Honigbranntwein aus rohem Honig der Lebkuchenbäcker
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Noch eine Weise, aus Honig Branntwein zu machen: Man kann anstelle von Met rohen Honig der Lebkuchenbäcker nehmen und ihn mit Wasser vermengen, bis ein Ei darin schwimmt.
Stelle das mit etwas Hefe zum Gären hin, bis es weinartig riecht, und stelle es zum Destillieren auf wie zuvor.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| rouwe Coeckebackers Honich | roher Honig der Lebkuchenbäcker | - | - | - |
| water | Wasser | - | - | - |
| een eye | ein Ei | - | - | - |
| wat giſt | etwas Hefe | - | - | - |
Was ist das? Der Eintrag dokumentiert ein historisches Brennverfahren und ist keine Anleitung zum Nachmachen. Statt fertigen Mets kommt ein einfacher Ansatz aus rohem Honig, Wasser und Hefe in den Kessel.
Der Ansatz. Der Honig wird nur mit Wasser vermengt, bis ein Ei darin schwimmt. Die Probe läuft also von der anderen Seite als in clu-016: Dort wird dünnes Spülwasser eingesotten, bis es das Ei trägt, hier wird Honig verdünnt. Wie hoch das Ei stehen soll, steht nicht da, und weil Mengen fehlen, lässt sich die Stärke nicht berechnen. Von Sieden, Abschäumen oder Klären ist keine Rede.
Die Gärung. Clutius nennt selbst Hefe, aber weder ihre Art noch die Menge. Auch Gefäß und Dauer fehlen. Sein Zeichen ist der Geruch: Der Ansatz gärt, bis er weinartig riecht. Beim Met in clu-016 wartet er dagegen, bis es nicht mehr gärt; ob das hier mitgemeint ist, bleibt offen.
Das Brennen. „Wie zuvor“ verweist auf clu-022: im Destillierkessel mäßig sieden lassen und abziehen, bis das Wasser nicht mehr nach Branntwein schmeckt, dann das Übergegangene im kleineren Kessel wiederholt überholen. Dort steht auch Clutius' Warnung, man könne es zuletzt so stark machen, dass ein Mensch, der es einnimmt, auf der Stelle daran stürbe.
Praxis. Das Verfahren steht und fällt mit dem Kessel aus clu-022. Heute gilt: Alkoholdampf ist brennbar, und Clutius selbst warnt vor dem, was daraus werden kann. Zum Verstehen genügt die Eiprobe am Honigwasser. Wer Met ansetzen will, findet in clu-016 und clu-017 die ausführlicheren Vorlagen.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche / das Mittelaltermarkt-Lager geeignet?
Nein. Gärung und Destillation im Kessel sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
Was bedeutet „bis ein Ei darin schwimmt“?
Das ist eine Dichteprobe: Je mehr Honig gelöst ist, desto eher trägt die Flüssigkeit das Ei. Wie hoch es stehen soll, sagt Clutius nicht, und Mengen nennt er keine.
Ist der Ansatz dasselbe wie Met?
Er steht an seiner Stelle, ist aber knapper beschrieben. Vom Sieden, Abschäumen und Klären, die Clutius beim Met nennt (clu-016, clu-017), steht hier nichts, und als Zeichen gibt er den weinartigen Geruch an, nicht das Ende der Gärung.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- Coeckebackers Honich
Honig für die Lebkuchenbäcker. In clu-042 ist das der grobe Honig, der aus dem erwärmten Rest im Korb gepresst wird.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| water | water Q283 |
| een eye | chicken egg Q15260613 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
rouwe
Gewählte Lesart: „Roh“ im Sinn von ungekocht und ungeläutert: Mnw führt unter rau zuerst „ongekookt“ und nennt Kiliaans „rauw j. rouw“. Geläutert wird Honig bei Clutius mit Eiweiß und Sieden (clu-001); davon steht hier nichts.
Andere mögliche Lesart:
- „rau, grob“ - Mnw belegt rouw auch für ruig, ruw. Das passte zum groben Honig der Lebkuchenbäcker, wäre neben „Coeckebackers“ aber doppelt gesagt.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
