Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Setze es auf in Wasser und Salz, und Speck, um ihm Geschmack zu geben, dazu Petersilie, Salbei und Ysop. Gebräuntes Kalbs-Civet.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Ciue de veau roussy | Kalbfleisch | - | Metzger | - |
| eaue | Wasser | - | - | - |
| sel | Salz | - | - | - |
| lart | Speck | - | Metzger | - |
| percil | Petersilie | - | - | - |
| sauge | Salbei | - | - | - |
| ysope | Ysop | - | Gärtnerei / Kräuterhandel | - |
Welches Gericht ist das? Ein civet de veau roussy - ein Kalbsragout, bei dem das Fleisch zuvor gebräunt (roussy) wurde. Lebendig verwandt mit dem Schmorragout aus angebratenem Kalb mit Kräutern; eng am Ménagier-Rezept "Kapon und Kalb mit Kräutern" (men-073), das fast denselben Wortlaut trägt. Wie üblich im Viandier steht der Gerichtname (Ciue de veau roussy) am Ende des Eintrags.
Roussy (von roux, rotbraun) heißt: das Fleisch wird vor dem Aufsetzen in Fett angebräunt - das gibt Farbe und Röstaroma. Ciue/Civet bezeichnet hier das gebundene, herzhafte Ragout. Lart ist Speck bzw. gesalzener Schweinebauch, der Fett und Würze einbringt. Ysop (ysope) ist ein kräftig-bitteres, leicht minzig-kampfriges Küchenkraut, das im Mittelalter geläufig war.
Praxis. Kalbfleisch (Schulter, Brust oder Wade) in Stücke schneiden, in etwas Speckfett rundum anbräunen. Mit Wasser knapp bedecken, salzen, gewürfelten Speck dazu, dann Petersilie, Salbei und Ysop. Sanft 1,5-2 Stunden schmoren, bis das Fleisch zart ist. Der Speck bindet etwas Fett in den Sud; nach Belieben mit eingeweichtem geröstetem Brot andicken. Im Lager im Topf über offenem Feuer problemlos.
Ein Civet (oder Ciue) ist ein mittelalterliches Ragout oder ein dicker Eintopf, der oft mit Brot oder Blut gebunden und kräftig gewürzt wird, typischerweise mit Zwiebeln. Der Begriff ‚roussy‘ deutet hier auf ein vorheriges Anbraten oder Rösten des Fleisches hin.
Ja, gut geeignet. Es benötigt lediglich einen großen Topf und eine Feuerstelle zum Schmoren. Die Zutaten sind robust und lassen sich gut transportieren.
Ysop ist eine aromatische Kräuterpflanze, die im Mittelalter häufig in der Küche verwendet wurde. Sie hat einen kräftigen, leicht bitteren und minzigen Geschmack, der an Kampfer erinnert. Ysop ist in gut sortierten Gärtnereien oder im Kräuterhandel erhältlich.
Dieses Rezept stammt aus „Le Viandier de Taillevent“. Ältestes erhaltenes französisches Kochbuch der höfischen Küche (~1300). Taillevent, Chefkoch der Könige Frankreichs, prägt mit diesem Werk die Saucen-, Fleisch- und Festmahlkultur des Spätmittelalters. Erhalten in mehreren Handschriften; Grundlage ist die kritische Edition Pichon & Vicaire (1892) nach der Sion-Handschrift.
Civet vom gebräunten Kalb - ein herzhaftes Ragout, dessen Fleisch zuvor angebräunt (roussy) wurde.
Gebräunt, angeröstet (von roux = rotbraun) - das Fleisch wird vor dem Garen in Fett farbig angebraten.
Speck bzw. gesalzener Schweinebauch, zur Geschmacks- und Fettgebung.
Ysop, ein kräftig-bitteres, minzig-kampfriges Küchenkraut der mittelalterlichen Küche.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| Ciue de veau roussy | veal Q957434 |
| eaue | water Q283 |
| sel | table salt Q11254 |
| lart | bacon Q11106 |
| sauge | common sage Q1111359 |
| ysope | hyssop Q137931 |
Unsere Übersetzungen mittelalterlicher Rezepte können Fehler enthalten. Fällt dir etwas auf? Schreib uns an feedback@fyndling.de - wir korrigieren gerne und sind für jeden Hinweis dankbar.
Stand dieser Fassung: 15.08.2026 - 2-mal überarbeitet. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.