Sir William Pastons Majoran-Lorbeer-Met
The Closet of the Eminently Learned Sir Kenelme Digbie Kt. Opened: Whereby is Discovered Several ways for making of Metheglin, Sider, Cherry-Wine, &c. Together with Excellent Directions for Cookery: As also for Preserving, Conserving, Candying, &c. · London · 1669
Gib auf eine Gallone Wasser ein Quart Honig, etwa zehn Zweige Majoran und halb so viele Lorbeerspitzen. Koche das alles sehr gut zusammen, und wenn es kalt ist, fülle es auf Flaschen.
Es dauert zehn Tage, bis es trinkfertig ist.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a Gallon of water | Wasser | 1 Gallone | - | - |
| a quart of honey | Honig | 1 Quart | - | - |
| about ten sprigs of Sweet-Majoram | etwa 10 Zweige Majoran | 10 Zweige | - | - |
| half so many tops of Bays | 5 Lorbeerspitzen (halb so viele wie Majoranzweige) | 5 Zweige | Gartencenter oder Kräuterhändler (frische Lorbeerzweige) | Getrocknete Lorbeerblätter |
Was ist das? Ein kleiner Honig-Kräuter-Sud, der zweite Met von Sir William Paston im Buch (der erste: dig-030). Der Text besteht aus drei Schritten: kochen, erkalten lassen, abfüllen. Abschäumen, Kochdauer, Abseihen der Kräuter und Hefe erwähnt er nicht.
Mengen. Ein Teil Honig auf vier Teile Wasser, beides nach Raummaß. Der erste Paston-Met nimmt zehn Pints auf zehn Gallonen, also auf dieselbe Wassermenge halb so viel Honig.
Kochen. Honig, Wasser und Kräuter gehen zusammen in den Sud. In dig-030 kommen die Kräuter erst nach einer halben Stunde dazu. Eine Zeit nennt Digby nicht, das einzige Maß ist „very well“.
Die zehn Tage. Digby sagt nicht, was in dieser Zeit in der Flasche geschieht. Dieselbe Frist steht in dig-030, dort aber nach einer Gärung mit Bierhefe. Der gekochte Sud ist steril und bringt selbst keine Hefe mit. Wo Digby sonst keine Hefe nennt, kommt die Gärung aus dem Fass, aus der im Holz eingefahrenen Hefe eines immer wieder für Met oder Wein benutzten Fasses. Hier geht der Sud aber kalt gleich auf Flaschen, ein Fass kommt nicht vor.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 Quart Honig auf 1 Gallone Wasser (1 : 4), Einkochen nicht beziffert | 247-381 g/l | 1,096-1,147 | 96-147 | 22,8-33,7 | 14,7-22,6 % |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: Honig und Wasser stehen im selben Maßsystem (ein Quart ist ein Viertel Gallone), die Frage nach der Größe der Gallone kürzt sich daher heraus. Digby beziffert das Einkochen nicht, das einzige Maß ist „very well“; die Rechnung setzt deshalb einen Einkochverlust von 15-40 % an, der die Spanne erzeugt. Nicht eingerechnet sind Majoran und Lorbeerspitzen.
Praxis. Wer heute nachbraut, setzt Hefe zu, ohne ein eingefahrenes Fass Weinhefe; das ist moderne Praxis und steht nicht im Text. Heutiger Hinweis, nicht bei Digby: Gärt der Met in der verschlossenen Flasche, bildet sich Kohlensäure, die nicht entweichen kann, und es baut sich Druck auf. Gewöhnliche Flaschen können dabei platzen. Man nimmt druckfeste Flaschen (Bügel- oder Sektflaschen), lagert sie kühl und öffnet sie vorsichtig.
Wird für diesen Met Hefe gebraucht?
Digby nennt keine. Im Text stehen nur Honig, Wasser, Majoran und Lorbeer, die zusammen gekocht werden. Er sagt, es dauere zehn Tage, bis der Met trinkfertig ist, und beschreibt nicht, was in dieser Zeit in der Flasche geschieht. Der erste Met von Sir William Paston (dig-030) nennt Bierhefe ausdrücklich; hier fehlt sie.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Laut Digby dauert es zehn Tage, bis der Met trinkfertig ist. Das lässt sich im Lager nicht verlässlich führen. Als Getränk lässt er sich höchstens vorab ansetzen und fertig mitbringen.
Worin unterscheidet er sich vom ersten Met von Sir William Paston?
Der erste (dig-030) nimmt zehn Pints Honig auf zehn Gallonen, dazu Rosmarin, Lorbeerblätter und Zitronenschale, und gärt mit Bierhefe. Dieser nimmt ein Quart Honig auf eine Gallone, also auf dieselbe Wassermenge doppelt so viel, dazu Majoran und Lorbeerspitzen, und nennt keine Hefe.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus „Das geöffnete Kabinett des Sir Kenelm Digby“ (London). Posthum 1669 gedruckte Rezeptsammlung von Sir Kenelm Digby: zuerst rund hundert Met- und Metheglin-Rezepte, dazu Ale, Cider und Fruchtweine, danach Speisen, Eingemachtes und Konfekt. Viele Rezepte nennen, von wem Digby sie hat.
- Gallon
Englisches Hohlmaß, deutsch Gallone. Digby sagt nicht, welche Gallone er meint: Die Weingallone fasste rund 3,8 Liter, die Ale-Gallone rund 4,6 Liter. Hier kürzt sich das heraus, weil Honig und Wasser im selben Maß stehen.
- tops of Bays
Die Triebspitzen des Lorbeers, also junge Zweigenden mit Blättern.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| a Gallon of water | water Q283 |
| a quart of honey | honey Q10987 |
| about ten sprigs of Sweet-Majoram | marjoram Q22694 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
Gärung ohne genannte Hefe
Gewählte Lesart: Der Text nennt keinen Zusatz; so bleibt es in der Übersetzung. Die zehn Tage werden als Wartezeit wiedergegeben, ohne eine Gärung zu behaupten.
Andere mögliche Lesarten:
- Zugesetzte Bierhefe wie im ersten Paston-Met („work it up with yest, as you do Beer“, dig-030). - Dort steht dieselbe Frist von zehn Tagen auf der Flasche. Hier ist sie aber nicht genannt, deshalb nicht ergänzt. Wer heute nachbraut, setzt meist Hefe zu.
- Kein Gären, nur Durchziehen der Kräuter in der Flasche. - Das Wort „Meathe“ und die Wartezeit sprechen eher für ein Getränk, das sich in der Flasche noch verändert; ausgeschlossen ist es vom Text nicht.
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Stand dieser Fassung: 31.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
