Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Eine frische Rinderzunge sollst du vorbrühen, schälen, mit Speck spicken und braten. Serviere sie mit Kamelinsauce. Es ist zu wissen, dass die Zunge eines alten Rindes besser ist als die Zunge eines jungen Rindes, wie einige sagen; andere behaupten das Gegenteil. In der Gascogne, wenn es kalt zu werden beginnt, kaufen sie Zungen, brühen sie vor und schälen sie. Dann salzen sie die Zungen übereinander in einem Pökeltrog und lassen sie acht Tage lang liegen. Danach hängen sie die Zungen den ganzen Winter über an den Kamin und im Sommer hoch und trocken auf. Auf diese Weise halten sie sich gut zehn Jahre. Später werden sie in Wasser gekocht, und wer möchte, gibt Wein hinzu, und sie werden mit Senf gegessen. Alternativ soll eine Zunge eines alten Rindes vorbrüht, geschält und gereinigt werden. Danach spießest du sie auf, spickst sie mit Gewürznelken, brätst sie und servierst sie mit Kamelinsauce.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Langue de beuf fresche | frische Rinderzunge | 1 | Metzger | - |
| Speck (implied by 'lardee') | durchwachsener Speck zum Spicken | 100 g | Metzger | - |
| Cameline | Kamelinsauce | - | - | - |
| sel (implied by 'salent') | Salz | - | - | - |
| eaue | Wasser | - | Leitung | - |
| vin | Wein (optional) | - | - | - |
| moustarde | Senf | - | - | - |
| cloux de giroffle | 10-15 Gewürznelken | 10 | - | - |
Kamelinsauce (Sauce Cameline) ist eine der häufigsten mittelalterlichen Saucen. Sie besteht typischerweise aus Brotkrumen, die mit Essig oder Verjus, Ingwer, Zimt, Nelken und oft auch anderen Gewürzen wie Galgant oder Paradieskörnern zu einer sämigen Sauce verrührt werden. Für eine einfache Version kannst du Weißweinessig, etwas Wasser, geriebenen Ingwer, Zimt und eine Prise Nelkenpulver mit geriebenem Brot oder Semmelbröseln zu einer Sauce verrühren und kurz aufkochen lassen.
Die Zubereitung einer frischen, gebratenen Rinderzunge ist im Lager machbar, wenn du Zugang zu einem Spieß und offenem Feuer hast. Das Vorbrühen kann in einem großen Topf erfolgen. Die Gascogner Konservierungsmethode ist jedoch ein Langzeitprojekt und nicht für die spontane Lagerküche geeignet. Du könntest aber eine bereits nach dieser Methode vorbereitete, getrocknete Zunge mitbringen und dann im Lager kochen.
Das Spicken bedeutet, Fleisch mit dünnen Streifen von Speck (oder hier auch Gewürznelken) zu durchziehen oder zu bestecken. Dies dient dazu, mageres Fleisch saftiger zu machen, ihm zusätzlichen Geschmack zu verleihen und es optisch ansprechender zu gestalten. Für Speckstreifen wird oft eine Spicknadel verwendet, während Nelken einfach in die Oberfläche gesteckt werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Ménagier de Paris. Haushaltsbuch eines Pariser Bürgers (~1393). Enthält rund 380 Rezepte sowie Anleitungen zu Falknerei, Gartenbau und Haushaltsführung.
Vorbrühen oder kurz kochen, um die Zunge zu reinigen und die Haut leichter abziehen zu können.
Die äußere Haut der Zunge abziehen, die nach dem Vorbrühen weicher wird.
Die Zunge mit Speckstreifen spicken, um sie saftiger zu machen und Geschmack hinzuzufügen.
Eine mittelalterliche Gewürzsauce, typischerweise auf Basis von Essig, Ingwer, Zimt und anderen Gewürzen.
Ein Pökeltrog oder Salzfass, ein Gefäß zum Einlegen von Fleisch in Salz.
Auf einen Bratspieß stecken, um die Zunge über dem Feuer zu braten.
Mit ganzen Gewürznelken bestecken, um Aroma abzugeben.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| sel (implied by 'salent') | table salt Q11254 |
| eaue | water Q283 |
| vin | wine Q282 |
| moustarde | mustard seed Q1937700 |
| cloux de giroffle | clove Q15622897 |
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.