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Mortereul: Zimt-Fleischpastete

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

GeflügelHauptspeise · GeflügelLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 5/10Bürgerliche KücheBürgerlich
Zubereitungszeit45 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMénagier de Paris (~1393)

Mortereul wird zubereitet wie ein 'faulx grenon', jedoch mit dem Unterschied, dass das Fleisch im Mörser mit Zimtgewürzen fein zerstoßen wird. Es wird kein Brot hinzugefügt, sondern Zimtpulver darüber gestreut.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
la char 500 g Fleisch (z.B. Huhn oder Schwein) - -
espices de canelle 1 TL Zimtgewürzmischung (z.B. Zimt, Ingwer, Nelken) - -
pouldre de canelle 1/2 TL Zimtpulver - -
Was ist ein 'Mortereul' und wie unterscheidet es sich von 'faulx grenon'?

Ein Mortereul ist eine feine Fleischpastete, die im Mörser zu einer glatten Masse verarbeitet wird. Das Rezept vergleicht es mit einem 'faulx grenon', einem ähnlichen Gericht, das oft durch Kräuter grün gefärbt war. Das Mortereul unterscheidet sich jedoch durch die deutliche Zimtwürzung und das Fehlen von Brot als Bindemittel.

Welche Art von Fleisch soll ich für dieses Rezept verwenden?

Das Originalrezept spezifiziert die Fleischsorte nicht. Für eine feine Pastete eignen sich mageres Schweinefleisch, Kalbfleisch oder Geflügel (Huhn, Kapaun) sehr gut. Wähle eine Sorte, die dir geschmacklich zusagt und sich gut zu einer feinen Farce verarbeiten lässt.

Was bedeutet 'espices de canelle' und welche Gewürze sind gemeint?

'Espices' bezeichnete im Mittelalter oft eine Gewürzmischung. 'De canelle' bedeutet 'mit Zimt' oder 'Zimt-'. Es ist wahrscheinlich eine Mischung, in der Zimt dominant ist, ergänzt durch andere gängige Gewürze der Zeit wie Ingwer, Nelken oder Paradieskörner. Du kannst eine eigene Mischung mit viel Zimt herstellen oder einfach Zimt als Hauptgewürz verwenden.

Was ist ein 'Mörser' - brauche ich einen Mörser und Stößel?

Im Mittelalter war der Mörser oft ein großer Fleischmörser, um Zutaten zu einer feinen Paste zu zerstoßen. Für dieses Rezept kannst du stattdessen eine Küchenmaschine oder einen Blender verwenden, um das Fleisch sehr fein zu pürieren. Wer authentisch arbeiten möchte, benötigt einen großen Granitmörser mit schwerem Holzstößel.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist für die Lagerküche nicht geeignet. Die Zubereitung erfordert das feine Zerstoßen des Fleisches im Mörser, was sehr zeitaufwendig ist und am Lager nur schwer umzusetzen wäre. Bereite es am besten zu Hause vor.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in die bürgerliche Küche des späten Mittelalters in Paris und richtet sich an eine junge Ehefrau, die ihren Haushalt führen soll.

Mortereul est fait comme faulx grenon, sauf tant que la char est broyee ou mortier avec espices de canelle; et n'y a point de pain, maiz pouldre de canelle pardessus.
Mortereul

Name einer feinen Fleischpastete oder Farce.

faulx grenon

„Faulx grenon" (wörtlich „falsche Bartstoppeln/Schnurrbart-Fasern", von altfranz. grenon = Bartfäden) bezeichnet im Ménagier de Paris eine gehackte Fleisch-Brot-Brei-Speise mit charakteristisch fadenartig-faseriger Konsistenz, der Name spielt auf die zerfaserte Optik des gestampften Fleisches an. Standard-Rezept: gekochtes Geflügel oder Wildbret, sehr fein gehackt, mit eingeweichtem Brot zu einer Paste vermengt, mit Brühe verdünnt, mit Ingwer-Safran-Würzung abgeschmeckt. Mortereul ist die Variante ohne Brotkrumen, stattdessen wird Zimt-Pulver als trockene Bindung obendrauf gestreut, was eine konzentriertere, würzigere Variante ergibt. Brereton/Ferrier 1981 und Greco/Rose 2009 ordnen beide in dieselbe Mortrews/Mortereul-Familie ein. Englische Parallele: Mortrews im Forme of Cury.

char

Fleisch.

broyee ou mortier

Im Mörser zerstoßen oder gemahlen, was eine sehr feine Paste ergibt.

espices de canelle

Gewürze, bei denen Zimt die Hauptkomponente ist oder die Zimt enthalten.

pouldre de canelle

Zimtpulver.

Handschrift
Le Ménagier de Paris
Folio
Fol. 157r
Sprache
Moyen Français
Entstehung
Paris, 1393

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartla char

Gewählte Lesart: Das Fleisch ist nicht spezifiziert. Ich habe gängige mittelalterliche Optionen wie Huhn oder Schwein gewählt, die sich gut für eine feine Pastete eignen.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte sich um Kalbfleisch handeln, das ebenfalls häufig für feine Pasteten verwendet wurde. - Kalbfleisch war im Mittelalter eine beliebte Zutat für edlere Gerichte und Farces.

Lesartespices de canelle

Gewählte Lesart: Ich habe dies als eine Zimt-dominante Gewürzmischung interpretiert, da 'espices' oft eine Mischung impliziert, aber 'de canelle' den Hauptgeschmack hervorhebt.

Andere mögliche Lesart:

  • Es könnte auch ausschließlich Zimt gemeint sein, da Zimt als Einzelgewürz sehr geschätzt wurde. - Die explizite Erwähnung von 'pouldre de canelle pardessus' könnte darauf hindeuten, dass Zimt das einzige oder bei weitem dominanteste Gewürz ist.

Lesartfaulx grenon

Gewählte Lesart: Dies wird als Referenz zu einem anderen bekannten Gericht verstanden, das eine ähnliche Zubereitung, aber andere Hauptmerkmale (z.B. grüne Farbe, Brot als Bindemittel) aufweist.

Originalwerk (~1393) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 157r, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)
Transkription
Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon - TEI P5, Lizenz Etalab Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
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