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Stockfisch auf dem Rost mit Teighülle

Daz buoch von guoter spîse · Würzburg · 1350

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit60 Min.Portionen2-4 PersonenBuchDas Buch von guter Speise (~1350)

Nimm einen Stockfisch, der nicht zu trocken ist, und ziehe ihm die Haut ab. Weiche ihn eine Nacht lang in kaltem Wasser ein. Drücke ihn in Essig, damit er ganz bleibt. Binde ihn der Länge nach mit zwei Schienen darüber und lege ihn auf einen hölzernen Rost. Mache ihn warm und besprenge ihn mit Butter. Mache einen Teig aus Mehl und Eiern, dazu gestoßenen Pfeffer und Safran und Salz nach Belieben. Sobald der Fisch sehr heiß ist, schlage den Teig mit einem Schwung darüber. Gib reichlich Feuer darunter und lass ihn rot werden. Bevor du ihn abnimmst, beträufle ihn reichlich mit Butter und serviere ihn.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
einen stoc visch, der niht dürre si Stockfisch (nicht zu trocken) 1 Fischhändler, gut sortierter Supermarkt Kabeljaufilet (frisch oder aufgetaut), muss nicht gewässert werden
kaldem wazzere Kaltes Wasser - Leitung -
ezzig Essig - - -
butern Butter - - -
mele Weizenmehl - - -
eyern Eier - - -
gestozzen pfeffer Gestoßener Pfeffer - - -
saffran Safran - Supermarkt, Gewürzhandel -
saltz Salz - - -

Welches Gericht ist das? Ein ganzer, gewässerter und mit Essig gefestigter Stockfisch wird auf einem hölzernen Rost über Glut gegart und dabei mit einem safrangelben Ei-Mehl-Teig übergossen, der auf dem heißen Fisch zu einer Kruste erstarrt. Das ist eine frühe Form dessen, was man heute als Fisch im Teigmantel kennen würde - der Teig schützt den Fisch beim Garen über offenem Feuer und würzt ihn zugleich.

Das Wässern. Das Original nennt nur eine Nacht. Moderner, stark getrockneter Stockfisch braucht dafür in der Praxis eher mehrere Tage mit regelmäßigem Wasserwechsel, bis er sich weich und elastisch anfühlt - das ist eine Anpassung an heutige Ware, keine Textaussage.

Der Essig. Der Fisch wird nach dem Wässern in Essig gedrückt, „damit er ganz bleibe“ - der Essig dient hier dem Festigen des Fleisches, nicht der Würzung. Anschließend wird er der Länge nach mit zwei Holzschienen gebunden, damit er auf dem Rost nicht auseinanderfällt.

Praxis. Den gewässerten und mit Essig behandelten Fisch mit zwei Schienen der Länge nach binden und auf einen hölzernen Rost über milde Glut legen. Erwärmen, dann mit Butter besprengen. Für den Teig Mehl mit Eiern verrühren, dazu gestoßenen Pfeffer, Safran und Salz nach Belieben. Sobald der Fisch sehr heiß ist, den Teig mit Schwung darüberschlagen, sodass er den Fisch möglichst geschlossen bedeckt - zu vorsichtig aufgetragen, tropft er durch die Zwischenräume des hölzernen Rostes statt anzustocken. Nun reichlich Feuer geben, bis der Teig rot beziehungsweise gebräunt ist; das verlangt etwas Übung, damit die Kruste bräunt, ohne dass der Fisch darunter verbrennt. Vor dem Abnehmen vom Rost noch einmal reichlich mit geschmolzener Butter beträufeln und heiß servieren.

Wo bekomme ich Stockfisch?

Stockfisch ist in gut sortierten Fischgeschäften oder großen Supermärkten erhältlich. Alternativ kann man auch frisches oder aufgetautes Kabeljaufilet verwenden, das dann aber nicht gewässert werden muss.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, gut geeignet. Der Stockfisch muss zwar mehrere Tage gewässert werden, aber das lässt sich vorbereiten. Das Binden des Fisches und das Garen über offenem Feuer auf einem hölzernen Rost sind typische Feuerküchentechniken - etwas Übung braucht es beim Auftragen des Teigs und beim Steuern der Glut, damit die Kruste bräunt, ohne dass der Fisch verbrennt.

Was bedeutet „zvo mazzen“ im Rezept?

„Zvo mazzen“ bedeutet „nach Maß“ oder „nach Belieben“. Es weist darauf hin, dass die Menge des zuvor genannten Salzes nach eigenem Geschmack oder Ermessen hinzugefügt werden soll.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „Das Buch von guter Speise“. Ältestes deutsches Kochbuch, entstanden um 1350 im Haushalt des Würzburger Bischofs. 96 Hauptrezepte plus 5 in der Gloning-Edition als Sub-Rezepte gezählte Folge-/Variantenrezepte (5a, 27a, 32a, 74a, 77a).

Ein geriht von eime stoc vische. Nim einen stoc visch, der niht dürre si, vnd tuo im die hut abe, weich in in kaldem wazzere ein naht, druecke in in ezzig, daz er gantz blibe, bint in langes vnd zwo schinen dar veber vnd lege in vf einen hueltzinen rost. mache in warm vnd besprenge in mit butern, mache einen teyc von mele vnd von eyern, dar zvo tuo gestozzen pfeffer vnd saffran vnd saltz zvo mazzen. als der visch gar heiz si, so slahe den teyc dor vf mit eime swanke, riche vaste viuer dor vnder vnd laz in werden rot. so tuo daz, e du in abe nemest, betraufe in mit butern vaste vnd gib in hin.
stoc visch

Stockfisch, getrockneter, ungesalzener Fisch, meist Kabeljau

dürre

trocken

ein naht

eine Nacht

schinen

Schienen, Holz- oder Metallstäbe zum Fixieren

hueltzinen rost

hölzerner Rost

teyc

Teig

gestozzen pfeffer

gemahlener oder gestoßener Pfeffer

zvo mazzen

nach Maß, nach Belieben; bezieht sich grammatisch auf das unmittelbar vorangehende Salz, nicht auf Pfeffer oder Safran

swanke

Schwenk, Schwung (hier: mit Schwung auftragen)

viuer

Feuer

vaste

reichlich, fest

Handschrift
Daz buoch von guoter spîse
Folio
Fol. 160v
Sprache
Mittelhochdeutsch
Entstehung
Würzburg, 1350
CoReMA

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

einen stoc visch, der niht dürre sistockfish Q213725
ezzigvinegar Q41354
buternbutter Q34172
meleflour Q36465
eyernchicken egg Q15260613
gestozzen pfefferpepper Q3143131
saffransaffron Q25434
saltztable salt Q11254

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartbesprenge in mit butern

Gewählte Lesart: Übersetzt als „besprenge ihn mit Butter“, wörtlich nach der Gloning-Transkription. Eine parallele Handschriftenfassung (Harsch) überliefert an dieser Stelle zusätzlich das Wort „Salz“ vor „Butter“ ('besprenge in mit saltze. butern.').

Andere mögliche Lesart:

  • Besprenge ihn mit Salz und Butter. - Die Gloning-Transkription selbst nennt an dieser Stelle nur Butter; gegenüber der Harsch-Fassung fehlt das Wort „Salz“. Da beide Fassungen dasselbe Rezept überliefern, ist die Ergänzung inhaltlich naheliegend, aber nicht durch das vorliegende Transkript selbst gedeckt.

Lesartbint in langes vnd zwo schinen dar veber

Gewählte Lesart: Übersetzt als „Binde ihn der Länge nach mit zwei Schienen darüber“ - eine einzige Handlung, bei der die zwei Schienen als Werkzeug des Bindens verstanden werden.

Andere mögliche Lesart:

  • Binde ihn der Länge nach, und lege zwei Schienen darüber. - Der mittelhochdeutsche Satz lässt auch zwei getrennte Handlungen zu: erst der Länge nach binden, dann zusätzlich zwei Schienen darüberlegen. Beide Lesarten führen praktisch zum selben Ergebnis - ein durch Schienen stabilisierter, gebundener Fisch -, die instrumentale Lesart bleibt aber die einfachere Übersetzung.

Lesartmit eime swanke

Gewählte Lesart: Die Phrase wurde als „mit einem Schwung“ übersetzt - der Teig wird in einer schnellen, kräftigen Bewegung aufgetragen. Grammatisch passt die Dativform „eime swanke“ zur mittelhochdeutschen Form „der swanc“ (Schwung, Schlag).

Andere mögliche Lesart:

  • „Swanke“ ist im Mittelniederdeutschen auch als Küchengerät belegt - ein Quast/Bürstchen zum Beträufeln oder Bestreichen von Gebratenem. - Diese Lesart ist kein reines Vielleicht, sondern ein real belegtes, wenn auch fremddialektales Küchengerät. Die grammatische Form passt aber eher zur maskulinen mittelhochdeutschen Bewegungsbezeichnung „der swanc“ als zum mittelniederdeutschen Substantiv - die Bewegungs-Lesart bleibt daher die philologisch stärkere.

Originalwerk (~1350) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 160v, Universitätsbibliothek München, 2° Cod. ms. 731 (Cim. 4), Open Access LMU
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 1994/2001) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Gut am Lager umsetzbar: Das Wässern des Stockfischs lässt sich vorbereiten, das Binden mit Schienen und das Garen auf einem Rost über milder Glut sind klassische Feuerküchentechniken. Etwas Geschick braucht es beim Auftragen des Teigs im richtigen Moment und beim Steuern der Hitze, damit die Kruste durchgart, ohne zu verbrennen oder durch den Rost zu tropfen. Nötig sind eine Feuerstelle und ein stabiler Rost.
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Stand dieser Fassung: 09.08.2026 - 3-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.