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Geflügel, Kaninchen und Gebäck

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

Sonstiges ⚠ Viel Interpretationsspielraum Aufwändig
👥 Variabel, je nach Auswahl der Gerichte📖 Le Viandier de Taillevent (~1300)

Original — Moyen Français (ca. 1300–1400)

Geflügel, Kaninchen und Gebäck — Originalseite aus Le Viandier de Taillevent
Fol. 018v, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) — Domaine public

Transkription (Moyen Français (ca. 1300–1400))

Poulles pyions lappereaulx les lesches gelee le fourcondel de cresme

lesches dorees.

Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Dieses Rezept listet verschiedene Gerichte auf, die bei einem Mahl serviert werden könnten: Hühner, Tauben und Kaninchen. Dazu kommen gelierte Scheiben, ein Fourcondel mit Sahne und vergoldete Scheiben.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Poulles Hühner
pyions Tauben Metzger, Geflügelhändler Wachteln
lappereaulx Kaninchen Metzger, Wildhändler
les lesches gelee Gelierte Scheiben
le fourcondel de cresme Fourcondel mit Sahne
lesches dorees Vergoldete Scheiben

Anmerkungen

Poulles
Hühner
pyions
Tauben
lappereaulx
Kaninchen
lesches
Scheiben, Tranchen. Kann Fleisch, Brot oder Gebäck meinen.
gelee
Geliert, in Aspik oder Gelee eingelegt.
fourcondel
Eine Art Torte, Pastete oder Gebäck, oft mit süßer oder cremiger Füllung.
cresme
Sahne, Rahm.
dorees
Vergoldet, d.h. mit Eigelb bestrichen und gebacken oder gebraten, um eine goldene Farbe zu erhalten.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

les lesches gelee / lesches dorees

Gewählte Lesart: ‚Scheiben‘ – Der Begriff ‚lesches‘ ist allgemein und kann je nach Kontext Fleisch-, Brot- oder Gebäckscheiben meinen. Für die gelierten Scheiben ist Fleisch am plausibelsten, für die vergoldeten Scheiben eher Brot oder Gebäck.

Andere mögliche Lesarten:

  • Ausschließlich Fleischscheiben — Im Kontext der genannten Fleischsorten (Hühner, Tauben, Kaninchen) könnten alle Scheiben aus Fleisch bestehen, entweder in Aspik oder paniert/gebraten.
  • Ausschließlich Brotscheiben — Vergoldetes Brot war eine gängige Beilage oder Süßspeise. Gelierte Brotscheiben sind jedoch weniger üblich, aber nicht ausgeschlossen.

le fourcondel de cresme

Gewählte Lesart: ‚Fourcondel mit Sahne‘ – Eine spezifische Torte oder ein Gebäck, das mit Sahne zubereitet oder gefüllt wurde.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Sahne-Pudding oder eine Creme — Obwohl ‚fourcondel‘ meist eine gebackene Form impliziert, könnte es sich auch um eine dickere, puddingartige Sahnespeise handeln, die in einer Form serviert wurde.

Häufige Fragen

Was ist ein 'Fourcondel'?

Der Fourcondel war im Mittelalter eine Art Torte oder Pastete, die sowohl süß als auch herzhaft gefüllt sein konnte. In diesem Rezept wird er mit Sahne genannt, was auf eine süße oder cremige Füllung hindeutet. Die genaue Zubereitung variierte, aber es handelte sich meist um ein gebackenes Gericht mit einer Hülle aus Teig.

Was sind 'gelierte Scheiben' und 'vergoldete Scheiben'?

‚Gelierte Scheiben‘ (les lesches gelee) waren wahrscheinlich Fleischscheiben (z.B. von Huhn oder Kaninchen), die in einem würzigen Aspik oder Gelee eingelegt wurden. Dies diente der Konservierung und als festliche Speise. ‚Vergoldete Scheiben‘ (lesches dorees) waren typischerweise Brotscheiben oder Gebäck, die mit Eigelb bestrichen und dann gebacken oder gebraten wurden, um eine goldene Farbe zu erhalten. Sie konnten süß oder herzhaft sein und als Beilage oder eigenständiges Gericht dienen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist aufgrund der ‚gelierten Scheiben‘ und des ‚Fourcondel mit Sahne‘ nicht für die Lagerküche geeignet. Gelierte Speisen benötigen Kühlung, um fest zu werden und haltbar zu bleiben, was im Sommerlager schwierig ist. Auch der Fourcondel, insbesondere mit Sahne, ist ohne Kühlung problematisch. Zuhause vorbereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben, der im 14. Jahrhundert lebte und für mehrere französische Könige kochte. Die vorliegende Edition basiert auf einer Handschrift aus dem späten 14. Jahrhundert (ca. 1393).

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