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Krebs-Prancz mit Branntwein

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 8/10
Zubereitungszeit180 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Willst du einen Prancz von Krebsen zubereiten, so nimm etwa fünfzig große Krebse, die du bekommen kannst. Gieße ein halbes Maß Wein hinzu. Wenn die Krebse dann gekocht sind, seihe den Wein ab und weiche ein wenig Weißbrot darin ein.

Decke die Krebsschalen zu. Die Hälfte der Krebsschwänze lass ganz, die anderen Schalen musst du im Mörser stoßen. Wenn es dann gestoßen ist, nimm das Brot und den Wein und streiche es miteinander durch. Sollte es zu hell sein, so mehre es mit einem Branntwein.

Gib es dann in eine neue Schüssel und temperiere es mit Muskatnuss, Muskatblüte und Ingwer ab, sodass es nicht zu scharf wird. Gib ihm eine Farbe mit Safran. Nimm dann ein geschobenes Brettchen, das genau über das Häfchen passt. Schneide ein kleines Loch durch das Brettchen. Stecke einen Löffel durch das Häfchen, das Brettchen oben darüber, und rühre es hin und her.

Nimm dann die Krebsschalen und forme dir kleine Pofesen. Stecke die Krebsschalen, die du vorbereitet hast, hinein. Lege diese auf eine flache Schüssel und ordne die Krebsschalen um die Pofesen an. Gieße das Gekochte, das du in dem Topf gesotten hast, hinein. Sieh zu, dass man dir mitnichten hineingreift, so kommt es also ganz auf den Tisch. Dann kannst du es gut zu essen geben.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
die grossen chrewssen 50 Krebse Fischhändler, spezialisierter Supermarkt (oft tiefgekühlt) Flusskrebse (aus Zucht)
ein halb prancz meff malsel wein 0.5 l Wein - -
ain wenig weyß prott Weißbrot - -
dy chrewssen schar Krebsschalen - -
dy hopfel Krebsschwänze - -
dy anderen schall Krebsschalen - -
prantten wein Branntwein, falls die Masse zu hell ist Supermarkt Dunkler Rotwein (schwächere Farbwirkung)
musca Muskatnuss gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
musca plue Muskatblüte (Macis) gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -
ymber Ingwer - -
saffran Safran gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel -

Welches Gericht ist das? Ein aufwendiges Schaugericht: ein fein gewürztes, geröstetes Krebsmus (Prancz, siehe Annotation) wird IN den leergeschälten Krebsschalen als kleine „Pofesen" (siehe Annotation zu ‚pafessen‘) präsentiert - Optik und Geschmack kommen bewusst getrennt zusammen.

So gelingt es. Etwa 50 große Krebse in einem halben Maß Wein kochen, den Wein danach abseihen und aufbewahren. Die Schwänze aus den Panzern lösen: die Hälfte bleibt ganz (für die spätere Deko/Füllung), die andere Hälfte wird samt Schalen im Mörser fein gestoßen. Diese gestoßene Masse mit eingeweichtem Weißbrot und dem abgeseihten Krebswein glattstreichen (durch ein Sieb oder Tuch passieren) - ist die Farbe zu hell, mit etwas Branntwein nachhelfen (Branntwein dient hier der Farbvertiefung, nicht nur dem Aroma). Mit Muskatnuss, Muskatblüte und Ingwer sparsam würzen und mit Safran gelb-orange färben.

So wird es richtig gut. Für die charakteristische Rührtechnik ein Brettchen mit einem kleinen Loch genau über das Kochgefäß (Häfchen) legen, einen Löffel durch das Loch stecken und die Masse damit rühren - das hält Spritzer zurück und ermöglicht gleichmäßiges Rühren auch bei kleiner Gefäßöffnung. Die leeren Krebsschalen zu kleinen „Pofesen" arrangieren, mit den aufbewahrten ganzen Schwänzen füllen, auf einer flachen Schüssel um die „Pofesen" anordnen und das fertige Mus einfüllen - das Gericht wird unberührt ("dass man dir mitnichten hineingreift") direkt so auf den Tisch gebracht.

Was bedeutet 'ein halbes Maß Wein'?

Ein 'Maß' war eine historische Volumeneinheit, deren Größe regional variierte. Im süddeutschen Raum, zu dem das Mondseer Kochbuch gehört, entsprach ein Maß oft etwa 1 bis 1,5 Litern. Ein halbes Maß wäre demnach etwa 0,5 bis 0,75 Liter Wein - allerdings ist die zugrundeliegende Textstelle ('ein halb prancz meff malsel wein') stark verderbt; 'ein halbes Maß' ist eine plausible Näherung für den Sinn, keine sichere Auflösung jedes einzelnen Wortes.

Was bedeutet 'Prancz' im Titel, und wieso Branntwein?

CoReMA-GAMS (Universität Graz) glossiert die Eröffnungsstelle 'ain prancz von krepphssen' direkt als 'pan fried' - ein geröstetes/gebratenes Krebsgericht, vom mhd. Wortstamm 'brennen/brinnen' (scharf rösten, sengen). Vom selben Wortstamm leitet sich später im Rezept 'prantten wein' ab, das CoReMA-GAMS ebenfalls direkt als 'brandy' glossiert - CoReMAs eigener englischer Rezepttitel lautet passend 'Freshwater crayfish with brandy'. Beide Belege stammen unabhängig voneinander aus derselben Quelle und stützen sich gegenseitig.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist als aufwendiges Schaugericht konzipiert. Die Beschaffung und Verarbeitung von etwa 50 frischen Krebsen im Lager ist sehr anspruchsvoll. Zudem erfordert die Zubereitung mehrere Schritte wie Mörsern, Passieren und eine sorgfältige Präsentation, die viel Zeit und Equipment beanspruchen. Es eignet sich jedoch hervorragend als Vorführungselement, bei dem die Krebse und das Mus vorbereitet und vor Ort nur noch arrangiert werden.

Was sind 'Pofesen'?

'Pofese' (auch 'Bofese') ist ein historischer deutscher Begriff für in Ei/Teig getunktes, gebratenes Weißbrot - verwandt mit 'Arme Ritter'/French Toast. CoReMA-GAMS glossiert 'pafessen' an dieser Stelle mit derselben Wikidata-ID ('french toast'), mit der auch die 'pofese' im Mondseer-Kochbuch-Rezept mon-023 (Weinbeeren-Feigen-Pfannkuchen) glossiert wird - dort in Form von Brotscheiben, die durch einen Wein-Mehl-Teig gezogen und in der Pfanne gebacken werden. Die MHD-Wörterbücher buchen 'pafese' daneben auch als 'Pavese' (großer Schild) - ein Homograph ohne Küchenbezug.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Mondseer Kochbuch', einer umfangreichen deutschsprachigen Rezeptsammlung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche dieser Zeit wider.

Was ist ein 'geschobenes Brettchen' und ein 'Häfchen'?

Das 'geschobene Brettchen' mit Loch und das 'Häfchen' (ein kleines Gefäß) beschreiben eine Vorrichtung, die vermutlich dazu diente, das Mus besonders fein zu rühren oder zu passieren. Man kann sich dies wie einen groben Passierstab oder eine Art Reibe vorstellen, durch die die Masse gedrückt oder gerührt wird, um eine sehr glatte Konsistenz zu erzielen. Für moderne Nachkocher kann dies durch ein feines Sieb oder einen Blender ersetzt werden.

ITem wil dw machen ain prancz von krepphssen so nym die grossen chrewssen die dw gehaben magst an ain funffczigk so gewß ein halb prancz malsel wein wan sy dan gesotten sein so seich den wein ab vnd waich ain wenig weyß prott dar ein deck es czw dy chrewssen schar dy 1/2 laß dw waidenlich dy hopfel die laß auch dy anderen schall dy mustu stossen wan es dan gestossen sey so nym das prowtt vnd den wein vnd streychs mit ein ander durch sey es czw weis so mers mit einem prantten wein so thue es dan in ein newß schaffel temperir es ab mit musca vnd mit musca plue mit ymber das es nit czw rass werdt mach ym ein gestalt mit saffran so nym ein geschubcz prettel das vber das heffen recht sey da sneydt ain lochel durch das prettel so thue ain loffel durch das haffendel das pretl oben dar vber vnd ruer es furstdar so nymm dy chrewssen schar vnd mach dir ain pa= fessen do steck dy chrewssen schar dar ein dy dw gemacht hast leg es auff ein flossew schussel dy hossel auff vmb die posselen so gews das gesotten dar ein das dw ge= sotten hast in dem haffen lueg das man dir mit nichte dar ein greyff so chumb es also ganz auff den tisch machstu es woll czw essen geben
prancz

CoReMA-GAMS glossiert die Eröffnungsstelle ‚ain prancz von krepphssen‘ direkt als ‚pan fried‘ (Wikidata Q17073916) - ein gebratenes/geröstetes Gericht, vom mhd. Verbstamm ‚brennen/brinnen‘ (scharf braten, rösten, sengen). Das Wort ist Dish-Name, nicht Farbbeschreibung: ‚braunes Mus‘ trifft nur das Endergebnis der Röst-Technik, nicht die eigentliche Wortbedeutung. CoReMAs eigener englischer Rezepttitel für dieses Rezept lautet passend ‚Freshwater crayfish with brandy‘ - eine zweite, spätere Rezeptstelle nutzt tatsächlich Branntwein (‚prantten wein‘, siehe dort), vom selben Wortstamm. Ein zweites ‚prancz‘ taucht weiter oben in der stark verderbten Passage ‚ein halb prancz meff malsel wein‘ auf - diese Stelle bleibt ungeklärt (siehe Lesarten unten), CoReMA glossiert sie nicht eigens.

chrewssen

Mittelhochdeutsche Schreibweise für Krebse. Im Mittelalter waren Krebse eine beliebte Zutat, oft als Fastenspeise klassifiziert.

seich den wein ab

Den Wein abseihen oder filtern, um feste Bestandteile zu entfernen.

stossen

Im Mörser zerstoßen. Dies war die gängige Methode, um Zutaten zu einer feinen Paste zu verarbeiten.

streychs mit ein ander durch

Die Masse durch ein Sieb oder Tuch passieren, um eine sehr feine, glatte Konsistenz zu erhalten.

temperir es ab

Die Gewürze so dosieren, dass der Geschmack ausgewogen ist und nicht zu dominant wird.

musca plue

Muskatblüte, auch Macis genannt, ist die getrocknete Samenmantel der Muskatnuss. Sie hat ein feineres, blumigeres Aroma als die Nuss selbst.

mach ym ein gestalt mit saffran

Hier ist nicht nur die Form, sondern auch die Farbe gemeint. Safran wurde verwendet, um Speisen eine leuchtend gelbe bis orange Farbe zu verleihen, was als Zeichen von Reichtum und Festlichkeit galt.

pafessen

CoReMA-GAMS glossiert diese Stelle mit Wikidata Q197973 (‚french toast‘) - derselben Wikidata-ID, mit der CoReMA auch die ‚pofese‘ in mon-023 (Weinbeeren-Feigen-Pfannkuchen: Brotscheiben durch einen Wein-Mehl-Teig gezogen und gebacken) glossiert. ‚Pofese‘/‚Bofese‘ ist ein historischer deutscher Begriff für in Ei/Teig getunktes, gebratenes Weißbrot, verwandt mit ‚Arme Ritter‘. Die MHD-Wörterbücher (Lexer, Fischer, Goetze, Grimm) buchen ‚pafese‘ hauptsächlich als ‚Pavese‘ (großer Schild) - ein Homograph ohne Küchenbezug.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 050v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartprancz

Gewählte Lesart: ‚Ein Geröstetes/Gebratenes von Krebsen‘ - CoReMA-GAMS glossiert diese Stelle rezeptspezifisch als ‚pan fried‘ (Wikidata Q17073916): ‚prancz‘ benennt die Röst-/Bratmethode als Dish-Typ, nicht primär die Farbe. Bestätigt durch CoReMAs eigenen englischen Rezepttitel ‚Freshwater crayfish with brandy‘ und die spätere Stelle ‚prantten wein‘ (Branntwein) vom selben Wortstamm.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Braunes Mus‘ - eine Lesart, die sich auf die Farbe des fertigen Gerichts konzentriert. - Nicht falsch als Beschreibung des Endergebnisses (das Mus wird tatsächlich braun), aber ungenauer als CoReMAs rezeptspezifische Glosse, die die Bratmethode als eigentliche Wortbedeutung ausweist.

Lesartfunffczigk

Gewählte Lesart: ‚etwa fünfzig‘ - Die Mengenangabe ‚an ain funffczigk‘ wird als ungefähre Anzahl von fünfzig Krebsen interpretiert, was für ein Gericht dieser Art eine plausible Menge darstellt.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚bis zu fünfzig‘ - Eine Lesart, die eine Obergrenze für die Anzahl der Krebse angibt. - Die Formulierung ‚an ain‘ kann auch ‚bis zu‘ bedeuten, aber im Kontext einer Rezeptanweisung ist eine Richtmenge wahrscheinlicher.

Lesartprancz meff / malsel wein

Gewählte Lesart: Ungeklärt. Die Phrase ‚ein halb prancz meff malsel wein‘ ist stark verderbt oder stenografisch verkürzt; ‚ein halbes Maß Wein‘ ist eine plausible Näherung für den Gesamtsinn (eine Flüssigkeitsmenge Wein), aber KEINE belegte Auflösung der einzelnen Wortbestandteile. Ob das zweite ‚prancz‘ hier dieselbe Bedeutung wie im Rezepttitel hat (Röst-/Brenn-Bezug) oder ein eigenständiges Maßwort ist, lässt sich aus dem Text nicht sicher entscheiden. CoReMA-GAMS glossiert diese zweite Stelle nicht eigens.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Malzwein‘ oder ‚Mostwein‘ - ‚malsel‘ könnte auf eine spezifische Weinart hinweisen. - Ohne weitere Kontextualisierung nicht zu erhärten.

Lesartwaidenlich

Gewählte Lesart: ‚reichlich‘ - Die Anweisung ‚dy 1/2 laß dw waidenlich‘ wird als ‚die Hälfte lass du reichlich‘ verstanden, was bedeutet, dass diese Teile großzügig oder unversehrt belassen werden sollen.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚zum Weiden/Essen‘ - Eine Lesart, die sich auf die Eignung zum Verzehr bezieht. - Die adverbiale Verwendung ‚reichlich‘ passt besser zur Anweisung, einen Teil der Krebse für die spätere Präsentation zu reservieren.

Lesarthopfel

Gewählte Lesart: ‚Krebsschwänze‘ - ‚hopfel‘ wird als die essbaren Schwänze der Krebse interpretiert, die oft als ‚Hüpfer‘ bezeichnet wurden und den Hauptfleischanteil bilden.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Krebshäupter‘ - Eine Lesart, die sich auf die Köpfe der Krebse bezieht. - Die Schwänze sind der primäre Fleischlieferant und werden oft separat verarbeitet oder präsentiert, während die Köpfe eher für Brühen oder als Dekoration dienen.

Lesartp prowtt

Gewählte Lesart: ‚Brot‘ - Dies wird als Schreibfehler für ‚prott‘ (Brot) interpretiert, da es im Kontext der Zutatenliste und der Zubereitung (Einweichen in Wein) sinnvoll ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine unbekannte Zutat ‚p-Brot‘. - Es gibt keine bekannte Zutat dieses Namens, und die Ähnlichkeit zu ‚prott‘ ist zu groß, um einen Fehler auszuschließen.

Lesartprantten wein

Gewählte Lesart: ‚gebrannter Wein‘ (Branntwein/Weinbrand) - CoReMA-GAMS glossiert diese Stelle direkt als ‚brandy‘ (Wikidata Q146470), und CoReMAs eigener englischer Rezepttitel für dieses ganze Rezept lautet ‚Freshwater crayfish with brandy‘ - der Branntwein ist demnach eine namensgebende Zutat, nicht nur ein Farbmittel.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚dunkler Wein‘ (z.B. Rotwein), rein zur Farbgebung. - Frühere Annahme dieses Eintrags, mittlerweile widerlegt: CoReMAs rezeptspezifische Glosse und der eigene Rezepttitel bestätigen unabhängig voneinander die Branntwein-Lesart.

Lesartrass

Gewählte Lesart: ‚scharf/herb‘ - ‚das es nit czw rass werdt‘ wird als ‚dass es nicht zu scharf oder herb wird‘ übersetzt, was sich auf den Geschmack der Gewürze bezieht.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚rasch‘ (schnell) - Eine Lesart, die sich auf die Geschwindigkeit der Zubereitung bezieht. - Im Kontext der Geschmacksabstimmung mit Gewürzen ist ‚scharf/herb‘ die plausiblere Bedeutung.

Lesartgeschubcz prettel

Gewählte Lesart: ‚geschobenes Brettchen‘ - Dies wird als ein Brettchen interpretiert, das über ein Gefäß geschoben wird und ein Loch enthält, durch das die Masse gerührt wird. Dies könnte eine Technik zum Passieren oder Emulgieren sein.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚geschütztes Brettchen‘ - Eine Lesart, die ein abgedecktes oder geschütztes Brettchen meint. - Die Funktion des Brettchens mit Loch und Löffel deutet auf eine mechanische Verarbeitung hin, nicht auf Schutz.

Lesartheffen / haffendel

Gewählte Lesart: ‚Häfchen‘ (kleines Gefäß/Topf) - Beide Begriffe werden als Diminutive von ‚Hafen‘ (Topf) verstanden, die ein kleines Gefäß bezeichnen, das unter dem Brettchen platziert wird.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Hefe‘ oder ‚Hafen‘ (großer Topf) - Eine Lesart, die sich auf Hefe oder einen großen Topf bezieht. - Der Kontext eines kleinen Brettchens mit Loch deutet auf ein kleines Gefäß hin, und Hefe ist hier nicht relevant.

Lesartlochel

Gewählte Lesart: ‚Löchlein‘ - Dies ist die Diminutivform von ‚Loch‘ und beschreibt die Öffnung im Brettchen.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine unbekannte Zutat oder ein Werkzeug. - Die Bedeutung ist im Kontext der Beschreibung klar.

Lesartfurstdar

Gewählte Lesart: ‚hin und her‘ - Die Anweisung ‚ruer es furstdar‘ wird als ‚rühre es hin und her‘ interpretiert, was eine gründliche und gleichmäßige Bewegung beim Rühren beschreibt.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚fürstlich dar‘ - Eine Lesart, die sich auf eine fürstliche Darbietung bezieht. - Obwohl das Gericht fürstlich präsentiert wird, ist ‚hin und her rühren‘ eine konkrete Kochanweisung, während ‚fürstlich dar‘ eher eine allgemeine Stilbeschreibung wäre.

Lesartpafessen

Gewählte Lesart: ‚Pofese‘ (auch ‚Bofese‘) - ein historischer deutscher Begriff für in Ei/Teig getunktes, gebratenes Weißbrot, verwandt mit ‚Arme Ritter‘. CoReMA-GAMS glossiert ‚pafessen‘ rezeptspezifisch mit Wikidata Q197973 (‚french toast‘) - derselben Wikidata-ID, mit der CoReMA auch die ‚pofese‘ in unserem eigenen mon-023 (Weinbeeren-Feigen-Pfannkuchen: dünne Brotscheiben durch einen Wein-Mehl-Teig gezogen und in der Pfanne gebacken) glossiert. Die unabhängige Übereinstimmung zweier Rezepte desselben Buchs stützt diese Lesart deutlich stärker als eine isolierte Glosse.

Andere mögliche Lesarten:

  • ‚Pasteten‘ - kleine Formen/Gefäße, in die die Krebsschalen gesteckt werden. - Bisherige Lesart dieses Eintrags. Passt zur Funktion als Präsentationsform, aber nicht zur eigenständigen CoReMA-Glosse und dem Cross-Beleg aus mon-023.
  • ‚Pavese‘ - ein großer (Turnier-)Schild. - Lexer, Fischer, Goetze und Grimm buchen ‚pafese‘ hauptsächlich in dieser militärischen Bedeutung. Reiner Homograph ohne Küchenbezug hier, aber als Wörterbuch-Hauptbedeutung erwähnenswert.

Lesartflossew schussel

Gewählte Lesart: ‚flache Schüssel‘ - ‚flossew‘ wird als ‚flach‘ interpretiert, was eine geeignete Form für die Präsentation des Gerichts auf dem Tisch ist.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚fließende Schüssel‘ - Eine Lesart, die sich auf eine Schüssel für flüssige Speisen bezieht. - Eine flache Schüssel ist für die Anordnung der Pasteten und Schalen sinnvoller.

Lesarthossel / posselen

Gewählte Lesart: ‚Hülsen‘ (Schalen) / ‚Pasteten‘ - ‚hossel‘ wird als die Krebsschalen (Hülsen) interpretiert, die um die ‚posselen‘ (Pasteten) angeordnet werden sollen.

Andere mögliche Lesart:

  • ‚Häupter‘ (Köpfe) / ‚Püree‘ - Eine Lesart, die sich auf die Köpfe der Krebse und das Püree bezieht. - Die Verwendung der Schalen als Dekoration um die geformten Pasteten ist eine klassische Präsentationstechnik.

Lesartgreyff

Gewählte Lesart: ‚greift‘ - Das Verb ‚greyff‘ wird als ‚greift‘ übersetzt, was sich auf das Hineingreifen in das Gericht vor dem Servieren bezieht.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere Form von ‚greifen‘ oder ein unbekanntes Verb. - Die Bedeutung ist im Kontext der Warnung vor dem Servieren klar.

Lesartchumb

Gewählte Lesart: ‚kommt‘ - Das Verb ‚chumb‘ wird als ‚kommt‘ übersetzt, was sich auf das Servieren des Gerichts auf dem Tisch bezieht.

Andere mögliche Lesart:

  • Eine andere Form von ‚kommen‘ oder ein unbekanntes Verb. - Die Bedeutung ist im Kontext des Servierens klar.

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 050v, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Schaugericht: Dieses Gericht ist sehr aufwendig und erfordert frische Krebse, die im Lager nur schwer zu beschaffen und zu verarbeiten sind. Die aufwendige Zubereitung und Präsentation mit den Krebsschalen macht es ideal für eine Vorführung, bei der die Krebse und das Mus vorbereitet und vor Ort nur noch arrangiert werden.
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