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Vogelzucht im Käfig

Le Ménagier de Paris · Paris · 1393

Sonstiges ⚠ Viel Interpretationsspielraum Mittel
⏱ 60 Min.👥 Für die Aufzucht von Kleinvögeln📖 Ménagier de Paris (~1393)

Original — Moyen Français

Vogelzucht im Käfig — Originalseite aus Ménagier de Paris
Fol. 169v, Scan: Bibliothèque nationale de France, Gallica (BnF Manuscrit Français 12477)

Transkription (Moyen Français)

Pour faire pondre, couver et nourrir oiseaulx en une cage. Nota que en la cage de Hesdin qui est la plus grant de ce royaulme, ne en la cage du roy a Saint Pol, ne en la cage messire Hugues Aubryot ne pourent oncques estre couvez et apres parnourriz petiz oiseaulz, et en la cage Charlot si sont, scilicet pons, couvez, nourriz et parnourriz. Ou premier cas le deffault vient par ce que les petiz oiseaulx sont peux de cheneviz qui est chault et sec, et n'ont que boire. Et ou second cas l'en leur donne mouron ou lasseron, chardons de champs, trempans en eaue souvent renouvellee et tousjours fresche (rafreschie troiz foiz le jour) et en vaisseaulx de plonc qui est fraiz. Et la dedens avec lasseron et le mouron tout vert, tout de chardons des champs dont le pié trempe en eaue bien avant par le pié, du chenevis est escachié et trié et osté les coquilles, mouillé et trempé en eaue. Item que l'en leur mecte de la laine gardee et des plumes pour faire leur ny. Et aussi ay je en cages veu nourrir turtres, linoctes, chardonnerelz, pondre et parnourrir. Item, et aussi doit l'en donner des chenilles, veretz, mouchectes, yraignes, sautereaulx, papillons, channevis nouvel en herbes et moullié et trempé. Item, yraignes, chenilles et telles choses qui sont molles au bec de l'oiselet qui est tendre, et de telles choses nourrissent les paons leurs poucins. Car l'en a bien veu a une geline couver les oeufz d'une paonne avec les oeufz d'une geline, et se escloent les oeufz en ung mesmes temps; maiz les petis paons ne pouoient mye vivre longuement pour ce qu'ilz ont le becq trop tendre et la geline ne leur queroit mye choses tendres selon leur nature. Et les poucins vivoient du blé ou paste mole, ce qui n'est pas si propre nourrechon aux paons. Encores veez vous que qui bailleroit a une geline le plus bel fourment et mieulx triblé du monde, si le gacteroit elle pour trouver veretz ou mouchectes. Item, en la fin d'avril couvient aler querir des branchectes fourchees de troiz fourchons, et clouer contre le mur et couvrir d'autre verdure et la, dedens ce fourchon, font leur ny.

Base de Français Médiéval (BFM), ENS Lyon – TEI P5, Lizenz Etalab

Moderne Übersetzung

🏕 Lagerküche-Tipp: Zuhause vorbereiten.

Um Vögel in einem Käfig Eier legen, brüten und Junge aufziehen zu lassen. Man beachte, dass im Käfig von Hesdin, dem größten dieses Königreichs, noch im Käfig des Königs zu Saint-Pol, noch im Käfig des Herrn Hugues Aubryot jemals kleine Vögel gebrütet und danach aufgezogen werden konnten. Im Käfig von Charlot hingegen schon, nämlich gelegt, gebrütet, ernährt und aufgezogen. Im ersten Fall rührt der Fehler daher, dass die kleinen Vögel mit Hanfsamen gefüttert werden, der heiß und trocken ist, und sie nichts zu trinken haben. Im zweiten Fall gib ihnen Vogelmiere oder Lattich, Feld-Disteln, die oft in erneuertes und stets frisches Wasser getaucht werden (dreimal täglich erfrischt) und in Bleigefäßen, die kühl sind. Und darin, zusammen mit ganz grünem Lattich und Vogelmiere, ganz von Feld-Disteln, deren Stiel tief ins Wasser taucht, zerdrücke und siebe Hanfsamen, entferne die Schalen, befeuchte und weiche ihn in Wasser ein. Ferner, lege ihnen aufbewahrte Wolle und Federn zum Nestbau hinein. Und ich habe auch in Käfigen Turteltauben, Hänflinge, Stieglitze brüten und aufziehen sehen. Ferner, gib ihnen auch Raupen, Würmer, kleine Fliegen, Spinnen, Heuschrecken, Schmetterlinge, frische Hanfkräuter, befeuchtet und eingeweicht. Ferner, Spinnen, Raupen und solche Dinge, die weich für den zarten Schnabel des Vögelchens sind, und mit solchen Dingen ernähren Pfauen ihre Küken. Denn man hat gut gesehen, wie eine Henne die Eier einer Pfauenhenne zusammen mit den Eiern einer Henne bebrütete, und die Eier schlüpften zur selben Zeit; aber die kleinen Pfauen konnten nicht lange leben, weil sie einen zu zarten Schnabel haben und die Henne ihnen keine zarten Dinge ihrer Natur gemäß suchte. Und die Küken lebten von Getreide oder weichem Brei, was keine so geeignete Nahrung für Pfauen ist. Noch seht ihr, dass, wer einer Henne den schönsten und am besten zerstoßenen Weizen der Welt gäbe, sie ihn doch verschmähen würde, um Würmer oder kleine Fliegen zu finden. Ferner, Ende April musst du gegabelte Ästchen mit drei Gabelungen holen, sie an die Wand nageln und mit anderem Grün bedecken, und dort, in dieser Gabelung, bauen sie ihr Nest.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
cheneviz Hanfsamen Tierfachhandel
mouron Vogelmiere Wald / Wiese Garten-Salat (z.B. Feldsalat)
lasseron Lattich
chardons de champs Feld-Disteln Wiese / Feld Blätter von Kohl oder Mangold
eaue Wasser Leitung
laine gardee Wolle (ungewaschen) Schafhalter / Bastelbedarf
plumes Federn Geflügelhalter / Bastelbedarf
chenilles Raupen Garten / Wald Mehlwürmer (Tierfachhandel)
veretz Würmer Garten / Angelbedarf Mehlwürmer (Tierfachhandel)
mouchectes Kleine Fliegen Garten / Natur Fruchtfliegen-Kulturen (Tierfachhandel)
yraignes Spinnen Garten / Natur
sautereaulx Heuschrecken Garten / Natur Heuschrecken (Tierfachhandel)
papillons Schmetterlinge Garten / Natur
channevis nouvel en herbes Frische Hanfkräuter Spezialgärtnerei frische Petersilie oder Basilikum
blé ou paste mole Getreide oder weicher Brei (für Pfauenküken, als ungeeignet erwähnt)
branchectes fourchees de troiz fourchons Gegabelte Ästchen (dreifach) Wald / Garten
verdure Anderes Grün (Blätter, Zweige) Wald / Garten

Anmerkungen

Hesdin
Eine der größten und berühmtesten mittelalterlichen Menagerien und Lustgärten, bekannt für seine mechanischen Automaten und exotischen Tiere.
Saint Pol
Vermutlich Saint-Pol-de-Léon oder eine andere königliche Domäne in Frankreich.
Hugues Aubryot
Prévôt de Paris (Vorsteher von Paris) unter Karl V. und VI., bekannt für seine Bauten und seine spätere Verurteilung.
Charlot
Ein gebräuchlicher Name, hier wohl ein unbekannter, aber erfolgreicher Vogelzüchter.
mouron
Vogelmiere (Stellaria media), ein häufiges Wildkraut.
lasseron
Lattich (Lactuca sativa oder wilde Formen), eine Salatpflanze.
chardons de champs
Feld-Disteln (z.B. Cirsium arvense), eine in Europa weit verbreitete Distelart.
vaisseaulx de plonc
Bleigefäße. Blei ist giftig und sollte heute nicht für die Tierhaltung verwendet werden.
turtres
Turteltauben (Streptopelia turtur).
linoctes
Hänflinge (Linaria cannabina), eine europäische Finkenvogelart.
chardonnerelz
Stieglitze (Carduelis carduelis), eine europäische Finkenvogelart.
chenilles
Raupen, die Larven von Schmetterlingen und Motten.
veretz
Würmer, hier wohl Regenwürmer oder ähnliche kleine Bodentiere.
mouchectes
Kleine Fliegen, wie Fruchtfliegen oder Mücken.
yraignes
Spinnen.
sautereaulx
Heuschrecken.
papillons
Schmetterlinge.
channevis nouvel en herbes
Frische Hanfkräuter oder junge Hanfpflanzen.

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten — mit den plausiblen Alternativen.

vaisseaulx de plonc

Gewählte Lesart: Übersetzt als 'Bleigefäße', da 'plonc' das mittelfranzösische Wort für Blei ist. Die Verwendung von Blei wurde damals für seine kühlenden Eigenschaften geschätzt, ist aber heute als giftig bekannt.

channevis nouvel en herbes

Gewählte Lesart: Übersetzt als 'frische Hanfkräuter', da dies im Kontext der Vogelfütterung als eine Art Grünfutter am plausibelsten ist.

Andere mögliche Lesart:

  • Frischer Hanf in Kräutern — Die Phrase 'en herbes' könnte auch bedeuten, dass der Hanf zusammen mit anderen Kräutern gegeben wird, was jedoch die primäre Lesart nicht wesentlich ändert.

Häufige Fragen

Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?

Nein, dieses Rezept ist keine Kochanleitung für Menschen, sondern eine Anleitung zur Vogelzucht und -pflege. Es erfordert langfristige und tägliche Fürsorge und ist daher nicht für die spontane Zubereitung im Lager geeignet.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem 'Ménagier de Paris', einem französischen Haushaltsbuch, das um 1393 verfasst wurde. Es bietet Einblicke in das Leben und die Praktiken eines wohlhabenden Pariser Bürgers im späten Mittelalter, einschließlich der Tierhaltung.

Was ist mit den Bleigefäßen für das Wasser?

Bleigefäße sind aufgrund der Bleivergiftungsgefahr für Tiere und Menschen hochgiftig. Verwende stattdessen moderne, sichere Materialien wie Keramik, Glas oder Edelstahl für die Wasserversorgung der Vögel.

Woher bekomme ich die empfohlenen Insekten und Wildkräuter?

Viele der genannten Insekten und Wildkräuter können in Gärten, auf Wiesen und in Wäldern gesammelt werden. Achte darauf, dass die Sammelorte frei von Pestiziden sind. Alternativ sind einige Insekten wie Mehlwürmer oder Heuschrecken im Tierfachhandel erhältlich. Für Wildkräuter wie Vogelmiere oder Disteln gibt es oft ähnliche, im Supermarkt erhältliche Alternativen wie Feldsalat oder Kohlblätter.

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