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Feigenbraten am Spieß

Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1) · Österreich (Mondsee, Oberösterreich) · 1480

DessertNachspeiseLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 7/10Festtag / FesttafelHöfische KücheHofkücheVeganVegan
Zubereitungszeit15 Min.Portionen2-4 PersonenBuchMondseer Kochbuch (~1480)

Willst du einen Braten aus Feigen zubereiten, so nimm 250 g Feigen und zerstoße sie klein. Würze sie mit Gewürz und gib ganze Weinbeeren hinzu.

Stecke die Masse auf einen hölzernen Spieß und spicke sie mit Mandeln. Lege ihn ans Feuer, an die Glut, und lass ihn braten.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
1/2 libra veigen 250 g Feigen - -
gburcz Gewürze - -
gancz weinper Rosinen - -
spiß der hulczen sey 1 Holzspieß Wald (frisches Hartholz) -
mandel Mandeln, geschält Supermarkt (Backregal) -

Welches Gericht ist das? Kein Braten im heutigen Sinn - es kommt kein Fleisch auf den Spieß. Aus gestoßenen Feigen, Süßgewürz und ganzen Rosinen wird eine klebrige Masse geformt, auf einen hölzernen Spieß gesteckt, mit Mandeln gespickt und über der Glut geröstet. Alle Zutaten sind pflanzlich - das ist eine Fastenspeise, die sich bewusst als Fleischbraten verkleidet: Der Spieß und das Wort pratten zitieren die Form eines Fleischbratens, gefüllt ist die Speise aber rein mit Trockenfrüchten - eine Konfekt-Schauspeise, wie sie in der spätmittelalterlichen Festtagsküche an Fasttagen neben (oder statt) echten Fleischbraten auf die Tafel kam. Nächste lebende Verwandte sind mediterrane Feigen-Mandel-Rollen der winterlichen Vorratsküche, auch wenn dort heute kalt gepresst statt am Feuer geröstet wird.

Praxis. Getrocknete Feigen im Mörser oder auf dem Brett fein zerstoßen, bis eine formbare Masse entsteht - das ist kein Garschritt, sondern reine Zerkleinerung. Süßgewürz und ganze Rosinen einarbeiten; die Rosinen bleiben als Biss-Kontrast ganz. Die Masse fest um einen frischen, grünen Holzspieß formen und mit geschälten Mandeln spicken - die Mandeln liefern nicht nur Röstaroma, sie fixieren auch die klebrige Masse am Spieß. Den Spieß seitlich an die Glut legen, nicht in die offene Flamme, und drehend rösten, bis die Oberfläche Farbe nimmt und die Mandeln anziehen. Da die Masse bereits essfertig ist, geht es nur um Röstung und Karamellisierung der Außenseite - eine feste Zeitangabe braucht es nicht, das Auge entscheidet.

Was ist ein 'hölzerner Spieß' und wie verwende ich ihn?

Ein hölzerner Spieß wird aus frischem, grünem Hartholz (z.B. Hasel, Buche) geschnitten. Er wird über reiner Glut verwendet, nicht über offener Flamme, damit er nicht sofort verbrennt. Er dient als Einweggerät für eine Garung. Weitere Details findest du auf unserer Grundlagen-Seite zum hölzernen Rost.

Ist dieses Rezept eine Fastenspeise?

Ja. Feigen, Rosinen, Mandeln und Gewürz sind durchweg pflanzlich - ideal für die Fastenzeit. Der Trick des Gerichts ist gerade, dass es sich als "Braten" tarnt: Form und Zubereitung am Spieß zitieren einen Fleischbraten, damit auch an Fasttagen ein festlich anmutendes Gericht auf den Tisch kommt.

Welche Gewürze soll ich für die 'Gewürzmischung' verwenden?

Da das Rezept keine spezifischen Gewürze nennt, kannst du eine typische mittelalterliche süße Gewürzmischung verwenden. Gut passen Zimt, Ingwer, Nelken und etwas Muskat. Für eine helle Farbe verwende weißen Pfeffer und helles Ingwerpulver.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, dieses Rezept ist hervorragend für die Lagerküche geeignet. Die Zutaten sind robust und benötigen keine Kühlung. Die Zubereitung am Spieß über der Glut ist authentisch und unkompliziert.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Mondseer Kochbuch, einer umfangreichen Sammlung von Rezepten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Es wurde im bairisch-österreichischen Raum, vermutlich im Umfeld des Klosters Mondsee, verfasst und spiegelt die gehobene Küche dieser Zeit wider.

ITem wil dw ein pratten von veigen machen so nym ein 1/2 libra veigen vnd Stoß die chlain vnd machs mit gburcz vnd gancz weinper ab vnd stoß an ainen spiß der hulczen sey vnd spick in mit mandel vnd leg in czw vnd laß in praten
libra

„Pfund“; im 15. Jahrhundert entsprach ein Pfund in der Regel etwa 500 g.

gburcz

Eine gängige frühneuhochdeutsche Schreibweise für „Gewürz“. Es ist eine allgemeine Bezeichnung, die eine Mischung aus gängigen süßen Gewürzen wie Zimt, Ingwer und Nelken impliziert.

weinper

„Weinbeeren“; in diesem Kontext sind getrocknete Weinbeeren, also Rosinen, am wahrscheinlichsten.

hulczen spiß

„Hölzerner Spieß“; im Mittelalter wurden oft frische, grüne Hartholzspieße verwendet, die über der Glut nicht sofort verbrennen.

Handschrift
Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609 (CoReMA GR1)
Folio
Fol. 023r
Sprache
Frühneuhochdeutsch (bairisch-österreichisch, 15. Jh.)
Entstehung
Österreich (Mondsee, Oberösterreich), 1480
CoReMA

Originalwerk (~1480) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 023r, Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609; bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz (CC BY-NC-SA 4.0)
Transkription
CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. GR1 (Graz, Universitätsbibliothek, Ms. 1609), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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