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Martinos Frittata

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

VorspeiseVorspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10Höfische KücheHofkücheVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Schlage die Eier sehr gut auf, zusammen mit etwas Wasser und etwas Milch, um sie etwas weicher zu machen. Gib auch etwas guten geriebenen Käse hinzu und gare sie in guter Butter, damit sie fetter ist. Beachte, dass sie, um sie gut zu machen, weder gewendet noch zu stark gekocht werden soll.

Willst du sie grün zubereiten, nimmst du ebenso die oben genannten Zutaten und gibst den Saft dieser Kräuter hinzu: Mangold, Petersilie in guter Menge, Borretsch, Minze, Majoran, Salbei in geringerer Menge. Passiere den Saft und drücke die sehr gut zerstoßenen Kräuter durch ein feines Tuch oder Sieb.

Um auf eine andere Art Frittata mit Kräutern zu machen, nimmst du die oben genannten Kräuter, schneidest sie fein und brätst sie ein wenig in guter Butter oder Öl an. Mische sie mit den Eiern und den anderen oben genannten Zutaten, bereite die Frittata zu und gare sie sorgfältig, sodass sie gut gestockt und nicht zu stark gekocht ist.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
l'ova Eier - -
un poca de acqua Wasser Leitung -
un poco di lacte Milch - -
un poco di bon caso grattato geriebener Hartkäse - -
bon botiro Butter - -
vieta Mangold - -
petrosillo Petersilie - -
borragine Borretsch Wochenmarkt Spinat (für Farbe)
menta Minze - -
maiorana Majoran - -
salvia Salbei - -
oglio Pflanzenöl - -

Welches Gericht ist das? Eine Frittata im Wortsinn - das italienische Schwestergericht des Omeletts, hier in drei Varianten: schlicht mit Käse, 'grün' mit Kräutersaft und mit angebratenen Kräuterstückchen. Direkt verwandt mit der französischen Arboulaste (men-225) und dem böhmischen Kräuter-Omelett mit Käse (boc-043).

Die Grundfrittata. Eier werden mit etwas Wasser und Milch geschlagen (macht sie zarter/lockerer), mit geriebenem Hartkäse versetzt und in reichlich Butter gegart. Martinos Qualitätsregel: weder wenden noch zu stark garen - die Frittata bleibt also einseitig gegart, oben gerade gestockt, innen saftig. Das ist der Unterschied zur durchgebratenen spanischen Tortilla. Staionata meint genau dieses 'gut gestockt, aber nicht übergart'.

Die grüne Variante - Farbe aus Kräutersaft. Für frittata verde wird der ausgepresste Saft von Mangold, viel Petersilie, Borretsch, Minze, Majoran und wenig Salbei untergerührt. Das ist periodentreues Grünfärben: Kräuter im Mörser zerstoßen, durch das stamegna (Seihtuch) pressen, den grünen Saft nehmen - genau die Technik der grünen Speisefarbe (Farbstoffe). Kein modernes Färbemittel, nur konzentrierter Pflanzensaft.

Die dritte Variante. Statt nur des Safts werden die Kräuter fein geschnitten und kurz in Butter oder Öl angeschwitzt, dann mit der Eimasse vermengt - eine herzhaftere, stückige Kräuterfrittata.

Praxis. Pro Pfanne 4-5 Eier mit je 1 EL Wasser und Milch und 2 EL geriebenem Hartkäse (Parmesan) verschlagen, in reichlich Butter bei mittlerer Hitze stocken lassen, nicht wenden - bei Bedarf den Deckel auflegen, damit die Oberseite gart. Für grün: eine Handvoll Kräuter im Mixer mit einem Schuss Wasser pürieren, durch ein Tuch pressen, 3-4 EL Saft unter die Eier rühren. Borretsch lässt sich durch etwas Spinat (für die Farbe) ersetzen.

Was ist eine Frittata nach Maestro Martino?

Maestro Martino beschreibt eine Frittata, die nicht gewendet und nicht zu stark gekocht werden soll. Dies deutet auf eine weiche, saftige Konsistenz hin, die eher einseitig gart und nicht wie ein modernes Omelett beidseitig gebräunt wird. Sie ist dicker als ein Crêpe und weicher als eine spanische Tortilla.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Eier, H-Milch im Tetrapack, hartreife Käse und Butter sind gut transportierbar, und die Zubereitung in einer Pfanne über offenem Feuer oder auf einem Kohlebecken ist unkompliziert. Die Kräuter können frisch mitgebracht oder, falls vorhanden, vor Ort gesammelt werden.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Libro de Arte Coquinaria' von Maestro Martino da Como, einem der bedeutendsten Kochbücher des 15. Jahrhunderts. Es wurde um 1465 in norditalienischem Volgare verfasst und spiegelt die gehobene Küche der Renaissance wider.

Was bedeuten 'stamegna' und 'piste le herbe' im Rezept?

'Stamegna' bezeichnet ein Seihtuch oder ein feines Sieb, durch das Flüssigkeiten passiert werden, um eine glatte Konsistenz zu erzielen. 'Piste le herbe' bedeutet 'zerstoßene Kräuter'. Dies impliziert, dass die Kräuter zunächst in einem Mörser fein zerstoßen wurden, bevor ihr Saft durch das Seihtuch gepresst wird. Für die moderne Küche kann ein Mixer oder eine Küchenmaschine verwendet werden, um die Kräuter zu pürieren und den Saft zu gewinnen.

Frictata. Battirai l'ova molto bene, et inseme un poca de acqua, et un poco di lacte per farla un poco più morbida, item un poco di bon caso grattato, et cocirala in bon botiro perché sia più grassa. Et nota che per farla bona non vole esser voltata né molto cotta. Et volendola fare verde, prendirai slmilmente le cose sopra ditte giognendoli del suco de queste herbe, cioè vieta, petrosillo in bona quantità, borragine, menta, maiorana, salvia in minore quantità, passando il ditto suco; poi cavarai piste le herbe molto bene per la stamegna. Et per fare in un altro modo frittata con herbe, prendirai le sopra ditte herbe et tagliate menute le frigerai un poco in un bon botiro o oglio, mescolandole con l'ova et l'altre cose sopra ditte farai la frittata et cocirala diligentemente che sia bene staionata et non troppo cotta.
Frictata

Frittata, eine Art Eierkuchen oder Omelett.

caso grattato

Geriebener Käse, typischerweise ein Hartkäse wie Parmesan.

botiro

Butter.

vieta

Mangold.

stamegna

Ein Seihtuch oder feines Sieb, oft aus Wolle oder Leinen, zum Passieren von Flüssigkeiten.

piste le herbe

Zerstoßene Kräuter, die typischerweise in einem Mörser zerkleinert wurden.

staionata

Gut gestockt oder fest geworden, bezieht sich auf die Konsistenz der Eier.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 47r
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 47r, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche · ⭐ Gold - vollständig lagerküchentauglich
Pfanne über offenem Feuer oder Kohlebecken, schnell und mit wenig Gerät. Eier, Hartkäse und Butter sind gut transportierbar (H-Milch im Tetrapack), Kräuter frisch mitbringen oder vor Ort sammeln.
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