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Zweites Mittel gegen Fehlgeburt: Ale mit Beinwell und Ochsenmark

Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425 · England · 1610

RezeptSonstigesLesartViel InterpretationsspielraumEinfachKorrekturBearbeitungsstand 8/10
BuchRezeptbuch der Sarah Longe (~1610)

Noch ein Mittel zum selben Zweck.

Nimm ein wenig Muskatellersalbei, ein wenig Beinwell, ein wenig Vogelknöterich und das Rückenmark eines Ochsen. Koche dies in etwa 1 l (einem Quart) Ale, bis die Hälfte eingekocht ist, dann seihe es ab.

Nimm jeden Morgen ein Schüsselchen voll davon, dicke es mit einem Ei an und gib etwas Zimt und Zucker hinein.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
a little Clary Clary - - -
a little Comfery Comfery - - -
a little knott grass knott grass - - -
the Pith of an Ox Pith of an Ox 1 Stück - -
a quart of Aile a quart of Aile 1 l - -
an Egg an Egg 1 Stück - -
some Cinamon Cinamon - - -
sugar sugar - - -

Was ist das? Ein zweites Mittel für Frauen, die zu Fehlgeburten neigen. Die Überschrift „Another for the same Remedy“ schließt an das unmittelbar vorangehende Rezept an (lon-037), das denselben Zweck nennt und ebenfalls Ale, Muskatellersalbei und Ochsenrückenmark verwendet. Hier wird ein Absud eingekocht und als tägliche Morgengabe genommen.

Rückenmark. „Pith“ übersetzt Ludwig (1706) mit dem Mark eines Rückenstücks; dasselbe Buch schreibt an anderer Stelle ausdrücklich „the inward pith of the backe“ (lon-063). Gemeint ist das Rückenmark, nicht das Knochenmark der Röhrenknochen, das „marrow“ heißt.

Die Kräuter. Zwei der Zutaten verband die Zeit mit dem Rücken: Cogans Haven of Health (1636) nennt Clary „very good for the back“, und für Beinwell verzeichnet Britten die alten Volksnamen Knit-back und Backwort. Das Buch selbst setzt Vogelknöterich und Rückenmark auch in ein Pulver für einen schwachen Rücken (lon-063). Ob die Handschrift diesen Zusammenhang hier im Sinn hatte, sagt sie nicht.

Einordnung. Der Eintrag dokumentiert, wie ein Haushaltsbuch des 17. Jahrhunderts einer drohenden Fehlgeburt mit einem täglichen Morgentrank zu begegnen suchte; er ist kein Rat für heute. Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können, und wird hier innerlich als Absud genommen.

Wogegen sollte das Mittel helfen?

Die Überschrift verweist auf das vorangehende Rezept, ein Mittel „for such as are subiect to miscarry“, also für Frauen, die zu Fehlgeburten neigen. Das ist der Anspruch der Handschrift, keine belegte Wirkung.

Kann man das heute nehmen?

Nein. Der Eintrag ist ein historisches Dokument der Hausapotheke und keine Anleitung zur Selbstbehandlung.

Ist das etwas für die Lagerküche?

Nein. Es ist eine Arznei, keine Speise, und wir geben keine Anleitung zur Selbstmedikation.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Rezeptbuch der Sarah Longe (17. Jh., Nachträge bis 18. Jh., England). Das handschriftliche Haushaltsbuch, das Mrs Sarah Longe im 17. Jahrhundert anlegte, vollständig in seinen drei Schichten: Longes Hauptteil mit eigenem Register (Eingemachtes, Biskuits und Kuchen, Cremes und Possets, einige Fleisch- und Fischgerichte, ein Metheglin und ihre Heilmittel), Nachträge späterer Hände des 17. Jahrhunderts mit Salben, Kräuter-Ales, Obstweinen, China Ale und Usquebaugh, und Spätnachträge des 18. Jahrhunderts mit Weinen, Gelees, Cremes und Kuchen.

Another for the same Remedy. Take a little Clary, a little Comfery, a little knott grass, the Pith of an Ox. boyle these in a quart of Aile, till halfe be wasted, then straine it, and take every Morning a Poringer full of it, and thicken it with an Egg, and put in it some Cinamon & sugar.
Another for the same Remedy

Verweis auf das vorangehende Rezept (lon-037), überschrieben „A remedy for such as are subiect to miscarry“: ein Mittel für Frauen, die zu Fehlgeburten neigen. Das ist der Zweck, den die Handschrift beiden Mitteln zuschreibt.

Poringer

Porringer, nach Ludwig (1706) ein „tieffes schüsselgen“; „a porrenger-full“ ist dort „ein schüsselgen voll“. Wie viel es fasste, sagt der Text nicht.

Handschrift
Rezeptbuch der Sarah Longe, Folger Shakespeare Library MS V.a.425
Teil
Hauptteil: Sarah Longes Rezeptbuch mit Register (S. 1–49)
Sprache
Frühneuenglisch, englische Haushaltshandschrift des 17. Jahrhunderts mit Nachträgen bis ins 18. Jahrhundert; Mrs Sarah Longe und spätere Hände
Entstehung
England, 1610

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

an Eggchicken egg Q15260613
some Cinamoncinnamon Q28165
sugarunrefined cane sugar Q57656231

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartthe Pith of an Ox

Gewählte Lesart: Rückenmark eines Ochsen: Ludwig (1706) gibt „Pith“ als „das marck eines rückenstückes“, und das Buch schreibt in lon-063 „the inward pith of the backe of a young bullock“.

Andere mögliche Lesart:

  • Knochenmark aus den Röhrenknochen - Das hieß „marrow“; für „pith“ beim Tier gibt es keinen Beleg in diesem Sinn.

Originalwerk (~1610) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 127519, Folger Shakespeare Library, MS V.a.425 Quelle öffnen
Transkription
Folger Shakespeare Library, Lesetext (EMROC) der Handschrift V.a.425 Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/lon-038
LagerkücheLagerküche
Arznei, keine Anleitung zur Selbstmedikation.
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Stand dieser Fassung: 06.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.