Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.)
Weißer Metheglin der Countess of Bullingbrook
Moderne Übersetzung
Nimm acht Gallonen Conduit-Wasser und koche es gründlich. Gib dann so viel Honig hinein, dass die Flüssigkeit ein Ei trägt, und rühre alles gut durcheinander. Setze es danach aufs Feuer und gib die Weißen von vier Eiern hinein, um es zu klären. Schöpfe den Schaum, wie er aufsteigt, sauber ab.
Gib dann eine ansehnliche Menge Rosmarin hinein und lass es kochen, bis es ein wenig danach schmeckt. Nimm den Rosmarin dann so rasch du kannst mit einem Schaumlöffel heraus und lass es eine halbe Viertelstunde kochen. Fülle es in irdene Schüsseln, damit es abkühlt.
Fülle es am nächsten Morgen in ein Fass und gib ein wenig Bierhefe und eine Unze Ingwer hinein, geschabt und in Scheiben geschnitten. Lass es einen Monat oder sechs Wochen stehen. Fülle es dann fest verschlossen auf Flaschen. Du musst unbedingt darauf achten, dass es überhaupt nicht in Messing steht.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| eight Gallons of Conduit-water | Conduit-Wasser | 8 Gallonen | - | Sauberes Leitungs- oder Quellwasser |
| as much Honey in it, as will bear an Egge | Honig | - | - | - |
| the whites of four Eggs | Eiweiß von 4 Eiern | 4 | - | - |
| a pretty quantity of Rosemary | Rosmarin | - | - | - |
| a little barm | Bierhefe | - | Online-Handel für Heimbrauer | - |
| an Ounce of Ginger scraped and sliced | Ingwer, geschabt und in Scheiben | 1 Unze | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Metheglin, also ein Met mit Kräuter- und Gewürzzusatz, hier nur mit Rosmarin und Ingwer. Das knappe Rezept führt vom Wasserkochen bis zur Flasche, nennt aber kein Honiggewicht.
Wasser zuerst. Das Wasser wird gut gekocht, bevor der Honig hineinkommt. Danach heißt es „set it upon the fire“: Der Kessel war zum Einrühren also wohl vom Feuer genommen, ausdrücklich steht das nicht da. Einen Grund für das Vorkochen nennt der Text nicht.
Die Eierprobe. Die Honigmenge ergibt sich allein aus der Probe. Anders als andere Rezepte Digbys nennt dieses keine Münzbreite, um die das Ei herausragen soll. Wie stark der Ansatz genau wird, bleibt also offen.
Klären und Abschäumen. Das Eiweiß kommt in den Sud auf dem Feuer und soll ihn klären. Der Schaum wird abgenommen, solange er aufsteigt. Ob das Eiweiß vorher geschlagen wird, sagt der Text nicht.
Der Rosmarin. Maßstab ist der Geschmack: Der Sud soll nur ein wenig danach schmecken, dann kommt das Kraut sofort heraus, und es folgt noch eine halbe Viertelstunde Kochen ohne Kraut. Digbys verwandtes „Another Meath“ lässt Rosmarin und Ingwer dagegen im Sud.
Hefe und Ingwer. Der Sud kühlt in irdenen Schüsseln bis zum nächsten Morgen, erst dann kommen Bierhefe und Ingwer dazu, beides im Fass. Die Hefemenge ist nur „a little“. Heute nimmt man dafür Ale-Hefe aus dem Brauerbedarf, das ist ein moderner Ersatz.
Praxis. Der Text sagt weder, ob das Fass während der Gärung offen bleibt, noch, ob vom Bodensatz abgezogen wird, noch, woran man das Ende der Gärung erkennt. Er nennt nur die Dauer und das feste Verschließen der Flaschen. Heute gilt: Gärt der Met beim Abfüllen noch, baut sich in fest verschlossenen Flaschen Druck auf. Kupferlegierungen meidet man heute für gärende Getränke ebenfalls, weil sie Metall abgeben können. Das ist heutiges Wissen, nicht Digbys Begründung.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/dig-009/
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