Met-Rezepte von 1350 bis 1682, nah am Original übersetzt, und wie man danach braut.
Hier steht, was du vor dir hast, wenn du ein altes Metrezept liest, und was die Hefe von damals tatsächlich konnte. Die Rezepte stammen aus deutschen, französischen, niederländischen und englischen Handschriften und Drucken. Lies das, bevor du eines davon braust.
Ein heutiges Rezept gibt dir Ansatzgröße, Zieldichte, Nährstoffplan und Hefe. Diese hier nicht. Du bekommst, was Koch oder Kellermeister vor Jahrhunderten aufgeschrieben haben: die Verhältnisse, die Arbeitsschritte, die seltsamen Details und die Lücken. Unsere Deutung steht getrennt daneben, in der Zubereitung und bei den Lesarten.
Warum nicht einfach modernisieren? Weil du, sobald du einsetzt, was der Autor gemeint haben könnte, verlierst, was er geschrieben hat. Eine veröffentlichte moderne Fassung des Würzburger Mets hat stillschweigend Apfel- und Traubensaft dazugenommen und Hopfen und Salbei weggelassen, die eindeutig im Text stehen. Ein Artikel im EXARC Journal (Stull 2017) nannte das Umdeutung statt Edition.
Der moderne Weg. Nimm die Verhältnisse, rechne sie auf deine Ansatzgröße um und brau mit allem, was du sonst auch nimmst: eine Hefe, der du vertraust, ein Nährstoffplan, ordentliche Hygiene, ein Hydrometer. So findest du am einfachsten heraus, wie ein gehopfter Salbeimet aus dem 14. Jahrhundert schmeckt.
Der historische Weg. Der Fachbegriff ist experimentelle Archäologie: Du arbeitest, so weit es geht, mit Zutaten, Methoden und Gerät der Zeit. Roher oder nur leicht geseihter Honig, die genannten Kräuter, keine Nährstoffe, ein Holzgefäß, Hefe so, wie sie sie bekamen, und die Hand statt des Thermometers. Das ist langsamer und weniger berechenbar. Schreib mit, was du gemacht und gemessen hast und was schiefging, dann nützt es auch dem Nächsten.
Die meisten landen irgendwo dazwischen. Sag nur dazu, welchen Weg du gegangen bist, wenn du Ergebnisse teilst.
Geschrieben wurden sie für Leute, die jedes Jahr Met oder Wein machten. Was ein Profi für selbstverständlich hält, lassen sie weg.
Hier liegen die meisten daneben. Die übliche Annahme: Damals wusste niemand etwas von Hefe, also war alles eine wilde Gärung, die bei 5 % stecken blieb und jedes zweite Mal sauer wurde. Die Rezepte sagen etwas anderes. Mehrere stellen ganz bewusst an:
Dass Hefe ein Lebewesen ist, wussten sie nicht. Aber sie wussten genau, dass der Schaum einer laufenden Biergärung den Met in Gang bringt und dass ein Gefäß, das schon gegoren hat, wieder gärt. Die Bärme aus dem Brauhaus war eine Bierhefe, am Leben gehalten durch ständiges Weiterführen: das mittelalterliche Gegenstück zu einem Hausstamm.
Und die Rezepte, die gar keine Hefe nennen? Die gären im Fass. Das Holz eines immer wieder benutzten Fasses hält seine Hefe fest, und diese Population ist über die Jahre ohne Absicht auf Gärkraft ausgelesen. Das ist unsere Deutung, sie steht nicht in den Texten. Eine echte Abwarten-Gärung mit wilder Flora gibt dagegen früh auf und lässt Zucker übrig, und ein gekochter Ansatz, der nur auf die Luft wartet, kommt schlecht in Gang.
Was das für dich heißt. Auf dem historischen Weg stellst du an wie damals: Bärme von einer laufenden Biergärung, ein Starter aus einem Gefäß, das schon gegoren hat, oder Sauerteig, wo das Rezept es zulässt. Auf dem modernen Weg ist eine kräftige Ale- oder Weinhefe ein guter Ersatz.
| Was im Rezept steht | Wie wir es heute nennen |
|---|---|
| Wasser zugeben, bis ein Ei schwimmt | Dichte messen, das Ei ist das Hydrometer |
| Anstellen, wenn man die Hand gerade noch darin erträgt | Anstelltemperatur |
| Den Schaum einer laufenden Gärung nehmen, oder einen Starter mit Haube | Eine Hefekultur weiterführen |
| In einem Fass vergären, das schon gegoren hat | Ansässige Kellerhefe |
| Jeden Abend auffüllen, dann von der Hefe abziehen | Luft fernhalten, vom Hefesatz holen |
Nichts davon wurde als Theorie aufgeschrieben. Es steckt in den Arbeitsschritten.
OG steht für Original Gravity, die spezifische Dichte des Mosts vor der Gärung. Die Werte stehen nicht in den Texten. Gerechnet aus den Verhältnissen von Honig zu Flüssigkeit, als grobe Richtung und ohne Messung an einem Ansatz. Die Werte der älteren Rezepte und die Spannen der neueren stammen aus zwei verschiedenen Rechnungen, die neueren geben Bandbreiten für Honigdichte und Zuckergehalt an.
| Rezept | Verhältnis im Text | Grobe OG |
|---|---|---|
| Met mit Hopfen und Salbei | 1 Honig : 2 Wasser, dann gesotten | 1.140 oder höher |
| Edler Met | 1 Honig : 2 Wasser, um ein Drittel eingekocht | um 1.210 |
| Gehopfter roter Met | 1 Honig : 3 Wasser | um 1.105 |
| Bochet, zweites Rezept | 1 Honig : 3 Wasser, um ein Zehntel eingekocht | um 1.120 |
| Met mit Eiprobe | Wasser, bis ein Ei herausschaut | grob 1.070 bis 1.100 |
| Met mit Muskat und Zimt | etwa 1 Honig : 12 Wasser | um 1.040 |
| Met mit Rosen und Lorbeerbeeren | 1 Honig : 6 Wasser, plus Honig für die Farbe | 1.060 oder etwas höher |
| Clutius, zweiter Met | 10 Honig : 90 Wasser, auf 80 eingekocht | 1.051 bis 1.055 |
| Digby, weißer Met mit Zimt | 1 Honig : 4 Wasser, gekocht bis zur Eiprobe | 1.096 bis 1.147 |
| Hohberg, Met der Hundstage | 1 Honig : 8 Wasser, Einkochen ohne Maß | 1.053 bis 1.082 |
| Hohberg, Bienenbüchlein | 1 Honig : 6 Wasser, gut ein Drittel eingekocht | 1.088 bis 1.096 |
| Datum | Rezept | Herkunft | Stil |
|---|---|---|---|
| um 1350 | Met mit Hopfen und Salbei | Würzburg | Metheglin |
| um 1389 | Gehopfter roter Met | Nürnberg | gehopft, Honig zur Farbe gebräunt |
| um 1393 | Bochet | Paris | Bochet, gewürzt |
| um 1450 | Edler Met | Bodensee | Traditional |
| um 1450 | Kirschmet nach Buolach von Rottweil | Bodensee | Melomel, gewürzt |
| Mitte 15. Jh. | Met mit Eiprobe und Bierhefe | Bayern | Traditional |
| Mitte 15. Jh. | Grüner Met von jungen Bienen | Bayern | Traditional |
| 1460 | Leichter Wacholder-Zitwer-Trank | Württemberg | schwacher Metheglin |
| um 1487 | Brombeer-Honigwein | Süddeutschland | Melomel auf Weinbasis |
| 1543 | Met mit Muskat und Zimt | Deutschland | Metheglin |
| 1581 | Met mit Rosen und Lorbeerbeeren | Frankfurt | Metheglin, Honig gebräunt |
Eine englische Fassung der Einführung mit den Rezepten bis 1581 steht im Meadmaking Wiki.