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Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby (The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c.)

London, 1669 · Frühneuenglisch (London 1669, Restaurationszeit), Rezeptsammlung des Naturphilosophen Sir Kenelm Digby (1603-1665) mit vielen namentlich genannten Gewährsleuten aus England und vom Festland (Lüttich, Antwerpen); Maße nach englischem Weinmaß (Gallon, Pottle, Quart)

Sir William Pastons Majoran-Lorbeer-Met

Moderne Übersetzung

Gib auf eine Gallone Wasser ein Quart Honig, etwa zehn Zweige Majoran und halb so viele Lorbeerspitzen. Koche das alles sehr gut zusammen, und wenn es kalt ist, fülle es auf Flaschen.

Es dauert zehn Tage, bis es trinkfertig ist.

Zutaten

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
a Gallon of water Wasser 1 Gallone - -
a quart of honey Honig 1 Quart - -
about ten sprigs of Sweet-Majoram etwa 10 Zweige Majoran 10 Zweige - -
half so many tops of Bays 5 Lorbeerspitzen (halb so viele wie Majoranzweige) 5 Zweige Gartencenter oder Kräuterhändler (frische Lorbeerzweige) Getrocknete Lorbeerblätter

Zubereitungshinweis

Was ist das? Ein kleiner Honig-Kräuter-Sud, der zweite Met von Sir William Paston im Buch (der erste: dig-030). Der Text besteht aus drei Schritten: kochen, erkalten lassen, abfüllen. Abschäumen, Kochdauer, Abseihen der Kräuter und Hefe erwähnt er nicht.

Mengen. Ein Teil Honig auf vier Teile Wasser, beides nach Raummaß. Der erste Paston-Met nimmt zehn Pints auf zehn Gallonen, also auf dieselbe Wassermenge halb so viel Honig.

Kochen. Honig, Wasser und Kräuter gehen zusammen in den Sud. In dig-030 kommen die Kräuter erst nach einer halben Stunde dazu. Eine Zeit nennt Digby nicht, das einzige Maß ist „very well“.

Die zehn Tage. Digby sagt nicht, was in dieser Zeit in der Flasche geschieht. Dieselbe Frist steht in dig-030, dort aber nach einer Gärung mit Bierhefe. Der gekochte Sud ist steril und bringt selbst keine Hefe mit. Wo Digby sonst keine Hefe nennt, kommt die Gärung aus dem Fass, aus der im Holz eingefahrenen Hefe eines immer wieder für Met oder Wein benutzten Fasses. Hier geht der Sud aber kalt gleich auf Flaschen, ein Fass kommt nicht vor.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

LesartZuckerSG (OG)°Oe°BrixAlkohol bis trocken
1 Quart Honig auf 1 Gallone Wasser (1 : 4), Einkochen nicht beziffert247-381 g/l1,096-1,14796-14722,8-33,714,7-22,6 %

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser stehen im selben Maßsystem (ein Quart ist ein Viertel Gallone), die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Digby beziffert das Einkochen nicht, das einzige Maß ist „very well“; die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind Majoran und Lorbeerspitzen.

Praxis. Wer heute nachbraut, setzt Hefe zu, ohne ein eingefahrenes Fass Weinhefe; das ist moderne Praxis und steht nicht im Text. Heutiger Hinweis, nicht bei Digby: Gärt der Met in der verschlossenen Flasche, bildet sich Kohlensäure, die nicht entweichen kann, und es baut sich Druck auf. Gewöhnliche Flaschen können dabei platzen. Man nimmt druckfeste Flaschen (Bügel- oder Sektflaschen), lagert sie kühl und öffnet sie vorsichtig.

fyndling.de/rezepte/dig-031/