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Gebackene Feigen-Rosinen-Küchlein mit gelbem Müslin

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Bürgerliche KücheBürgerlichVeganVegan
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchKoch und Kellermeisterei (~1574)

Wähle Feigen und Rosinen aus und weiche sie in Wein ein. Stoße sie anschließend in einem Mörser. Mische Mehl und Gewürze darunter und forme Küchlein daraus. Ziehe diese durch einen dünnen Teig und backe sie schön. Das Müslin bereite mit warmem Wein und weißem Mehl und färbe es gelb. Man soll die Küchlein trocken auftragen.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Feigen 200 g getrocknete Feigen - -
Rosin 100 g Rosinen - -
Wein 200 ml Wein (z.B. Weißwein) - -
Mehl ca. 150 g weißes Mehl (für die Küchlein) - -
würtz 1 TL Gewürze (z.B. Ingwer, Zimt, Nelken, Pfeffer) - -
teiglin ca. 100 g weißes Mehl (für den dünnen Teig) - -
teiglin ca. 50 ml Flüssigkeit (Wein oder Wasser) für den dünnen Teig - -
warmen Wein 100 ml warmer Wein (für das Müslin) - -
weis Mehl 50 g weißes Mehl (für das Müslin) - -
gilb es 1 Prise Safranfäden (für das Müslin) Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Süße, in Wein eingeweichte Feigen-Rosinen-Küchlein, durch einen dünnen Teig gezogen und ausgebacken, dazu eine gelbe Begleitsauce (Müslin). Eng verwandt mit der Oblaten-Variante kkm-045 und dem geschnittenen Mandel-Reis-Mus kkm-046 - alle drei aus der KKM-"Gebackens"-Reihe -, und mit dem Feigen-Rosinen-Mus foc-081.

Frucht statt Mus als Kern. Anders als bei kkm-046 (gekochtes Mus) ist der Kern hier eine im Mörser zerstoßene Paste aus weingetränkten Feigen und Rosinen, mit etwas Mehl und Gewürzen zu formbaren Küchlein gebunden. Das Mehl ist hier Form-Binder der Fruchtmasse, kein Andickmittel.

Das Müslin. Eine eigene, dünne Begleitsauce aus warmem Wein und weißem Mehl, safrangelb gefärbt. Dass das Buch "trocken auftragen" verlangt, zeigt: die Sauce wird daneben gereicht, nicht darübergegossen - die Küchlein sollen knusprig bleiben.

Praxis. 200 g getrocknete Feigen und 100 g Rosinen in ~200 ml Wein einweichen, abtropfen, im Mörser (oder Mixer) zur Paste stoßen. Mit ~150 g Mehl und 1 TL gemahlenen Gewürzen (Ingwer, Zimt, Nelke, Pfeffer) zu kleinen Küchlein formen. Durch einen dünnen Teig (Mehl mit Wein/Wasser) ziehen und in mäßig heißem Fett goldbraun backen. Fürs Müslin ~100 ml warmen Wein mit ~50 g weißem Mehl glatt verrühren, kurz aufkochen, mit eingeweichtem Safran gelb färben - separat zu den trocken angerichteten Küchlein reichen.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

In mittelalterlichen Rezepten ist mit 'Mörser' oft ein großer Fleischmörser gemeint, der zum Zerkleinern von Fleisch, Fisch oder eben Früchten zu einer feinen Paste verwendet wurde. Für dieses Rezept kannst du die eingeweichten Früchte stattdessen in einer Küchenmaschine oder einem Blender pürieren, um eine ähnliche Konsistenz zu erreichen. Wer authentisch arbeiten möchte, verwendet einen großen Granit-Mörser mit schwerem Holzstößel.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Vorbereitung der Fruchtpaste kann zu Hause erfolgen. Am Lager selbst benötigst du eine Möglichkeit zum Backen, idealerweise einen Lehmofen oder einen Dutch Oven, der mit Ober- und Unterhitze betrieben wird. Das Kochen des Müslins über offenem Feuer ist unkompliziert. Das Ausrollen des dünnen Teigs erfordert eine saubere Unterlage.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es ist ein Beispiel für die bürgerliche Küche der frühen Neuzeit, die bereits eine größere Vielfalt an Zutaten und Zubereitungsarten kannte als die des Hochmittelalters.

Was bedeutet 'gezogen' und 'teiglin' im Rezept?

'Gezogen' im Titel deutet darauf hin, dass ein dünner Teig verwendet wird, der eventuell wie Strudelteig gezogen oder sehr dünn ausgerollt wird. Das 'teiglin' ist ein Diminutiv von Teig und meint hier ein dünnes Teigblatt oder eine Teighülle, in die die Fruchtküchlein eingewickelt oder durch die sie gezogen werden, bevor sie gebacken werden.

Ein gut gezogen Gebackens. Erwell Feigen vnd Rosin in Wein/ stoß in einem Mörser/ misch mehl vnd würtz darein/ mach Küchlin daraus/ die ziehe durch ein teiglin/ back sie schön. Das Müslin mach mit warmen Wein/ vnd weis Mehl/ gilb es/ etc. Man sol es trucken fürtragen.
gut gezogen Gebackens

Ausgebackenes Gebäck, das durch einen dünnen, "gezogenen" Teig gezogen wird - die übliche KKM-Ausbackhülle (vgl. kkm-045, kkm-046).

Erwell ... in Wein

Hier: die Früchte in Wein einweichen/erweichen, bevor sie gestoßen werden.

Küchlin

Kleine geformte Teig-/Frucht-Klößchen, die ausgebacken werden.

Müslin

Kleines Mus - hier eine warme, mit weißem Mehl gebundene und safrangelbe Begleitsauce zu den Küchlein.

gilb es

Färbe es gelb, mit Safran.

trucken fürtragen

Trocken auftragen - die Küchlein werden nicht in der Sauce ertränkt, das Müslin dient nur als Beilage.

Handschrift
Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Frankfurt am Main, 1574

Originalwerk (~1574) gemeinfrei.

Bildquelle
Koch und Kellermeisterei, S. 028
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut lagertauglich. Feigen und Rosinen zuhause in Wein einweichen und zur Paste verarbeiten, Gewürzmischung vorbereiten. Am Lager Küchlein formen, durch den Teig ziehen und in der Pfanne über dem Feuer ausbacken; das Müslin rührt man einfach im Topf an.
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