Haus- und Arzneibuch (Ka2) (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793)
Wildschweinkopf (nur Titelzeile)
Moderne Übersetzung
Von diesem Rezept ist nur der Titel überliefert: ein Wildschweinkopf, gefolgt von einem abkürzenden 'usw.'. Eine tatsächliche Zubereitungsanweisung, Mengenangabe oder Würzung nennt die Handschrift an dieser Stelle nicht. Es ist daher nicht möglich, aus diesem Eintrag eine vollständige Kochanleitung zu rekonstruieren, ohne Zutaten oder Schritte frei zu erfinden.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| wilden sweins choppf | Wildschweinkopf | - | Wildhändler, Metzger mit Wildangebot | - |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Von diesem Eintrag ist nur die Titelzeile überliefert: „Ein Wildschweinkopf usw.“ Ein eigener Zubereitungstext fehlt. Die Formel „eines wilden Schweins Kopf“ ist im Korpus aber kein Einzelfall - sie deckt sich fast wörtlich mit dem Rezeptanfang eines vollständig überlieferten Flammen-Schaugerichts (Wildschweinkopf, gefüllt und beim Auftragen entzündet, sodass grüne und blaue Flammen aus Maul und Nüstern schlagen), das seinerseits einen bereits bekannten Zwillingstext in einer weiteren Handschrift hat. Das knappe „usw.“ am Ende legt nahe, dass hier ein andernorts bekanntes Gericht dieser Art nur stichwortartig aufgerufen wurde, statt es auszuschreiben - ob tatsächlich genau diese Flammen-Zubereitung gemeint war oder eine andere Kopf-Zubereitung unter derselben Kurzformel stand, lässt sich aus dem Ka2-Text selbst nicht mehr feststellen.
Eine lebende Nachfahrenschaft ist nicht eindeutig. Das vermutete Flammen-Schaugericht hat kein direktes modernes Pendant, entfernte Verwandtschaft besteht allenfalls zu heutigen Flambier-Schaustücken. Näher an heutiger Küche liegt eine andere, nüchternere Kopf-Zubereitung aus demselben mittelbairischen Sprachraum: Presskopf beziehungsweise Sülze, bei der der Kopf gesiedet, entbeint, gehackt und in der eigenen Schwarte kalt gepresst wird - ein anderer Gerichttyp als das vermutete Schaugericht, aber die naheliegendere lebende Verwandtschaft von Schweinskopf-Gerichten allgemein.
Praxis. Aus dem Ka2-Text selbst lässt sich kein Kochschritt ableiten - hier gibt es nichts nachzukochen, ohne Zutaten oder Vorgehen frei zu erfinden. Wer das vermutlich gemeinte Flammen-Schaugericht ausprobieren möchte, findet dessen vollständige Anleitung in einer anderen Handschrift desselben Korpus; sie wird an dieser Stelle bewusst nicht als Verfahren dieses Eintrags übernommen.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ka2-039/
fyndling.de/rezepte/ka2-039/