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Schweine-Spießbraten in Wein mariniert

München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 725 · Tegernsee / Oberbayern · 1480

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittel
Zubereitungszeit20 Min.Portionen4-6 PersonenBuchMünchner Kochbuchhandschriften (Cgm 725) (~1480)

Original - Frühneuhochdeutsch (ostmittelbairisch, Kloster Tegernsee, spätes 15. Jh.)

Schweine-Spießbraten in Wein mariniert - Originalseite aus Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 725)
Fol. 140r, Bayerische Staatsbibliothek München, Cgm 725 (spätes 15. Jh.); bereitgestellt durch CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages, Universität Graz

Transkription - Frühneuhochdeutsch (ostmittelbairisch, Kloster Tegernsee, spätes 15. Jh.)

Schweinen pratten

Item So Nym ain Sweinen pratten vnd Salcz In vnd Strew dann darauff wellschen kumich vnd leg In vber nacht In wein vnd pratt In dann an ainem Spis oder In ainem haffen allso mach auch aller lay pratten

CoReMA - Cooking Recipes of the Middle Ages (Uni Graz), Ms. M5 (München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 725), hyperdiplomatische Basistranskription, CC BY 4.0

Moderne Übersetzung

LagerkücheLagerküche-Tipp: Eingeschränkt (Kühlung): Frisches Schweinefleisch und die Marinade benötigen eine durchgehende Kühlkette. Das Braten am Spieß oder im Topf ist im Lager gut umsetzbar.

Nimm einen Schweinebraten und salze ihn. Bestreue ihn dann mit welschem Kümmel und lege ihn über Nacht in Wein ein. Brate ihn dann an einem Spieß oder in einem Topf. So kannst du auch alle anderen Arten von Braten zubereiten.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
ain Sweinen pratten Schweinebraten Metzger -
Salcz Salz - -
wellschen kumich Welscher Kümmel gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel vermutlich Kreuzkümmel; Ehlert: Stöchaskraut (Schopflavendel)
wein Wein (leichter Roter) - leichter Südtiroler Roter (Vernatsch/Schiava) - das Kloster besaß dort Weingüter; ein moderner leichter Rotwein tut es genauso

Lagerküche Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein Schweinebraten, über Nacht in Wein gebeizt, mit Salz und „welschem Kümmel“ gewürzt, am Spieß oder im Topf gebraten - die Quelle sagt ausdrücklich, so lasse sich „allerlei Braten“ machen, ist also ein Grundrezept fürs Braten.

Die Wein-Beize. Über-Nacht-Einlegen in Wein macht das Fleisch mürbe und würzt es - ein früher Beiz-/Marinadenbraten.

„Welscher Kümmel“ - was ist das? Unsicher (siehe Lesarten): am ehesten Kreuzkümmel (Cuminum cyminum, „römischer Kümmel“); Ehlert liest dagegen Stöchaskraut (Schopflavendel). Beides ergibt ein warm-würziges Aroma.

Praxis. Schweinebraten salzen, mit dem Gewürz einreiben, über Nacht kühl in Wein marinieren, am Spieß oder im Dutch Oven braten und dabei mit der Beize begießen.

Anmerkungen

Sweinen pratten

Frühneuhochdeutsch für ‚Schweinebraten‘.

wellschen kumich

‚Welscher Kümmel‘ ist hier mehrdeutig. Am ehesten ist Kreuzkümmel (Cuminum cyminum, der „römische/welsche Kümmel“) gemeint - die fremdländische Würze im Gegensatz zum heimischen Feldkümmel (Carum carvi). Trude Ehlert (1999) liest die Stelle dagegen als Stöchaskraut (Lavandula stoechas, Schopflavendel). Beide Lesarten sind aromatisch plausibel; eindeutig ist die Stelle nicht.

Spis

Ein ‚Spieß‘, auf dem das Fleisch über dem Feuer gebraten wird.

haffen

Ein ‚Hafen‘ oder Topf, der direkt in die Glut gestellt oder über dem Feuer aufgehängt werden konnte, vergleichbar mit einem modernen Dutch Oven.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartwellschen kumich

Gewählte Lesart: Kreuzkümmel (Cuminum cyminum), der „welsche/römische Kümmel“ - die importierte Würze, im Unterschied zum heimischen Feldkümmel (Carum carvi).

Andere mögliche Lesarten:

  • Stöchaskraut (Lavandula stoechas, Schopflavendel) - so Ehlert (1999) im Glossar. - Ehlert glossiert ‚wellscher kumich‘ ausdrücklich als Stöchaskraut. Botanisch fern vom Kümmel, aber als aromatisches Würzkraut denkbar.
  • Echter/Feld-Kümmel (Carum carvi). - Der in Bayern traditionell zum Schweinebraten verwendete Kümmel - die naheliegende Küchenwahl, aber ‚welsch‘ spricht eher für eine fremdländische Würze.

Häufige Fragen

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Ja, mit Einschränkungen. Frisches Schweinefleisch und die Marinade benötigen eine durchgehende Kühlkette, was im Lager eine Herausforderung sein kann. Das Braten am Spieß oder im Topf (vergleichbar mit einem Dutch Oven) ist jedoch sehr gut für die Zubereitung über offenem Feuer geeignet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus den Münchner Kochbuchhandschriften (Cgm 725), die um 1480 im Benediktinerkloster Tegernsee verfasst wurden. Es ist ein Beispiel der ostmittelbairischen Klosterküche des späten 15. Jahrhunderts.

Was bedeutet 'wellschen kumich' im Rezept?

Die Stelle ist mehrdeutig. Am ehesten ist Kreuzkümmel (römischer/„welscher“ Kümmel) gemeint - die importierte Würze im Gegensatz zum heimischen Feldkümmel. Trude Ehlert (1999) liest dagegen Stöchaskraut (Schopflavendel). Wer nah an der wahrscheinlichsten Lesart bleiben will, nimmt Kreuzkümmel; eindeutig belegt ist es nicht.

Welchen Wein soll ich für die Beize nehmen?

Das Rezept sagt nur ‚Wein‘. Oberbayern war kein Weinland - das Kloster Tegernsee bezog seinen Wein von eigenen Gütern in Südtirol (rund um Bozen, u.a. dem nach dem Klosterpatron benannten Weingut St. Quirin) und in der Wachau. Für einen Schweinebraten ist daher ein leichter, eher roter Südtiroler Wein (Vernatsch/Schiava) am naheliegendsten - ein moderner leichter Rotwein erfüllt denselben Zweck.

Was ist ein 'Haffen' und wie kann ich ihn ersetzen?

Ein 'Haffen' ist ein mittelalterlicher Kochtopf, der direkt in die Glut gestellt oder über dem Feuer aufgehängt wurde. Für die moderne Lagerküche ist ein gusseiserner Topf oder ein Dutch Oven ein hervorragender Ersatz.

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