Rezeptbuch der Sarah Longe (Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425)
Ale-Trank für Frauen, die zu Fehlgeburten neigen
Moderne Übersetzung
Ein Mittel für Frauen, die zu Fehlgeburten neigen.
Nimm etwa 1 bis 2 l (ein oder zwei Quart) starkes Ale, etwa 450 g (ein Pfund) Korinthen und etwa 30 g (eine Unze) Muskatnüsse und stich die Muskatnüsse rundum voller Löcher. Nimm dazu das Rückenmark von zwei Ochsen, eine Handvoll Katzenminze, eine Handvoll Gauchheil und eine Handvoll Muskatellersalbei und koche alles zusammen, bis etwa 0,5 l (ein Pint) verkocht ist.
Zerquetsche die Korinthen und das Rückenmark der Ochsen, gib sie wieder hinein und koche es noch einmal. Dann trinke es morgens und abends gewärmt.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| a quart or 2 of stronge Aile | etwa 1 bis 2 l (ein oder zwei Quart) starkes Ale | - | - | - |
| a pound of Currence | etwa 450 g (ein Pfund) Korinthen | 450 g | - | - |
| an ounce of Nutmegg's, and prick them full of holes | etwa 30 g (eine Unze) Muskatnüsse, rundum angestochen | 30 g | - | - |
| pith of 2 oxen | Rückenmark von zwei Ochsen | 2 Stück | - | - |
| one handfull of Nipp | eine Handvoll Katzenminze | 1 Handvoll | - | - |
| an handfull of Pimpernell | eine Handvoll Gauchheil | 1 Handvoll | - | - |
| one handfull of Clary | eine Handvoll Muskatellersalbei | 1 Handvoll | - | - |
Zubereitungshinweis
Was ist das? Ein Trank aus der Hausapotheke für Frauen, die zu Fehlgeburten neigen: Starkes Ale wird mit Korinthen, angestochenen Muskatnüssen, Ochsenrückenmark und drei Kräutern ausgekocht und morgens und abends warm getrunken.
Rückenmark, nicht Knochenmark. Pith ist hier das Mark der Wirbelsäule. Ludwigs englisch-deutsches Wörterbuch von 1706 erklärt pith als „das marck eines rückenstückes oder baumes“. Der folgende Eintrag des Buchs (lon-038) nimmt wieder „the Pith of an Ox“.
Einkochen und Zerquetschen. Das Endzeichen ist „till a pint be boyled away“: Gekocht wird, bis ein Pint der Flüssigkeit verkocht ist. Wie viel Sud übrig bleibt, sagt die Handschrift nicht; das hängt davon ab, ob ein oder zwei Quart Ale genommen werden. Danach kommen Korinthen und Mark zerquetscht in den Sud zurück, und er wird ein zweites Mal gekocht.
Die Kräuter. Nipp ist die Katzenminze (Ludwig: „katzennept, katzenkraut“). Pimpernell ist in den englischen Kräuterbüchern der Zeit der Gauchheil; Ludwig setzt Bibernelle, die Deutung bleibt offen. Clary ist der Muskatellersalbei.
Einordnung. Der Trank zeigt, wie ein Haushaltsbuch Frauenheilkunde aus Ale, Kräutern, Gewürz und tierischem Mark zusammensetzte; die Wirkung ist der Anspruch der Überschrift, keine Tatsache, und der Eintrag ist als historisches Dokument wiedergegeben, nicht als Anleitung. Eine Unze Muskatnuss ist eine große Menge, und Muskatnuss ist in größerer Menge giftig; auch der Gauchheil gilt als giftig. Der Sud ist auf Ale gekocht und enthält Alkohol.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/lon-037/
fyndling.de/rezepte/lon-037/