Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480
Wenn du einen Käse aus Mohn machen willst, dann nimm Mohn und wasche ihn gründlich. Stoße ihn dann, bis sich oben der Schotten absetzt - nimm ihn ab und mach daraus einen Käse.
Dazu soll man Mohnmilch zubereiten und diese mit Zucker süßen. Gieße die gesüßte Mohnmilch dann auf den Käse.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| magen | Mohn | - | Supermarkt (Backregal) | - |
| schotten | die beim Kochen der Mohnmilch oben aufschwimmende, quarkartige Masse | - | - | - |
| nuss milich | Mohnmilch | - | gut sortierter Supermarkt, Reformhaus | Mandelmilch |
| czucker | Zucker | - | - | - |
| (implied) | Wasser | - | Leitung | - |
Welches Gericht ist das? Ein pflanzliches „Käse“-Imitat aus Mohn für die Fastenzeit: Mohn wird gewaschen, zerstoßen und mit Wasser zu einer Mohnmilch verarbeitet, die beim Erhitzen aufschwimmende, quarkartige Masse abgeschöpft und zu einem Laib geformt - anschließend mit gesüßter Mohnmilch übergossen. Ein fast wortgleicher Zwilling dieses Verfahrens findet sich im Kochbuch Meister Hans unter dem Titel „Mohnkäse“, verwandt sind auch dortige Mandel- und Hanf-Schotten-Rezepte - allesamt Milch- und Käseimitate für die Fastenzeit, gewonnen durch Kochen und Abschöpfen pflanzlicher Nussmilch statt Tiermilch.
Der Kern der Zubereitung liegt im Wort „Schotten“: Es bezeichnet nicht ein Gefäß oder eine Form, sondern die beim Sieden der Mohnmilch oben aufschwimmende, geronnene Masse - ein Quark-Analogon, das rein physikalisch durch Verdunsten und Abtropfen der Flüssigkeit entsteht, ganz ohne Lab, Ei oder Mehlschwitze. Die knappe Formulierung des Originals setzt den Kochschritt (Mohn mit Wasser aufkochen) stillschweigend voraus, wie in dieser Handschrift öfter.
Praxis. Mohn gründlich waschen und im Mörser fein zerstoßen, mit Wasser zu einer dickflüssigen Mohnmilch verrühren und kurz aufkochen. Die sich dabei oben absetzende feste Masse abschöpfen, durch ein Tuch abtropfen lassen und zu einem Laib pressen - das Ergebnis ist keine schnittfeste Käsemasse, sondern eine weiche, feuchte Curd-artige Konsistenz, vergleichbar mit frischem Ricotta. Separat eine zweite Portion Mohnmilch zubereiten, mit Zucker süßen und über den geformten Mohnkäse gießen. Ohne Kühlbedarf am offenen Feuer zubereitbar.
Mohnmilch ist in gut sortierten Supermärkten oder Reformhäusern erhältlich. Alternativ kannst du sie auch selbst herstellen, indem du Mohn über Nacht einweichst, dann mit Wasser pürierst und durch ein feines Tuch abseihst. Mandelmilch ist eine gute Alternative.
Ja, gut geeignet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung. Der Mohn wird gewaschen, gestoßen und mit Wasser zu Mohnmilch verarbeitet, die kurz aufgekocht wird; die sich dabei absetzende feste Masse lässt sich durch ein Tuch abtropfen und zu einem Käse formen - alles im Topf am offenen Feuer machbar, ganz ohne Ofen. Die Zubereitung dauert etwa 30 Minuten.
„Schotten“ bezeichnet hier nicht eine Käseform oder ein Sieb, sondern die beim Kochen der Mohnmilch oben aufschwimmende, quarkartige Masse - ein pflanzliches Quark-Analogon aus Mohn, das abgeschöpft und zu einem Käse geformt wird. Dieselbe Bedeutung trägt „Schotten“ auch im verwandten Mohnkäse-Rezept aus dem Kochbuch Meister Hans.
Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch (Österreich - Mondsee, Oberösterreich). Das Mondseer Kochbuch - eine der umfangreichsten deutschsprachigen Rezeptsammlungen des Spätmittelalters: rund 268 Kochrezepte aus dem oberösterreichischen Raum (Umkreis des Benediktinerklosters Mondsee, 2. Hälfte 15. Jh.), überliefert in der Sammelhandschrift Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA-Sigle GR1, fol. 11r-94v). Das Buch deckt die ganze Bandbreite einer spätmittelalterlichen Küche ab: Mandel- und Fischmuse, Sülzen und Gallerten (u.a. vom Hasen und mit Krebsen), Hausen und andere Fische, Wildbret und Spanferkel, dazu zahlreiche Fasten- und Schauspeisen - etwa aus Fisch nachgeformte Rebhühner, Blancmanger und ein Karfreitags-Eiergericht - sowie süßes Backwerk, Lebkuchen und eingekochte Weichsel-Zubereitungen. Reiche Cross-Links zur bairisch-alemannischen Salsen-, Sülzen- und Schauspeisen-Tradition (m5919, m384, meb, kkm).
Hier im Sinne von Mohn (Schlafmohn), nicht der anatomische Magen. Mohn war eine wichtige Zutat für Fastenspeisen und Süßspeisen.
Bezeichnet hier nicht ein Gefäß oder eine Form, sondern die beim Kochen der Mohnmilch oben aufschwimmende, quarkartige Masse - ein pflanzliches Quark-Analogon aus Mohn, das abgeschöpft und zu einem Käse geformt wird. Dieselbe Bedeutung trägt „Schotten“/„Sotten“ auch im fast wortgleichen Mohnkäse-Rezept des Kochbuchs Meister Hans.
Wörtlich 'Nussmilch', aber im Kontext von Mohn als Hauptzutat ist hier Mohnmilch gemeint. Diese wurde aus gemahlenem Mohn und Wasser hergestellt und diente als pflanzliche Milchalternative.
Im 15. Jahrhundert war Zucker ein teures Importgut und wurde oft als Statussymbol verwendet. Hier ist unraffinierter Rohrzucker gemeint, der eine leicht bräunliche Farbe hatte.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| schotten | quark Q259642 |
| nuss milich | nut milk Q107246657 |
| czucker | unrefined cane sugar Q57656231 |
| (implied) | water Q283 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gewählte Lesart: ‚Schotten oben‘ - die beim Erhitzen der Mohn-Wasser-Masse oben aufschwimmende, geronnene Masse (ein Quark-Analogon aus Mohn), die abgeschöpft und zu einem Käse geformt wird. 'Obem' = 'oben' (bairisches Adverb, vgl. Schmeller-Wörterbuch).
Andere mögliche Lesart:
nuss milich
Gewählte Lesart: ‚Mohnmilch‘. Im Kontext des 'Käses aus Mohn' ist die 'Nussmilch' hier spezifisch als Mohnmilch zu verstehen, die aus der gleichen Hauptzutat gewonnen wird.
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.