Haus- und Arzneibuch (Ka2) (Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Cod. Donaueschingen 793)
Süßes Mus aus Eiergebäck
Moderne Übersetzung
Ziehe einen Teig mit sechs Eiern ab.
Backe diesen Teig wie Strauben (frittiertes Schmalzgebäck) und hacke ihn anschließend klein. Siede das gehackte Gebäck in einem heißen Wein und mache es dann mit Honig und Gewürz ab.
Zutaten
| Original | Modern | Menge | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| vj aiern | Eier | 6 | - | - |
| (implied: Mehl für Straubenteig) | Weizenmehl | - | - | - |
| einem haissen wein | Heißer Wein | - | - | Weißwein oder Rotwein, je nach Geschmack |
| honig | Honig | - | - | - |
| gewurcz | Gewürze | - | gut sortierter Supermarkt, Online-Gewürzhandel | Eine Mischung aus Zimt, Ingwer und Nelken |
| Schmalz oder Öl (implied for frying) | Schmalz oder Öl | - | - | Pflanzenöl zum Frittieren |
Zubereitungshinweis
Welches Gericht ist das? Ein kleingehacktes, ausgebackenes Eierteig-Gebäck nach Art der Strauben, das anschließend in einem gewürzten Wein-Honig-Sud gesotten wird - eine Zwischenform aus Süßspeise und Trinksuppe. Die Strauben-Komponente selbst ist eine frühe Vorstufe von Krapfen und Auszogenen. Als lebende Verwandte lässt sich am ehesten eine Weinsuppe mit Gebäckeinlage nennen; entfernter verwandt sind Ofenschlupfer und Scheiterhaufen, die nach demselben Prinzip Gebäck in einer süßen Flüssigkeit weichkochen.
Der Text nennt das Ergebnis selbst ‚ein gemus‘ - im Mittelalter ein Oberbegriff für gekochte, breiige Speisen, nicht die moderne pflanzliche Beilage. Das passt zur beschriebenen Konsistenz: Erst wird knuspriges Gebäck gebacken, dann klein gehackt und im Wein weichgekocht, bis eine musartige, weiche Masse entsteht.
Praxis. Für den Teig braucht es neben den sechs Eiern zusätzlich Mehl, um ihn zu Strauben verarbeiten zu können - der Text nennt keine Menge, in der Praxis bewährt sich etwa 200-250 g Mehl auf sechs Eier für einen streichfähigen Teig. Der Teig wird wie Strauben (durch einen Trichter oder löffelweise) in heißem Schmalz oder Öl ausgebacken, bis er durchgegart und knusprig ist - erst dieses Durchbacken macht ihn anschließend hackbar. Das ausgebackene Gebäck klein hacken und in heißem Wein sieden, bis es weich durchzieht und Wein-Aroma annimmt; erst dieser Schritt macht aus dem Gebäck ein ‚Mus‘. Am Ende mit Honig und Gewürz abschmecken - Menge und Siededauer sind im Text nicht genannt und bleiben Geschmackssache.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/ka2-053/
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