Le Ménagier de Paris · Paris · 1393
Der neue Hering beginnt im April und währt bis zum Sankt-Remigius-Tag (1. Oktober), wenn die frischen Heringe beginnen; und er wird in Wasser gekocht. Und danach bereite man daraus gute, dicke Suppen, die man mit altem Verjus isst. Doch zuvor, sobald er gekocht und aus der Pfanne genommen ist, lege man ihn in schönes, frisches Wasser, und man muss ihn säubern und Schuppen, Kopf und Schwanz entfernen. Hier endet es.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| Harenc nouvellet | Hering | - | - |
| eaue | Wasser | Leitung | - |
| vertjus vieil | Verjus | Feinkostladen / Online | Weißweinessig oder Zitronensaft |
| (implizit) | Salz | - | - |
Verjus ist der Saft unreifer Weintrauben und wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel anstelle von Essig oder Zitrone verwendet. Er ist milder und fruchtiger als Essig. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder online bei spezialisierten Händlern. Als Ersatz kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack leicht abweichen wird.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Das Kochen des Herings in Wasser und die anschließende Zubereitung der Suppe sind mit einfachen Mitteln über offenem Feuer oder auf einem Kocher leicht umsetzbar. Die Zutaten sind unkompliziert zu transportieren.
Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es ist eine wertvolle Quelle für die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.
Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet 'souppes' (Suppen) oft dicke Eintöpfe, Breie oder sogar Brotsuppen, die eine sättigende Hauptmahlzeit darstellten. Es handelt sich hier also nicht um eine klare Brühe, sondern um eine gehaltvolle Speise, die den Hering und den Verjus als Hauptgeschmacksträger enthält.
Neuer Hering, der im Frühjahr gefangen wird.
Der Sankt-Remigius-Tag am 1. Oktober, der den Beginn der Saison für frischen Hering markiert.
Im Mittelalter waren 'Suppen' oft dicke Eintöpfe oder Breie, keine klaren Brühen.
Alter Verjus, also gereifter oder fermentierter Saft unreifer Trauben, der eine komplexere Säure als frischer Verjus entwickelt hat.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
souppes grosses
Gewählte Lesart: Dicke Suppen/Eintöpfe. Die mittelalterliche Bedeutung von 'souppe' war oft ein gebundener, sättigender Eintopf, nicht eine klare Brühe.
vertjus vieil
Gewählte Lesart: Alter Verjus. Dies impliziert einen gereiften oder fermentierten Verjus, der eine komplexere Geschmacksnote als frischer Verjus haben könnte.
Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.
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