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Geflügel, Kaninchen und Gebäck

Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumAufwändigKorrekturBearbeitungsstand 5/10Höfische KücheHofküche
PortionenVariabel, je nach Auswahl der GerichteBuchLe Viandier de Taillevent (~1300)

Dieses Rezept listet verschiedene Gerichte auf, die bei einem Mahl serviert werden könnten: Hühner, Tauben und Kaninchen. Dazu kommen gelierte Scheiben, ein Fourcondel mit Sahne und vergoldete Scheiben.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Poulles Hühner - -
pyions Tauben Metzger, Geflügelhändler Wachteln
lappereaulx Kaninchen Metzger, Wildhändler -
les lesches gelee Gelierte Scheiben - -
le fourcondel de cresme Fourcondel mit Sahne - -
lesches dorees Vergoldete Scheiben - -
Was ist ein 'Fourcondel'?

Der Fourcondel war im Mittelalter eine Art Torte oder Pastete, die sowohl süß als auch herzhaft gefüllt sein konnte. In diesem Rezept wird er mit Sahne genannt, was auf eine süße oder cremige Füllung hindeutet. Die genaue Zubereitung variierte, aber es handelte sich meist um ein gebackenes Gericht mit einer Hülle aus Teig.

Was sind 'gelierte Scheiben' und 'vergoldete Scheiben'?

‚Gelierte Scheiben‘ (les lesches gelee) waren wahrscheinlich Fleischscheiben (z.B. von Huhn oder Kaninchen), die in einem würzigen Aspik oder Gelee eingelegt wurden. Dies diente der Konservierung und als festliche Speise. ‚Vergoldete Scheiben‘ (lesches dorees) waren typischerweise Brotscheiben oder Gebäck, die mit Eigelb bestrichen und dann gebacken oder gebraten wurden, um eine goldene Farbe zu erhalten. Sie konnten süß oder herzhaft sein und als Beilage oder eigenständiges Gericht dienen.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist aufgrund der ‚gelierten Scheiben‘ und des ‚Fourcondel mit Sahne‘ nicht für die Lagerküche geeignet. Gelierte Speisen benötigen Kühlung, um fest zu werden und haltbar zu bleiben, was im Sommerlager schwierig ist. Auch der Fourcondel, insbesondere mit Sahne, ist ohne Kühlung problematisch. Zuhause vorbereiten.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der bedeutendsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben, der im 14. Jahrhundert lebte und für mehrere französische Könige kochte. Die vorliegende Edition basiert auf einer Handschrift aus dem späten 14. Jahrhundert (ca. 1393).

Poulles pyions lappereaulx les lesches gelee le fourcondel de cresme lesches dorees.
Poulles

Hühner

pyions

Tauben

lappereaulx

Kaninchen

lesches

Scheiben, Tranchen. Kann Fleisch, Brot oder Gebäck meinen.

gelee

Geliert, in Aspik oder Gelee eingelegt.

fourcondel

Eine Art Torte, Pastete oder Gebäck, oft mit süßer oder cremiger Füllung.

cresme

Sahne, Rahm.

dorees

Vergoldet, d.h. mit Eigelb bestrichen und gebacken oder gebraten, um eine goldene Farbe zu erhalten.

Handschrift
Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent
Folio
Fol. 018v
Sprache
Moyen Français (ca. 1300-1400)
Entstehung
Frankreich, 1300

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartles lesches gelee / lesches dorees

Gewählte Lesart: ‚Scheiben‘ - Der Begriff ‚lesches‘ ist allgemein und kann je nach Kontext Fleisch-, Brot- oder Gebäckscheiben meinen. Für die gelierten Scheiben ist Fleisch am plausibelsten, für die vergoldeten Scheiben eher Brot oder Gebäck.

Andere mögliche Lesarten:

  • Ausschließlich Fleischscheiben - Im Kontext der genannten Fleischsorten (Hühner, Tauben, Kaninchen) könnten alle Scheiben aus Fleisch bestehen, entweder in Aspik oder paniert/gebraten.
  • Ausschließlich Brotscheiben - Vergoldetes Brot war eine gängige Beilage oder Süßspeise. Gelierte Brotscheiben sind jedoch weniger üblich, aber nicht ausgeschlossen.

Lesartle fourcondel de cresme

Gewählte Lesart: ‚Fourcondel mit Sahne‘ - Eine spezifische Torte oder ein Gebäck, das mit Sahne zubereitet oder gefüllt wurde.

Andere mögliche Lesart:

  • Ein Sahne-Pudding oder eine Creme - Obwohl ‚fourcondel‘ meist eine gebackene Form impliziert, könnte es sich auch um eine dickere, puddingartige Sahnespeise handeln, die in einer Form serviert wurde.

Originalwerk (~1300) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 018v, Bibliothèque nationale de France, Manuscrit Français 19791, Gallica (ark:/12148/btv1b10501680z) - Domaine public Quelle öffnen
Transkription
Pichon & Vicaire 1892 (kritische Edition), Project Gutenberg #26567 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Zuhause vorbereiten.
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