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Gebackene Morcheln im Teigmantel

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384 · Südwestdeutschland · 1470

BeilageBeilageLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 9.4/10Höfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit20 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMünchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (~1470)

Nimm kleine Morcheln und wasche sie sehr sauber. Schneide die Stiele davon ab.

Mache einen dünnen Teig aus weißem Mehl und gieße ein wenig Wein hinein. Färbe und würze den Teig nach Belieben.

Ziehe die Morcheln durch den Teig, sodass sie gut umhüllt sind, und backe sie anschließend in einer Pfanne.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
klain morochen kleine Morcheln - gut sortierter Supermarkt, Wochenmarkt -
wissem mell weißes Mehl - - -
ain wenig wins etwas Wein - - Most oder Wasser
faerbs Färbemittel (optional) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Safran für Gelb, rotes Sandelholz für Rot
bewurtz Gewürze (optional) - gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Pfeffer, Ingwer, Zimt

Welches Gericht ist das? Frische Morcheln im Ausbackteig, in der Pfanne herausgebacken - im Kern dasselbe Verfahren wie die Apfelküchlein (teg-036) oder die im Teig gebackenen Vögel (sev-027): ein dünner Teigmantel, der die Zutat umhüllt und beim Backen knusprig wird. Ein frühes Pilz-Beignet. Im selben Buch wird die Morchel auch in der Eier-Käse-Pastete verarbeitet, andernorts gefüllt vom Rost.

morochen - Morcheln. Eindeutig die Speisepilze mit der Wabenstruktur. butzen = die Stiele/Strünke, die abgeschnitten werden.

dunen taig - dünner Teig. Ein leichter Ausbackteig aus Weizenmehl mit etwas Wein, nach Belieben gewürzt und gefärbt. Eine Parallelhandschrift (Reichenauer Kochbuch) schreibt drack taig (möglicherweise „dick/derb“) - die Münchner Handschrift selbst liest jedoch „dünn“, was zum zarten Pilz besser passt.

Färben und Würzen stehen frei. Periodentreu wären für Gelb Safran, für Rot rotes Sandelholz, an Gewürzen Pfeffer, Ingwer oder Zimt - der Koch entscheidet nach Vorrat.

Praxis. Morcheln sehr gründlich waschen - in den Waben sitzt gern Sand. Stiele abschneiden. Einen dünnflüssigen Teig aus Weizenmehl und etwas Weißwein anrühren (Konsistenz wie ein leichter Pfannkuchenteig, das Mehl bindet sich am Pilz). Morcheln durch den Teig ziehen, bis sie rundum umhüllt sind, und in heißem Fett goldbraun ausbacken. Wichtig: Morcheln enthalten roh ein hitzeempfindliches Gift und müssen durchgegart werden - lieber etwas länger backen, halbgar dürfen sie nicht bleiben.

Wo bekomme ich Morcheln?

Frische Morcheln sind saisonal auf Wochenmärkten oder in gut sortierten Feinkostläden erhältlich. Getrocknete Morcheln findest du ganzjährig im gut sortierten Supermarkt oder im Online-Gewürzhandel. Vor der Verwendung müssen getrocknete Morcheln eingeweicht werden.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses einfache Gericht ist gut für die Lagerküche geeignet. Es benötigt nur wenige, robuste Zutaten und kann in einer Pfanne über offenem Feuer oder auf einem Kocher schnell zubereitet werden.

Welche Färbemittel und Gewürze soll ich verwenden?

Das Rezept lässt die Wahl der Färbemittel und Gewürze offen. Typische Färbemittel im Mittelalter waren Safran (für Gelb), rotes Sandelholz (für Rot) oder auch Spinat (für Grün). Als Gewürze eignen sich klassische Mischungen wie Pfeffer, Ingwer, Zimt oder Nelken, je nach gewünschtem Geschmacksprofil.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 384) (2. Hälfte 15. Jh., Südwestdeutschland). Das umfangreichste der Münchner Kochbuchhandschriften und das letzte in CoReMA edierte: 83 alemannische (südwestdeutsche) Rezepte des späten 15. Jh., sauber rubriziert von einer Hand auf Bl. 076r-078r und 103v-115v. Schwerpunkt auf Saucen und Vorräten - zahlreiche Salsen (Sältz), Pfeffer- und Leberpfeffer-Saucen (auch schwarzer Pfeffer), Gumpost (eingelegtes süß-saures Gemüse/Obst), Latwergen, Senf sowie Kraut- und Gemüsegerichte. Die gelegentlich erwähnte hebräische Schrift betrifft nur spätere Marginal-Nachträge (Bl. Ir + 122v-123v), nicht die Kochrezepte. Im CoReMA-Projekt (Uni Graz) als Handschrift M2 ediert; größtes Cross-Link-Potenzial zu den anderen Münchner Büchern (Cgm 725/349/811).

bachen morochen Niem klain morochen vnd wasch die gar suber vnd schnid die butzen dauon vnd mach ainen dunen taig von wissem mell vnd guss ain wenig wins darIn vnd faerbs vnd bewurtz vnd czuch die morochen dardurch vnd bach es In ainer pfannen etc.
morochen

Morcheln sind essbare Speisepilze mit charakteristischer Wabenstruktur. Sie waren im Mittelalter eine geschätzte Zutat.

butzen

Bezeichnet hier die Stiele oder Ansätze der Morcheln, die vor der Zubereitung entfernt werden sollen.

dunen taig

Ein dünner Teig, der die Morcheln umhüllen soll.

Handschrift
München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384
Folio
Fol. 115v
Sprache
Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 2. Hälfte 15. Jh.)
Entstehung
Südwestdeutschland, 1470
CoReMA-Handschrift

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

wissem mellwheat flour Q2249305
ain wenig winswine Q282
faerbsfood coloring Q753009
bewurtzspice Q42527

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartczuch die morochen dardurch

Gewählte Lesart: ‚ziehe die Morcheln dadurch'. Die Morcheln werden durch den Teig gezogen, sodass sie rundum umhüllt sind, bevor sie ausgebacken werden.

Originalwerk (~1470) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 115v, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 384 (2. Hälfte 15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M2 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 384), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Im Topf oder in der Pfanne am Feuer in etwa 20 Minuten fertig. Die Zutaten sind robust und benötigen keine besondere Kühlung.
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Stand dieser Fassung: 26.06.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.