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Neuer Hering für dicke Suppen

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

🐟 Hauptspeise · Fisch 🏕 Lagerküche-tauglich ⚠ Viel Interpretationsspielraum Einfach
⏱ 20 Min.👥 2–3 Personen📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Neuer Hering für dicke Suppen — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 173v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Harenc nouvellet commence en avril et dure jusques a la saint Remy que les harens fraiz commencent; et est cuit en eaue. Et apres l'en y fait les bonnes souppes grosses que l'en mengue au vertjus vieil. Maiz avant, et si tost qu'il est cuit et trait de la paelle, l'en le doit mectre en belle eaue et fresche, et le couvient nectoyer et oster les escailles, teste et queue. Hic finit.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Dieses einfache Rezept lässt sich problemlos am Lagerfeuer oder auf einem Kocher zubereiten. Die Zutaten sind leicht zu transportieren.

Der neue Hering beginnt im April und währt bis zum Sankt-Remigius-Tag (1. Oktober), wenn die frischen Heringe beginnen; und er wird in Wasser gekocht. Und danach bereite man daraus gute, dicke Suppen, die man mit altem Verjus isst. Doch zuvor, sobald er gekocht und aus der Pfanne genommen ist, lege man ihn in schönes, frisches Wasser, und man muss ihn säubern und Schuppen, Kopf und Schwanz entfernen. Hier endet es.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Harenc nouvellet Hering
eaue Wasser Leitung
vertjus vieil Verjus Feinkostladen / Online Weißweinessig oder Zitronensaft
(implizit) Salz

Anmerkungen

Harenc nouvellet
Neuer Hering, der im Frühjahr gefangen wird.
saint Remy
Der Sankt-Remigius-Tag am 1. Oktober, der den Beginn der Saison für frischen Hering markiert.
souppes grosses
Im Mittelalter waren 'Suppen' oft dicke Eintöpfe oder Breie, keine klaren Brühen.
vertjus vieil
Alter Verjus, also gereifter oder fermentierter Saft unreifer Trauben, der eine komplexere Säure als frischer Verjus entwickelt hat.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

souppes grosses

Gewählte Lesart: Dicke Suppen/Eintöpfe. Die mittelalterliche Bedeutung von 'souppe' war oft ein gebundener, sättigender Eintopf, nicht eine klare Brühe.

vertjus vieil

Gewählte Lesart: Alter Verjus. Dies impliziert einen gereiften oder fermentierten Verjus, der eine komplexere Geschmacksnote als frischer Verjus haben könnte.

Häufige Fragen

Was ist 'Verjus' und wo bekomme ich ihn?

Verjus ist der Saft unreifer Weintrauben und wurde im Mittelalter häufig als Säuerungsmittel anstelle von Essig oder Zitrone verwendet. Er ist milder und fruchtiger als Essig. Du findest ihn in gut sortierten Feinkostläden oder online bei spezialisierten Händlern. Als Ersatz kannst du Weißweinessig oder Zitronensaft verwenden, wobei der Geschmack leicht abweichen wird.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Das Kochen des Herings in Wasser und die anschließende Zubereitung der Suppe sind mit einfachen Mitteln über offenem Feuer oder auf einem Kocher leicht umsetzbar. Die Zutaten sind unkompliziert zu transportieren.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es ist eine wertvolle Quelle für die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.

Was bedeutet 'souppes grosses' im Rezept?

Im mittelalterlichen Kontext bezeichnet 'souppes' (Suppen) oft dicke Eintöpfe, Breie oder sogar Brotsuppen, die eine sättigende Hauptmahlzeit darstellten. Es handelt sich hier also nicht um eine klare Brühe, sondern um eine gehaltvolle Speise, die den Hering und den Verjus als Hauptgeschmacksträger enthält.

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