Besserer grober Honig zum Brot
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Um nun von einem besseren groben Honig zu sprechen als dem vorhergehenden für die Lebkuchenbäcker und andere Leute, um ihn auf Brot zu essen: Man schüttet die Masse aus den Tonnen, das eine mit dem anderen zusammen, in den Kessel und gibt ein wenig Wasser dazu. Man presst sie wie zuvor und stellt sie an kühle Orte, damit sie hart wird.
Dieser Honig ist besser und geeigneter als der erste grobe Honig, von dem wir gesprochen haben.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| uyt de tonnen | Honigmasse aus den Tonnen | - | - | - |
| een weynich water | Wasser | - | - | - |
Was ist das? Honiggewinnung, kein Küchenrezept: Clutius setzt den Eintrag „Honig aus Körben: Jungfernhonig und grober Honig“ voraus und ändert dessen Ablauf an einer Stelle.
Der Unterschied zum ersten groben Honig. Dort tropft zuerst der beste Honig von selbst ab, gepresst wird nur der Rest. Hier kommt der Tonneninhalt ungetrennt in den Kessel. Im Gespräch gleich danach fragt Clusius, warum man den guten mit dem schlechten Honig mischt, samt allen Bienen, dem Bienenbrot und der Brut. Clutius antwortet: damit die Menge größer wird, sonst presse man nicht so viel heraus. Bienenbrot und Brut vermehrten die Menge, verbesserten sie aber nicht. Warum dieser Honig besser ist als der erste grobe, sagt er nicht. Naheliegend, aber nur erschlossen: Der gute Honig bleibt in der Masse.
„Wie zuvor“. Der Verweis ergänzt, was hier fehlt: Im Vorgänger steht der Kessel über dem Feuer, das wenige Wasser soll Anbrennen und Austrocknen verhindern, man rührt, bis die Masse ganz warm ist, und presst sie in dicken gewebten Säcken kräftig aus. Dass auch hier so gewärmt wird, ist aus diesem Verweis geschlossen.
Praxis. Der Text nennt keine Menge, keine Wärme und keine Dauer. Heute würde man für einen kleinen Versuch Waben ohne Bienen und Brut nehmen, das ist eine moderne Abweichung und nicht Clutius' Verfahren.
Was bedeutet „wie zuvor“ pressen?
Clutius verweist auf den ersten groben Honig: Dort wird die Masse mit wenig Wasser unter Rühren über dem Feuer ganz warm gemacht und in dicken gewebten Säcken kräftig ausgepresst. Hier wiederholt er das nicht.
Warum ist dieser Honig besser als der erste grobe?
Das sagt Clutius nicht. Der Ablauf legt nahe, dass der gute Honig in der Masse bleibt, weil er nicht vorher abtropft. Das ist eine Schlussfolgerung, keine Aussage des Textes.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- tonnen
In diese Tonnen wurde der Honig samt Bienen, Waben und Brutwerk aus den Körben gestoßen.
- grover Honich
Grober Honig: bei Clutius der gepresste Honig, im Gegensatz zum von selbst abgetropften Jungfernhonig.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| een weynich water | water Q283 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vooꝛ de Coeckebackers/ ende ander lieden/ om op bꝛoot te eten
Gewählte Lesart: Die Übersetzung behält die Wortfolge bei. Der Brotgebrauch gehört wahrscheinlich zum besseren Honig, denn der Schlusssatz nennt ihn geeigneter, und der erste grobe Honig ist im Vorgänger nur für die Lebkuchenbäcker bestimmt.
Andere mögliche Lesarten:
- Auch der bessere Honig ist für die Lebkuchenbäcker und andere Leute bestimmt. - Grammatisch möglich, wenn „die vooꝛgaende“ dort endet.
- Der vorhergehende Honig war für die Lebkuchenbäcker und andere Leute, der bessere dient zum Essen auf Brot. - Möglich, aber der Vorgänger nennt nur die Lebkuchenbäcker.
het eene met het ander gelijc
Gewählte Lesart: Alles zusammen, ohne Trennen: Clusius fragt gleich danach, warum man den guten mit dem schlechten Honig mischt.
Andere mögliche Lesart:
- Das eine und das andere zu gleichen Teilen. - Von „gelijc“ her denkbar, aber der Text nennt keine abgemessenen Teile.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
