Le Viandier de Guillaume Tirel, dit Taillevent · Frankreich · 1300
Um eine Pinte Hypocras (ca. 1 Liter) zuzubereiten, benötigst du drei Treseaux (ca. 11,5 g) feinen, vorbereiteten Zimt, ein oder zwei Treseaux (ca. 3,8-7,6 g) Muskatblüte, je nach Belieben, und einen halben Treseau (ca. 1,9 g) Nelken. Gib zudem sechs Unzen (ca. 183 g) feinen Zucker hinzu. Mahle alle Gewürze zu einem feinen Pulver. Fülle die gemahlenen Gewürze zusammen mit dem Wein in ein Seihtuch oder einen feinen Filter, der über einem Topf platziert ist. Lasse den Wein so lange durchseihen, bis er klar ist. Je öfter der Wein passiert wird, desto besser wird er, doch achte darauf, dass er dabei nicht sein Aroma verliert.
| Original | Modern / Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|
| trois treseaux de cynamome fine & paree | Drei Treseaux feiner, vorbereiteter Zimt (ca. 11,5 g) | - | - |
| vng treseau mesche ou deux qui veult | Ein oder zwei Treseaux Muskatblüte (ca. 3,8-7,6 g) | Bio-Laden, Gewürzhändler | Muskatnuss (gerieben) |
| demy treseau girofle | Ein halber Treseau Nelken (ca. 1,9 g) | - | - |
| graine de sucre fin six onces | 180 g feiner Zucker | - | - |
| le vin | 1 Pinte (ca. 0,95 l) Wein | - | - |
Hypocras ist ein berühmter Gewürzwein aus dem Mittelalter, der mit verschiedenen Gewürzen wie Zimt, Nelken und Muskatblüte aromatisiert wurde. Er wurde oft als festliches Getränk oder als Digestif serviert.
Ja, dieses Rezept ist sehr gut für die Lagerküche geeignet. Es erfordert lediglich das Mahlen der Gewürze, das Mischen mit Wein und das Passieren durch ein Tuch oder Sieb. Alle Zutaten sind gut lagerfähig.
Dieses Rezept stammt aus ‚Le Viandier de Taillevent‘, einem der wichtigsten mittelalterlichen Kochbücher Frankreichs. Es wird dem Koch Guillaume Tirel, genannt Taillevent, zugeschrieben und entstand um 1300, wobei es in späteren Jahrhunderten überarbeitet und ergänzt wurde.
›Treseau‹ entspricht einem Gros (französisch) bzw. Quentchen (deutsch) im Pariser Handelsgewicht (Poids de marc parisien): 1/8 Unze ≈ 3,82 g. Das lässt sich aus dem Rezept selbst ableiten: Die ebenfalls genannten sechs Onces Zucker ergeben 6 × 30,59 g ≈ 184 g - eine plausible Menge für einen Liter Wein. Für dieses Rezept bedeutet das: ca. 11,5 g Zimt, 3,8-7,6 g Muskatblüte und ca. 1,9 g Nelken.
Traditionell wurde für Hypocras oft ein kräftiger Rotwein verwendet, der die intensiven Gewürzaromen gut tragen konnte. Ein trockener bis halbtrockener Rotwein, wie ein Spätburgunder oder Merlot, eignet sich gut. Auch Weißwein kann verwendet werden, wenn du eine leichtere Variante bevorzugst.
Eine historische Maßeinheit, die Pariser Pinte entsprach etwa 0,95 Litern.
Historische Gewichtseinheit: 1 Treseau = 1 Gros (frz.) = 1 Quentchen (dt.) = 1/8 Unze ≈ 3,82 g im Pariser Handelsgewicht (Poids de marc parisien). Die sechs Onces Zucker im selben Rezept (6 × 30,59 g ≈ 184 g) bestätigen dieses Gewichtssystem. Für das Rezept ergibt sich: 3 Treseaux Zimt ≈ 11,5 g, 1 Treseau Muskatblüte ≈ 3,8 g, ½ Treseau Nelken ≈ 1,9 g.
Feiner und vorbereiteter Zimt. ‚Paree‘ kann ‚gereinigt‘, ‚geschält‘ oder ‚ausgesucht‘ bedeuten.
Muskatblüte, die äußere Hülle der Muskatnuss, die ein feineres, aromatischeres Gewürz liefert.
Nelken.
Feiner Zucker, oft in granulierter Form.
Ein Seihtuch, Sieb oder Filter zum Passieren von Flüssigkeiten.
Verliert sein Aroma, wird schal oder flach.
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
treseau
Gewählte Lesart: 1 Treseau = 1 Gros (frz.) / Quentchen (dt.) im Poids de marc parisien = 1/8 Unze ≈ 3,82 g.
Andere mögliche Lesart:
pinte
Gewählte Lesart: Pariser Pinte, umgerechnet auf ca. 0,95 Liter.
Andere mögliche Lesart:
graine de sucre fin
Gewählte Lesart: Feiner Zucker.
Andere mögliche Lesart:
mais que il ne soit esuente
Gewählte Lesart: Sei darauf bedacht, dass der Wein nicht sein Aroma verliert.
Andere mögliche Lesart:
Aus unseren ersten Übersetzungen. Dieses Rezept gehört zu unseren früh erschlossenen Texten und wird vielleicht noch einmal überprüft. Wir gehen die Rezepte gelegentlich erneut durch, wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen.
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