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Gefüllte Morcheln vom Rost

Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken · Frankfurt am Main · 1574

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10Bürgerliche KücheBürgerlichVegetarischVegetarisch
Zubereitungszeit25 Min.Portionen2-4 PersonenBuchKoch und Kellermeisterei (~1574)

Bereite die Füllung zu, wie man eine Apfelfüllung zubereitet, oder mache Rühreier. Nimm zwei Morcheln, fülle beide Hälften und setze sie übereinander. Verklebe die gefüllten Hälften mit einem rohen Ei und stecke sie auf ein kleines Spießchen. Beträufle sie mit Butter und brate sie sachte auf einem Rost.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Morchen 4-8 Morcheln (je nach Größe) Wochenmarkt, Feinkostladen, getrocknet im Supermarkt/Bio-Laden Kulturchampignons oder Kräuterseitlinge (geschmacklich anders, aber ähnliche Textur)
Eyern 2-3 Eier (für die Füllung) - -
rohen Ey 1 rohes Ei (zum Verkleben) - -
Buttern 2 EL Butter - -
(implied) Salz Salz - -
(implied) Pfeffer Pfeffer - -

Welches Gericht ist das? Gefüllte Morcheln vom Rost - die hohlen Morchel-Hüte werden mit einer Eierfüllung gestopft, mit rohem Ei verklebt, aufgespießt und über der Glut gegrillt. Der nahe Korpus-Verwandte ist die gefüllte Morchel am Spieß m5919-016, und die Morchel taucht auch als herzhafte Variante der Ei-Käse-Pastete m384-018 auf. Eine moderne Entsprechung ist die gefüllte, gegrillte Champignon.

Warum 'als man Apfelfüllung macht'? Der Verweis als man öpffelfüll macht meint die Konsistenz, nicht den Geschmack: Die Füllung soll so weich und formbar sein wie eine Apfelfüllung, damit sie sich gut in die hohlen Morcheln stopfen lässt. Die tatsächliche Füllung sind gestürtzt Eyer - eine Rührei-artige Ei-Masse.

Zwei Hälften, mit rohem Ei verklebt. Die Morchel wird gefüllt, indem zwei Hälften übereinandergesetzt (vber einander gestürtzt) und mit rohem Ei zusammengeklebt werden - das Ei wirkt als Kleber, der beim Garen stockt und die Naht versiegelt. Aufgespießt, mit Butter beträufelt und sachte (sittlich) über mäßiger Glut gegrillt, damit der zarte Pilz nicht verbrennt.

Praxis. Frische Morcheln gründlich putzen (oder getrocknete einweichen). Ein Rührei aus 2-3 Eiern bereiten, nach Geschmack salzen und pfeffern, weich und formbar halten. Morcheln füllen, je zwei Hälften mit etwas verquirltem rohem Ei verkleben, auf dünne Holzspießchen stecken. Mit zerlassener Butter bestreichen und auf dem Rost über mäßiger Glut langsam garen, bis die Füllung gestockt und der Pilz aromatisch ist. Hinweis: Rohe Morcheln sind unverträglich - stets vollständig durchgaren.

Wo bekomme ich Morcheln und was kann ich als Alternative verwenden?

Frische Morcheln sind saisonal und oft teuer, du findest sie auf gut sortierten Wochenmärkten oder in Feinkostläden. Getrocknete Morcheln sind eine gute Alternative und ganzjährig im Supermarkt oder Bio-Laden erhältlich; diese müssen vor der Verwendung eingeweicht werden. Als geschmacklich abweichende, aber texturlich ähnliche Alternative kannst du Kulturchampignons oder Kräuterseitlinge verwenden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Die Eierfüllung lässt sich vorbereiten und transportieren. Am Lager benötigst du lediglich einen Grillrost und kleine Spieße, um die gefüllten Morcheln über der Glut zu braten. Achte darauf, eine mäßige Glut zu verwenden, damit die Morcheln nicht verbrennen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Kochbuch 'Koch und Kellermeisterei', das um 1574 in Frankfurt am Main veröffentlicht wurde. Es ist ein Beispiel für die bürgerliche Küche der frühen Neuzeit, die bereits eine gewisse Raffinesse zeigte, aber noch stark auf saisonale und regional verfügbare Zutaten setzte.

Was bedeutet 'öpffelfüll' im Rezept, wenn die Füllung aus Eiern besteht?

Der Begriff 'öpffelfüll' (Apfelfüllung) bezieht sich hier wahrscheinlich nicht auf den Geschmack, sondern auf die Konsistenz der Füllung. Es war eine gängige Praxis, auf bekannte Zubereitungsarten zu verweisen, um die gewünschte Textur zu beschreiben - in diesem Fall eine weiche, formbare Masse, die sich gut in die Morcheln füllen lässt. Die eigentliche Füllung sind Rühreier.

Morchen mit Eyern füllen. Mach die füll/ als man öpffelfüll macht/ oder gestürtzt Eyer/ vnd die zwo Morchen vber einander gestürtzt/ beid theil gefüllt vnd verkleibt mit einem rohen Ey an ein spißlin/ treuff es mit Buttern/ brahts sittlich auff einem Rost.
Morchen

Morcheln - hohle Speisepilze, deren Form sich ideal zum Füllen eignet.

öpffelfüll

Apfelfüllung - hier als Referenz für die weiche, formbare Konsistenz der Füllung, nicht für den Geschmack.

gestürtzt Eyer

Wörtlich gestürzte/gerührte Eier - gemeint ist eine Rührei-artige Ei-Masse als Füllung.

verkleibt mit einem rohen Ey

Die gefüllten Hälften mit rohem Ei zusammenkleben; das Ei stockt beim Garen und versiegelt die Naht.

sittlich

Sachte, schonend - über mäßiger Glut grillen, damit die Morcheln nicht verbrennen.

Handschrift
Koch vnd Kellermeysterey von allen Speisen vnd Getrencken
Sprache
Frühneuhochdeutsch
Entstehung
Frankfurt am Main, 1574

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartöpffelfüll / gestürtzt Eyer

Gewählte Lesart: Die Füllung ist eine Rührei-Masse; als man öpffelfüll macht bezieht sich nur auf die weiche, formbare Konsistenz, nicht auf Äpfel. Der Titel mit Eyern füllen bestätigt Ei als Hauptbestandteil.

Lesartzwo Morchen vber einander gestürtzt

Gewählte Lesart: Zwei Morchel-Hälften werden gefüllt und mit Ei zusammengesetzt, sodass wieder eine ganze, geschlossene Morchel entsteht.

Originalwerk (~1574) gemeinfrei.

Bildquelle
Koch und Kellermeisterei, S. 051
Transkription
Uni Giessen (Gloning, Digitale Edition 2000) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Sehr gut lagertauglich. Die Ei-Füllung lässt sich vorbereiten und in einem verschließbaren Behälter mitbringen. Am Lager braucht es nur Grillrost und kleine Spieße; gefüllt und über mäßiger Glut gegrillt. Morcheln stets vollständig durchgaren (roh unverträglich), und die Glut nicht zu heiß halten, damit der Pilz nicht verbrennt.
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