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Kölner Küchenmeisterei (Köln, Historisches Archiv der Stadt Köln, Best. 7004, 27)

Westmitteldeutscher/ripuarischer Sprachraum (Entstehungsort unbekannt); Handschrift heute Historisches Archiv der Stadt Köln, 2. Hälfte 15. Jh. oder 16. Jh. (umstritten) · Frühneuhochdeutsch (ripuarisch/westmitteldeutsch, Köln) - Datierung umstritten: Menne (1931/1937) 2. Hälfte 15. Jh., Finger et al. (1993) 16. Jh. ohne Begründung; Wasserzeichen/Inhalt liefern laut TEI keine sichere Datierung

Wermutwein der Ungarn (Gesundheitshinweis)

Moderne Übersetzung

Der Gebrauch von Wermutwein ist bei den Ungarn verbreitet, dort wo die Luft wegen der Menge der Gewässer häufig von Nebel verunreinigt wird. Viele von ihnen werden durch den häufigen Genuss dieses Weins gesund, und so weiter.

Zutaten

OriginalModernMengeWo kaufenAlternative
vini absintici Wermutwein - Gut sortierter Kräuterhandel, Online-Gewürzhandel Fertiger Wermut/Vermouth aus dem Spirituosenhandel als moderne Annäherung

Zubereitungshinweis

Was ist das?

Kein Kochrezept, sondern ein kurzer lateinischer Merksatz zur Gesundheit: warum die Ungarn häufig Wermutwein trinken. Wermutwein ist Wein, der mit dem bitteren Kraut Wermut (Artemisia absinthium) angesetzt wurde - der historische Vorläufer des heutigen Vermouth (ein moderner Produktname, im Text selbst nicht belegt). Grundlage ist ausdrücklich Wein.

Warum ausgerechnet die Ungarn?

Der Text nennt den Grund selbst: In wasserreichen Gegenden sei die Luft häufig von Nebel verunreinigt. Die Grammatik ist an dieser Stelle in der Handschrift selbst gestört - "crebris" und "nebulum" passen im Kasus nicht zueinander -, das gehört benannt und wurde nicht stillschweigend geglättet. Dahinter steht die mittelalterliche Miasma-Vorstellung: schlechte, nebelige Luft in sumpfigen Landschaften galt als Krankheitsursache. Der Solothurner Küchenmeisterei-Zwilling so1-135 bestätigt diese Lesart wörtlich ("vngern", "fil nebel") und schließt eine alternative Deutung von "nebulum" als "Trug/Täuschung" aus.

Heilung oder tägliche Kräftigung?

Die Handschrift schreibt dem Wein zu, dass viele Menschen durch dessen häufigen Genuss gesund würden. Offen bleibt, ob das als Kur einer bestehenden Krankheit gemeint ist oder als tägliche Kräftigung einer ohnehin robusten Bevölkerung. Der deutschsprachige Zwilling so1-135 formuliert es eher als Zustandsbeschreibung ("die Leute sind kräftig und gesund"), was für die zweite Lesart spricht - entschieden ist das nicht.

Historische Einordnung.

Das ist eine historische Glaubensaussage der Quelle, kein Wirksamkeitsnachweis. Wermut enthält Thujon; in einem gewöhnlichen Wein-Ansatz ist das unbedenklich, bei dauerhaft hoher Dosierung gilt es als neurotoxisch belastet - der Text selbst nennt aber keine Menge, sondern nur häufigen Gebrauch als Praxis. Aus diesem Eintrag folgt keine Trink- oder Dosierungsempfehlung.

fyndling.de/rezepte/k1-170/