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Kaninchen oder Zicklein süß-sauer

The Forme of Cury · England · 1390

WildHauptspeise · WildLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofküche
Zubereitungszeit50 Min.Portionen4-6 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm Kaninchen oder Zicklein und schneide es roh in Stücke. Brate es sodann in weißem Schmalz an. Nimm Korinthen und brate auch diese an. Nimm Zwiebeln, blanchiere sie, hacke sie fein und brate sie ebenfalls an. Gib Rotwein, Zucker, Pfefferpulver, Ingwer, Zimt und Salz hinzu. Lass alles mit einer guten Menge weißen Schmalzes köcheln und serviere es.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Conynges or Kydde 1 Kaninchen (ca. 1,5 kg) oder 1 kg Zickleinfleisch Metzger / Wochenmarkt -
white grece 200 g Schweineschmalz - Neutrales Pflanzenöl
raysouns of Coraunce 100 g Korinthen - -
oynouns 2-3 Zwiebeln - -
rede wyne 250 ml Rotwein - -
suger 2 EL Zucker - -
powdour of peper 1 TL Pfefferpulver - -
of gynger 1 TL Ingwerpulver - -
of canel 1 TL Zimtpulver - -
salt nach Geschmack Salz - -

Welches Gericht ist das? Im Geiste ist dies ein süß-würziges Ragout oder Schmorgericht, das trotz seines Namens ‚Egurdouce' eine rein süße Geschmacksrichtung betont - verwandt mit den frühesten Formen von Fruchtragouts.

So gelingt es. Der Schlüssel liegt im sorgfältigen Anbraten in weißem Schmalz. Schneide das Kaninchen oder Zicklein in mundgerechte Stücke und brate es in einer guten Menge Schmalz (als Startpunkt: 2-3 EL pro Kilo Fleisch) scharf an, bis es goldbraun ist und Röstaromen entwickelt hat. Nimm das Fleisch heraus und brate dann nacheinander die blanchierten, fein gehackten Zwiebeln und die Korinthen im restlichen Schmalz an, bis die Zwiebeln weich und leicht karamellisiert sind und die Korinthen aufquellen. Gib das Fleisch zurück in den Topf. Nun mit Rotwein ablöschen - so viel, dass das Fleisch gut bedeckt ist. Zucker, Pfeffer, Ingwer, Zimt und Salz hinzufügen. Als Startpunkt für die Gewürze würde ich etwa einen halben Teelöffel Pfeffer, einen Teelöffel Ingwer und einen halben Teelöffel Zimt pro Kilo Fleisch empfehlen, aber unbedingt abschmecken. Lass alles bei milder Hitze sanft köcheln, bis das Fleisch butterzart ist und die Sauce auf die gewünschte Konsistenz reduziert ist. Der häufigste Fehler ist, die Sauce zu stark zu reduzieren oder die Gewürze zu verbrennen; achte auf eine sanfte Hitze und rühre regelmäßig.

So wird es richtig gut. Die Süße der Korinthen und des Zuckers sollte nicht erschlagen, sondern von den warmen Gewürzen getragen werden. Eine gute Reduktion der Sauce ist entscheidend: Sie sollte glänzend und leicht sämig sein, fast wie ein Sirup, der das Fleisch umhüllt. Durch das Anbraten der Zwiebeln und Korinthen in Schmalz entstehen feine Röstaromen, die der Süße Tiefe verleihen und eine eindimensionale Süße verhindern. Schmecke am Ende noch einmal ab und justiere Salz und Gewürze. Serviere das Gericht warm, vielleicht mit einem einfachen, ungesüßten Brot, um die Süße auszugleichen und die reiche Sauce aufzunehmen.

Was bedeutet 'Egurdouce' und warum fehlt die saure Komponente?

Der Begriff 'Egurdouce' leitet sich vom Altfranzösischen 'aigre-douce' ab und bedeutet 'süß-sauer'. Obwohl der Titel eine Mischung aus süßen und sauren Geschmacksnoten verspricht, enthält dieses spezifische Rezept keine saure Zutat wie Essig oder Verjus. Dies wurde bereits vom Herausgeber des Originaltextes angemerkt und ist ein interessantes Beispiel dafür, wie Rezeptnamen manchmal von der tatsächlichen Zubereitung abweichen konnten.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist gut für die Lagerküche geeignet. Die Zubereitung erfordert lediglich eine Pfanne und einen Topf zum Anbraten und Köcheln, was sich gut über offenem Feuer oder auf einem Kocher bewerkstelligen lässt. Die Zutaten sind robust und gut transportierbar.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus 'The Forme of Cury', einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen. Sie wurde um 1390 für die Köche von König Richard II. verfasst und bietet einen tiefen Einblick in die höfische Küche des späten Mittelalters in England.

Was ist 'white grece' und welche Alternativen gibt es?

'White grece' bezeichnet ausgelassenes tierisches Fett, meist Schweineschmalz oder Rindertalg. Es wurde wegen seiner hellen Farbe und guten Brateigenschaften geschätzt. Als moderne Alternative eignet sich Schweineschmalz aus dem Supermarkt oder auch ein neutrales Pflanzenöl, wenn man den tierischen Geschmack vermeiden möchte.

EGURDOUCE Take Conynges or Kydde and smyte hem on pecys rawe. and frye hem in white grece. take raysouns of Coraunce and fry hem take oynouns parboile hem and hewe hem small and fry hem. take rede wyne suger with powdour of peper. of gynger of canel. salt. and cast þerto. and lat it seeþ with a gode quantite of white grece an serue it forth. Egurdouce. The term expresses _piccante dolce_, a mixture of sour and sweet; but there is nothing of the former in the composition. Vide Gloss.
Egurdouce

Aus altfranzösisch aigre-douce „süß-sauer“. Pegge merkt an, dass die saure Komponente hier fehlt - das Rezept ist rein süß-würzig.

white grece

weißes (helles) ausgelassenes tierisches Fett, meist Schweineschmalz oder Talg.

raysouns of Coraunce

Korinthen, kleine kernlose Rosinen.

parboile

blanchieren, kurz vorkochen.

seeþ

sieden, köcheln lassen.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 19 verso
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 19 verso, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Pfanne und Topf zum Anbraten und Köcheln über offenem Feuer oder Kocher genügen. Zutaten sind robust und gut transportierbar.
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