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Barsch: Gesotten, frittiert oder gebraten

Libro de arte coquinaria · Norditalien · 1465

FischHauptspeise · FischLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 6/10FischFastenspeiseHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit30 Min.Portionen2-4 PersonenBuchLibro de Arte Coquinaria (~1465)

Wenn der Barsch groß ist, soll er gesotten werden. Entferne dabei die Innereien, aber schuppe ihn nicht von außen. Ist der Fisch sehr frisch, koche ihn in reinem Wasser; wenn möglich, gib ein wenig Essig zum Kochwasser. Sobald er gar ist, säubere und bereite ihn von außen zu, wie es für Hecht beschrieben wird. Ist der Barsch klein, soll er geschuppt und in Öl frittiert werden. Er schmeckt auch gut, wenn du ihn am Spieß brätst und dabei immer wieder mit Salzlake befeuchtest.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
Persiche Barsch - Fischhändler, Wochenmarkt -
acqua pura Wasser - - -
un poco de aceto etwas Essig - - -
oglio Pflanzenöl - - -
salamora Salzlake - - -
Was bedeutet 'Persiche' im Rezept?

‚Persiche‘ ist eine frühitalienische Bezeichnung für Barsch (italienisch ‚Persico‘). Es handelt sich hierbei um einen Fisch, nicht um die Frucht Pfirsich (italienisch ‚Pesche‘). Der Kontext der Zubereitungsmethoden wie Sieden, Frittieren und Braten sowie der Vergleich mit Hecht bestätigt dies eindeutig.

Warum werden große und kleine Barsche unterschiedlich zubereitet?

Das Rezept unterscheidet klar: Große Barsche sollen vor dem Sieden nicht geschuppt werden, sondern erst nach dem Garen ‚gesäubert und zubereitet‘ (was oft das Entfernen der Haut bedeutet). Kleine Barsche hingegen sollen vor dem Frittieren geschuppt werden. Dies könnte an der unterschiedlichen Hautbeschaffenheit oder der gewünschten Textur liegen, da die Haut großer Fische zäher sein kann.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, sehr gut geeignet. Die Zubereitungsmethoden - Sieden, Frittieren oder Braten am Spieß - sind mit einfacher Ausrüstung über offenem Feuer oder auf einem Kohlenbecken umsetzbar. Frischer Fisch, Öl und Essig sind transportable Zutaten.

Was ist 'salamora'?

‚Salamora‘ bezeichnet eine Salzlake oder Salzlösung. Sie wurde im Mittelalter häufig zum Würzen, Marinieren oder wie hier zum Befeuchten von Bratgut verwendet, um es saftig zu halten und Geschmack zu verleihen.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Libro de Arte Coquinaria (Norditalien). Das erste große Kochbuch der italienischen Renaissance (~1465). Maestro Martino, Chefkoch des Patriarchen von Aquileia, beschreibt als Erster Kochtechniken mit präzisen Mengen und Zeiten. 268 Rezepte in 6 Kapiteln: Fleisch, Suppen/Pasta, Saucen, Pasteten, Frittiertes, Fisch.

Persiche. Quando è grosso vole essere allessato cavandone di fora l'interiora, non raschierai niente di fora; essendo ben frescho cocilo in acqua pura quando non poterai mettere con l'acqua un poco de aceto. Et cotto che 'l sia il mondarai et nettarai di fora como se disse del luccio. Et quando è piccolo vole essere raschiato et fritto in oglio. Et ancora serà bono arrostito bagnandolo con la salamora.
Persiche

Frühitalienisch für Barsch (ital. Persico), nicht Pfirsich (ital. Pesche).

allessato

Gesotten oder pochiert, in Wasser gegart.

luccio

Hecht.

salamora

Salzlake oder Salzlösung.

Handschrift
Libro de arte coquinaria
Folio
Fol. 56v
Sprache
Frühitalienisch (15. Jh.)
Entstehung
Norditalien, 1465

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

acqua purawater Q283
ogliocooking oil Q427457

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

LesartPersiche

Gewählte Lesart: Übersetzt als ‚Barsch‘ (ital. Persico).

Lesartnon raschierai niente di fora / il mondarai et nettarai di fora / vole essere raschiato

Gewählte Lesart: Die Anweisungen zum Schuppen/Reinigen wurden als spezifische Handhabung der Fischhaut interpretiert: Große Barsche werden vor dem Sieden nicht geschuppt, sondern erst nach dem Garen von Haut und Schuppen befreit (wie beim Hecht üblich). Kleine Barsche hingegen werden vor dem Frittieren geschuppt.

Originalwerk (~1465) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 56v, Library of Congress, Rare Book and Special Collections Division, Washington MS (TX723 .M3 1460), Public Domain
Transkription
Uni Giessen (Gloning/Romanelli, Digitale Edition 2004, Basis: Faccioli 1966) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Frischer Fisch, Öl und Essig sind am Lager leicht verfügbar. Ein Topf zum Sieden, eine Pfanne zum Frittieren oder ein Spieß zum Braten sind Standardausrüstung.
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.