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Gefüllter Fleischbrei (Jusshell) nach Charlet-Art

The Forme of Cury · England · 1390

SchweinHauptspeise · SchweinLagerkücheLagerküche-tauglichLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10VorspeiseBrei / MusHöfische KücheHofküche
Zubereitungszeit90 Min.Portionen4-6 PersonenBuchThe Forme of Cury (~1390)

Nimm gebratenes Schweinefleisch oder anderes Fleisch und hacke es fein. Nimm hartgekochte Eigelbe und hacke sie ebenfalls fein. Nimm guten Käse und hacke ihn klein. Nimm gute Kräuter und hacke sie fein. Nimm gute Äpfel und hacke sie klein. Nimm gute Gewürze und Salz und vermische all dies miteinander. Nimm die Blase eines Schweins und fülle sie damit. Koche sie gut und brate sie gut, dann serviere sie.

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
Pork yrosted, or other flessh 500 g gebratenes Schweinefleisch (oder anderes Fleisch) Metzger -
harde yolkes of eyroun 4-6 hartgekochte Eigelbe - -
faire chese 100 g fester Käse - -
gode herbes frische Kräuter - -
faire apples 1-2 Äpfel - -
gode spices 1 TL Gewürzmischung (z.B. Pfeffer, Ingwer, Zimt) - -
salt Salz - -
a bladder of a swyn 1 Schweineblase Metzger (auf Bestellung) Naturdarm für Wurst oder hitzebeständige Folie/Backpapier

Welches Gericht ist das? Ein Jusshell enforced - ein gefüllter, gepresster Fleischbrei, der im Original nur per Verweis erklärt wird ('mach es wie beim Charlet yforced'). Ausgeführt ist es ein in eine Schweineblase gestopfter Farce-Brei aus gebratenem Schweinefleisch, hartem Eigelb, Käse, Kräutern, Äpfeln und Gewürzen, der erst gekocht und dann gebraten wird. Das Ergebnis ist eine Art frühe Brüh- und Bratwurst im Naturbeutel - verwandt mit den gefüllten Rissolen des Ménagier (men-260, men-261) und der adligen Hühner-Käse-Farce der Bockenheimer Sammlung (boc-013).

Jusshell. Der Name (von lat. juscellum, 'Brühe') deutet darauf, dass das Gericht ursprünglich in einer Brühe serviert wurde; der Pegge-Apparat verweist auf das Jussellum Gallinae (Huhn) bei Theodorus Priscianus. Im Rezepttext selbst wird die Brühe nicht mehr genannt.

Die Schweineblase als Hülle. a bladder of a swyn ist der Naturbeutel, in den die Farce gestopft und dicht verschlossen wird - die mittelalterliche Form einer großen Wurst oder Galantine. Modern ersetzt ein weiter Naturdarm, ein in Tuch gewickelter Klotz oder eine hitzebeständige Folie die Blase.

Zweimal garen. Erst seeth (sieden) - das gart die Farce schonend und durch und lässt sie fest werden - dann rost (braten) - das gibt der Außenseite Farbe und Röstaroma. Reihenfolge nicht vertauschen: rohe Farce direkt zu braten ließe sie außen verbrennen und innen roh bleiben.

Süß-würzige Farce. Apfel und Käse zu Fleisch und Ei sind kein Zufall: die fruchtige Säure schneidet das Fett, der Käse bindet und würzt. Eine typische süß-herzhafte Kombination der Hofküche.

Praxis. 500 g gebratenes Schweinefleisch, 4-6 hartgekochte Eigelbe, 100 g festen Käse, eine Handvoll Kräuter und 1-2 Äpfel sehr fein hacken, mit 1 TL Gewürzmischung und Salz mischen. In eine gereinigte Schweineblase (ersatzweise weiter Naturdarm/Folie) füllen, nicht zu prall, und gut verschließen. Etwa 30-40 Minuten sieden, dann über Glut oder in der Pfanne rundum bräunen. In Scheiben schneiden, gern mit etwas Brühe servieren.

Was ist „Jusshell enforced“?

„Jusshell enforced“ ist ein mittelalterliches Gericht, das sich auf die Zubereitung von „Charlet yforced“ bezieht. Es handelt sich um einen gefüllten Fleischbrei, der in einer Schweineblase gekocht und gebraten wird. Der Begriff „Jusshell“ deutet darauf hin, dass es möglicherweise in einer Brühe oder Sauce serviert wurde, auch wenn das Rezept dies nicht explizit beschreibt.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist aufgrund der aufwendigen Zubereitung - das Hacken und Mischen vieler Zutaten, das Stopfen einer Schweineblase sowie das doppelte Garen (Kochen und Braten) - nicht ideal für die einfache Lagerküche. Es erfordert eine vorbereitete Küche und mehr Zeit als typische Lagergerichte.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus „The Forme of Cury“, einer der ältesten und bekanntesten englischen Rezeptsammlungen. Es wurde um 1390 für den Hof von König Richard II. verfasst und bietet Einblicke in die gehobene Küche des englischen Spätmittelalters.

Was ist eine „Schweineblase“ und wo bekomme ich sie?

Eine Schweineblase wurde im Mittelalter als natürlicher Wurst- oder Pastetendarm verwendet. Sie ist heute schwer zu beschaffen, kann aber eventuell auf Bestellung beim Metzger erhältlich sein. Als moderne Alternative kannst du große Naturdärme für Wurst oder hitzebeständige Folie bzw. Backpapier verwenden, um die Füllung zu formen und zu garen.

Was sind „gode spices“ in diesem Rezept?

„Gode spices“ (gute Gewürze) war im Mittelalter eine allgemeine Bezeichnung für eine Mischung aus gängigen und oft teuren Gewürzen. Typischerweise gehörten dazu Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken und Muskat. Wähle eine Mischung, die dir schmeckt, um dem Gericht eine aromatische Tiefe zu verleihen.

JUSSHELL ENFORCED . XX.II Take and do þerto as to charlet yforced. and serue it forth. Jusshell enforced. As the _Charlet yforced_ here referred to was made of pork, compare No. 40 with No. 39. So in Theod. Priscian we have _Jussetlum Gallinæ_.
JUSSHELL ENFORCED

Gefüllter, gepresster Fleischbrei; 'enforced' = gestopft/zur Farce gemacht. 'Jusshell' (von lat. juscellum, 'Brühe') deutet auf ursprüngliches Servieren in einer Brühe.

charlet yforced

Das per Verweis aufgerufene Schwester-Rezept: ein in eine Schweineblase gestopfter, gewürzter Fleischbrei, gekocht und gebraten (vgl. die Sauce dazu in foc-039).

a bladder of a swyn

Schweineblase - der Naturbeutel, in den die Farce gestopft und verschlossen wird; mittelalterliche Form einer großen Wurst oder Galantine.

Handschrift
The Forme of Cury
Folio
Fol. 27 verso
Sprache
Mittelenglisch
Entstehung
England, 1390

Originalwerk (~1390) gemeinfrei.

Bildquelle
Fol. 27 verso, The University of Manchester Library, English MS 7 (John Rylands Library)
Transkription
Project Gutenberg - The Forme of Cury (ed. Samuel Pegge, 1780) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
LagerkücheLagerküche
Über offenem Feuer machbar: Farce vorbereiten, in der Blase sieden, dann über der Glut bräunen. Aufwendig (viel Hacken, Stopfen, zweimal garen), aber kein Ofen nötig. Füllung lässt sich gut zu Hause vorbereiten.
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