkorpus dieser Zeit häufiger vorkommt und keine Besonderheit dieses einen Rezepts ist.

Wo bekomme ich Quitten?

Quitten sind saisonal im Herbst auf Wochenmärkten, in gut sortierten Supermärkten oder bei Obstbauern erhältlich. Außerhalb der Saison sind sie schwer zu finden. Alternativ können Sie das Rezept auch nur mit Birnen oder Äpfeln zubereiten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, hervorragend geeignet. Ein mit Teig versiegelter Topf, der ringsherum mit glühenden Kohlen umgeben wird, ist eine klassische Methode am offenen Feuer - vergleichbar dem Prinzip eines Dutch Oven, aber ganz ohne moderne Technik. Die Birnen können bereits zu Hause geschnitten werden. Am Lagerplatz benötigen Sie einen feuerfesten Topf mit Deckel, Teig zum Versiegeln und ausreichend glühende Kohlen.

Was bedeutet 'fuelle' im Rezept?

Im Kontext dieses Rezepts bezieht sich 'fuelle' auf eine reichhaltige, dicke Speise oder eine Füllung. Da die Birnen mit Honig eingedickt werden, ist die Bedeutung einer 'dicken, sättigenden Speise' am plausibelsten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Ein guote fuelle. Wiltu machen ein spise, besnide biern schone vnd spalt in viere vnd lege sie in einen hafen vnd bedecke den hafen vnd becleibe ez mit teyge, daz der bradem iht vz muege. Denne bestuertze den hafen mit einer witen stuertzen vnd lege dar vemme glueende koln vnd laz ez langsam backen. so nim denne die birn her vz vnd tuo reines honiges dor zvo also vil als der birn ist vnd suede ez mit ein ander, daz ez dicke werde, vnd gibz hin. Conf. Also mahtu auch von epfeln vnd von kueten, aber man sol pfeffers genuoc dar zvo tuon.
fuelle

Eine reiche, dicke Speise oder Füllung.

hafen

Ein Kochtopf, oft aus Ton oder Metall, der direkt ins Feuer oder in die Glut gestellt werden konnte.

bradem

Dampf, Ausdünstung. Im Korpus mehrfach belegt, Lesart gesichert.

bestuertze / bestürtze

Bedecke den Topf mit einem Deckel und lege Kohlen darauf.

stuertzen / stürtzen

Ein Deckel oder eine Abdeckung, oft flach und weit, um Kohlen darauf zu legen.

glueende koln

Glühende Holzkohlen oder Holzscheite.

kueten

Quitten, eine Kernobstfrucht, die gekocht oder gebacken wird.

Conf.

Vermutlich eine editorische oder handschriftliche Randmarke (Verweis/Kapitelmarkierung), keine Zutat oder Anweisung - daher in der Übersetzung nicht mitgeführt.

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 157r
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

biernpear Q13099586
teygedough Q178024
epfelnapple Q89
kuetenquince Q2751465
pfefferspepper Q3143131

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartfuelle

Gewählte Lesart: Die Lesart 'reiche, dicke Speise' wurde gewählt, da das Rezept ein eigenständiges Gericht beschreibt, das durch Einkochen verdickt wird, und nicht als Füllung für ein anderes Gericht dient.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine Füllung für eine Pastete oder ein anderes Gebäck. - Das Wort 'fuelle' kann auch 'Füllung' bedeuten, aber der Kontext des Rezepts, das keine weitere Hülle erwähnt, macht dies weniger wahrscheinlich als eine eigenständige Speise.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 157r, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Fast schon eine Lagerküchen-Methode: Birnen im teigversiegelten Topf zwischen Glut gegart (Dutch-Oven-Prinzip).
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Stand dieser Fassung: 09.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.