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Reichenauer Kochbuch (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Aug. pap. 125 (Ka1))

Südwestdeutschland (Reichenau/Bodensee), 15. Jh. · Frühneuhochdeutsch (alemannisch, südwestdeutsch, 15. Jh.)

Bärenkopf mit Pfeffersauce

Moderne Übersetzung

Nimm einen Bärenkopf und senge ihn sehr gut ab. Zerlege ihn und siede ihn sehr gut. Lege ihn auf einen Rost und brate ihn sehr gut. Bestreue ihn mit Gewürz. Und wenn du ihn servieren willst, so gib eine schwarze Pfeffersauce dazu.

Zutaten

OriginalModern / MengeWo kaufenAlternative
berenkopf 1 Bärenkopf ⚠ Bären sind in Europa streng geschützt und nicht legal erhältlich. Dieses Rezept ist ein historisches Dokument, kein Nachkochvorschlag. Ein großer Schweinekopf oder Wildschweinkopf vom Metzger, oder ein Lammkopf für eine kleinere Variante.
gewurtz Gewürzmischung gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel Pfeffer, Ingwer, Galgant, Nelken, Muskatblüte, Zimt
ain schwartzen pfeffer Schwarze Pfeffersauce - Eine dunkle, würzige Sauce auf Basis von Brot, Essig und Gewürzen

Zubereitungshinweis

Welches Gericht ist das? Ein ganzer Bärenkopf wird gesengt, zerlegt, gesotten und anschließend auf dem Rost fertiggebraten, mit Gewürz bestreut und mit einer dunklen Pfeffersauce serviert. Diese Doppelgar-Technik - erst sieden, dann rösten/grillen - ist dieselbe Methode, die bis heute bei traditionellen Wildschweinkopf-Gerichten der Landküche und in der modernen Nose-to-Tail-Küche zu finden ist.

Die Zubereitungsschritte im Einzelnen. Das Sengen entfernt Haare und Borsten von der Kopfhaut. Das Zerlegen ('von enander schlagen') verkleinert den Kopf, damit er in den Kessel passt und gleichmäßiger gart. Das anschließende gründliche Sieden macht das knorpel- und knochenreiche Kopffleisch zart, bevor die trockene Hitze des Rostes die Oberfläche bräunt. Diese Sieden-vor-Rösten-Abfolge findet sich im Korpus bei mehreren Kopf- und Sülzgerichten wieder.

Was ist 'schwartzen pfeffer'? Trotz des Namens ist damit kein gemahlenes Gewürz gemeint, sondern eine eigene Saucenkategorie: eine dunkle, meist mit geröstetem Brot gebundene Sauce, die im Korpus unter genau diesem Stichwort mehrfach als eigenständiges Rezept auftaucht und traditionell zu Wildbret gereicht wurde.

Praxis. Eine nahezu wortgleiche Fassung dieses Rezepts findet sich im Kochbuch Cgm 384 - dort fehlt der Zerlege- und Siede-Schritt vor dem Rösten, dafür wird der Kopf beim Rösten mit heißem Schmalz übergossen. Ka1-025 selbst erwähnt diese Fett-Übergießung nicht; wer den Kopf nur trocken auf dem Rost röstet, sollte mit einer trockeneren, weniger stark gebräunten Oberfläche rechnen als bei der geschmalzten Variante - das ist keine Übersetzungslücke, sondern eine echte Variante zwischen den beiden Textzeugen. Mit legalem Ersatz (Schweine- oder Wildschweinkopf) lässt sich die Abfolge sengen - zerlegen - sieden - rösten - würzen 1:1 nachvollziehen; für den Kopf allein sollte mit mehreren Stunden Sied- und Röstzeit sowie einem großen Kessel und einer Feuerstelle mit Rost gerechnet werden.

fyndling.de/rezepte/ka1-025/