Wermutwein auf Metbasis
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Um Wermutwein zu machen: Nimm Met von der zweiten Sorte, 2 Stoop, und gib getrockneten, gebrochenen Wermut dazu, in ein Tüchlein gebunden, 3 Unzen. Stelle es 5 oder 6 Tage zum Weichen hin und drücke den Wermut alle Tage aus. Danach kläre den Wein von seinem Bodensatz.
Dieser Wein ist sehr dienlich den Frauen, die ihre Monatsblutung nicht recht bekommen können. Er erwärmt die Gebärmutter und den Magen, lässt die Speise verdauen und nimmt alle Verderbnis fort, die im Magen wächst.
Andere Kräuter: Auf diese Weise kann man auch Wein von Rosmarin, Lavendel, Ysop, von Stoechaskraut und von anderen Blumen und Kräutern machen.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| Meede vande tweede ſcoꝛte 2. ſtoopen | 2 Stoop Met von der zweiten Sorte | - | - | - |
| dꝛogen gebꝛoken Alſem/ in een doecxken gebonden 3. Oncen | getrockneter, gebrochener Wermut, in ein Tüchlein gebunden | 3 Unzen | Kräuterhandel, Apotheke | - |
Was ist das? Fertiger Met, in dem Wermut weicht. Gesotten wird nichts, und außer dem Wermut kommt nichts dazu. „Wein“ heißt es trotzdem: Kiliaan führt den „alssen-wijn“ als Absinthites. Traubenwein steht hier nicht im Text.
Zweite Sorte. Das Buch beschreibt vorher zwei Mete, das rote Honigwasser spricht von den „twee ſooꝛten hier boven verhaelt“. Nach der Reihenfolge wäre die zweite Sorte der zugemessene Met, nicht der aus dem Spülwasser. Ausdrücklich sagt Clutius das nicht. Seine Stärke bestimmt die des Wermutweins, eine eigene Rechnung gibt es hier deshalb nicht.
Tüchlein und Ausdrücken. Das Tuch hält den gebrochenen Wermut zusammen, das tägliche Ausdrücken presst heraus, was sich darin vollgesogen hat. Ob das Tuch hängt oder liegt und ob das Gefäß verschlossen steht, sagt der Text nicht. Dass es vor dem Klären herauskommt, setzt er voraus.
Klären. Ein Mittel nennt Clutius nicht. Die einfachste Lesart ist, den Wein stehen zu lassen und vom Satz abzuziehen.
Wermut heute. Heutiges Wissen, nicht bei Clutius: Wermut enthält Thujon und gilt in größeren Mengen als bedenklich, in der Schwangerschaft wird von ihm abgeraten. Die Wirkungen im Text sind Clutius' Angaben, kein Rat.
Praxis. Nimm fertigen, klaren Met und ein Gefäß, in dem das Tuch Platz hat. Heutiger Hinweis: Da sich der Stoop nicht sicher umrechnen lässt, beginne bei einem kleinen Ansatz mit wenig Wermut und koste täglich. Für die anderen Kräuter nennt Clutius keine Mengen.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es setzt fertigen Met voraus und steht 5 oder 6 Tage, das ist im Lager nicht verlässlich zu führen.
Ist das ein Hypocras?
Nein. Clutius' Hypocras bekommt Honig und mehrere Gewürze und läuft durch den Hypocras-Sack. Hier weicht nur Wermut im Met.
Gärt der Wermutwein noch einmal?
Der Text verlangt es nicht. Er spricht vom Weichen, nicht vom Gären, wie etwa beim roten Honigwasser, das neu angesetzt wird.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- ſcoꝛte
Sorte. So gedruckt, wohl verdruckt für „ſooꝛte“, das Clutius sonst für die Mete schreibt. Nach Kiliaan „soorte“: qualitas, genus, species.
- ſtoopen
Stoop, ein Hohlmaß für Flüssigkeiten. Clutius nennt keinen Literwert, hier bleibt das Maß wie gedruckt.
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
grondicheyt
Gewählte Lesart: Bodensatz: abgeleitet von „gront“ (MNW: Boden, unterer Teil), dazu passend „claert ... van“. Als Substantiv in dieser Bedeutung ist das Wort weder bei Kiliaan noch in MNW und Verdam zu finden, dort heißt „grondich“ nur vollkommen, tief.
Andere mögliche Lesart:
- Trübung im Wein überhaupt - Vom Wort her möglich, die Praxis bleibt dieselbe: Der Wein soll klar werden.
Stychas cruyt
Gewählte Lesart: Stoechas, wohl Schopflavendel (Lavandula stoechas): Gerard nennt für Stoechas den deutschen Namen „Stichas kraut“, und Clutius stellt anderswo im Buch Stoechas neben Lavendel.
Andere mögliche Lesart:
- Gelbe Strohblume (Helichrysum stoechas) - Fischer führt „Stichas citrina“. Dann stünde hier ein gelbes Kraut, doch nichts im Text deutet darauf.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
