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Anderer Met: 10 Teile Honig auf 90 Teile Wasser

Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597

BochetGetränkLesartViel InterpretationsspielraumMittelKorrekturBearbeitungsstand 9/10
BuchClutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (~1597)

Ein anderer.

Nimm 90 Teile oder Stoop sauberes Fluss- oder Regenwasser und 10 Teile oder Stoop weißen Honigseim oder Honig. Gib das zusammen in einen Kessel und lass es unter Abschäumen sieden, bis 80 Stoop übrig bleiben oder ungefähr so viel. Man kann es mit einem Ei prüfen: Schwimmt es, ist es genug.

Danach lass es kalt werden, gib es in die Fässer und stelle es zum Gären hin. Gib dabei Bierhefe hinzu, damit es überläuft und sich klärt. Man kann hier auch einige Gewürze hineingeben, wie wir berichtet haben.

OriginalModernMengenangabeWo kaufenAlternative
90. deelen ofte ſtopen ſchoon rivier ofte regẽwater 90 Teile oder Stoop sauberes Fluss- oder Regenwasser - - -
10. deelen ofte ſtoopen witten Seem of Honich 10 Teile oder Stoop weißer Honigseim oder Honig - - -
een eye Ei zur Probe 1 - -
giſt van bier Bierhefe - Brauereibedarf, Online-Handel Trockene Bierhefe aus dem Brauereibedarf
eenige ſpeceryen Einige Gewürze (optional) - - -

Was ist das? Der zweite Met des Kapitels. Das erste Rezept arbeitet mit dem Spülwasser aus dem Honigkorb, hier wird der Honig zugemessen: 10 Teile auf 90 Teile Wasser, eingekocht auf 80, kalt mit Bierhefe angesetzt.

Sieden und Abschäumen. Einen vorab geläuterten Honig verlangt der Text nicht. Was beim Sieden aufsteigt, wird im Kessel abgenommen.

Zahl gegen Ei. Clutius nennt zwei Endpunkte nebeneinander: 80 Stoop „oder ungefähr so viel“, und das schwimmende Ei. Der Druck hat 90, 10 und 80 eindeutig. Nach der Rechnung unten passen beide trotzdem nicht zusammen, denn bei Digby steigt das Ei erst in einem viel stärkeren Ansatz. Clutius klärt das nicht auf. Das nächste Honigwasser des Buchs nimmt einen Teil Honig auf sechs Teile Wasser. Ob an dieser Stelle die Zahl oder das Ei gelten soll, bleibt offen.

Heutiger Hinweis, nicht bei Clutius: Die Zahlen ergeben rund 1,05, also etwa 8 % Alkohol bis trocken. Ein frisches Ei ist dichter, es schwimmt erst ab etwa 1,085 und im heißen Sud noch später. Wer bis dahin einkocht, kommt erst bei etwa der Hälfte der Menge an und hat einen deutlich stärkeren Met. Ein altes Ei ist leichter und schwimmt früher, die Probe sagt dann wenig. Entscheide dich also für eines von beiden und miss mit der Mostwaage.

Gärung. Die Hefe nennt der Text selbst, und sie kommt erst in den kalten Sud. Der gesottene Sud bringt nach heutigem Verständnis keine gärfähige Hefe mehr mit. „Overgaen“ heißt überlaufen: Das Unreine soll oben austreten, bis es klar wird. Den Handgriff beschreibt nur das erste Rezept: Das Fass wird immer wieder aufgefüllt, also randvoll gehalten, und erst dicht verschlossen, wenn nichts mehr arbeitet. Das „Ein anderer“ setzt das hier vermutlich voraus. Es ist das Gegenteil von Steigraum.

Gewürze. Der Rückverweis zielt wohl auf dasselbe Rezept: in ein Tüchlein gebunden etwas Zimt, Ingwer, Muskatnüsse, Nelken und Ähnliches. Mengen nennt Clutius auch dort nicht.

Für Metmacher: die Zahlen

Modellrechnung mit Literaturwerten für Honig (Dichte, Zuckergehalt), keine Messung an einem angesetzten Met.

LesartZuckerSG (OG)°Oe°BrixAlkohol bis trocken
Clutius: 10 Teile Honig auf 90 Teile Wasser, eingekocht auf 80131-143 g/l1,051-1,05551-5512,6-13,67,8-8,5 %
Zum Vergleich Digby, das Ei steigt: 1 Teil Honig auf 3 Teile Wasser, vor dem Kochen263-286 g/l1,102-1,110102-11024,1-26,015,6-17,0 %
Zum Vergleich Digby, das Ei steigt bei sehr gutem Honig: 1 Teil Honig auf 3,5 Teile Wasser, vor dem Kochen234-254 g/l1,090-1,09890-9821,6-23,313,9-15,1 %

„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.

Annahmen: Honig und Wasser sind im selben Raummaß gemessen, die Größe des Stoops kürzt sich heraus. Das Einkochen von 100 auf 80 steht im Text. Die Stärke der zweiten Zeile erreichte Clutius' Ansatz rechnerisch erst beim Einkochen auf 40. Nicht eingerechnet sind Gewürze und Hefe.

Praxis. Nimm ein beliebiges Gefäß als Einheit und miss Honig und Wasser damit, statt den Honig zu wiegen. Heutiger Hinweis, nicht bei Clutius: Die Stärke misst man mit der Mostwaage, nicht mit dem Ei. Eine Gärdauer nennt er nicht. Verschließe das Fass erst, wenn nichts mehr arbeitet, sonst baut sich Druck auf.

Was bedeutet „deelen ofte ſtopen“?

Teile oder Stoop, also zwei Namen für dieselbe Menge. Clutius rechnet 90 Teile Wasser auf 10 Teile Honig, eingekocht auf 80. Für einen kleineren Ansatz nimmst du ein beliebiges Gefäß als Einheit.

Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?

Nein. Der Met muss im Fass gären und sich klären, und das ist im Lager nicht verlässlich zu führen. Zeigen lassen sich das Einkochen mit Abschäumen und die Eiprobe.

Wie stark wird dieser Met?

Clutius sagt es nicht. Eine Modellrechnung steht in der Anleitung zum Nachbau, dort auch, warum sie nicht zur Eiprobe passt.

Welche Gewürze sind gemeint?

Der Text nennt hier keine und verweist zurück. Im ersten Metrezept stehen Zimt, Ingwer, Muskatnüsse und Nelken, in ein Tüchlein gebunden. Der Zusatz ist freigestellt.

Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?

Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.

Anderer Met: 10 Teile Honig auf 90 Teile Wasser – Originalseite aus Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig)
Scan 190, Google Books (Y0NnAAAAcAAJ)
Een ander. Neemt 90. deelen ofte ſtopen ſchoon rivier ofte regẽwater 10. deelen ofte ſtoopen witten Seem of Honich. Dit doet te ſamen in een ketel, ende latet ſiedẽ afſchuymẽde tot datter 80. ſtopen blijvẽ, ofte daer ontrent: mẽ cant bepꝛoeven met een eye, ſo het dꝛijft ſo iſt genoech: Daer na latet cout woꝛden ende doetet inde vaten, ende ſtellet te werckẽ, daer bi doẽde giſt van bier, om te doen overgaen ende claren, men mach hier ooc eenige ſpeceryen in doen, gelijc wy verhaelt hebben.
deelen ofte ſtopen

Teile oder Stoop: zwei Namen für dieselbe Menge. Der Stoop ist ein Hohlmaß für Flüssigkeiten, das Rezept meint also Raum, nicht Gewicht. Auch eine mittelniederländische Metvorschrift misst das Wasser in Stoop (MNW, „seem“). Es zählt das Verhältnis.

Seem

Honig. Kiliaan (1599) setzt „seem“ und „honigh“ gleich; Clutius stellt das Wort neben den Jungfernhonig. Im Deutschen entspricht es dem Honigseim.

ſpeceryen

Gewürze. Der Satz nennt keine, er verweist zurück auf das erste Metrezept.

Druck
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich)
Teil
Met, Honigwein, Hypocras und Branntwein
Sprache
Frühneuniederländisch (Leiden 1597), Fraktur; Gespräch zwischen Theodorus Clutius und Carolus Clusius
Entstehung
Leiden (Holland), 1597

Normdaten der Zutaten

Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.

een eyechicken egg Q15260613
eenige ſpeceryenspice Q42527

Lesarten

Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.

Lesartom te doen overgaen ende claren

Gewählte Lesart: damit es überläuft und sich klärt: MNW und Verdam führen „overgaen“ als „overloopen“, auch von Wasser, und das erste Metrezept lässt das Unreine ebenso oben überkommen („dat die vuylicheit mach overcomen“).

Andere mögliche Lesart:

  • damit es in einen anderen Zustand übergeht, also vergärt - MNW kennt auch „overgaen in een anderen toestand“, das nennt aber nicht die Gärung, und der Gärbefehl steht schon in „ſtellet te werckẽ“.

Originalwerk (~1597) gemeinfrei.

Bildquelle
Scan 190, Google Books (Y0NnAAAAcAAJ)
Transkription
Eigene Transkription (Kraken-OCR nach dem Google-Digitalisat, je Rezept am Scan korrigiert) Link öffnen
Übersetzung & Anmerkungen
CC BY-SA 4.0 fyndling.de
Permalink
https://w3id.org/fyndling/clu-017
LagerkücheLagerküche
Der Ansatz gärt im Fass und muss sich klären. Gärung und Lagerung über Tage bis Monate sind im Lager nicht verlässlich zu führen.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.