Rotes weinartiges Honigwasser mit Sauerkirschsaft
Van de Byen, Hare wonderlicke oorspronc, Natuer, Eygenschap, crachtige, ongehoorde ende seltsame wercken ... Gestelt in forme van een Tsamen-sprekinge (Het derde Boec: Vanden Honich) · Leiden (Holland) · 1597
Um ein rotes weinartiges Honigwasser zu machen, nimm von dem Met der zwei Sorten, die weiter oben beschrieben sind, 64 Stoop. Gib dazu 16 Stoop Saft von Sauerkirschen und noch zwei Stoop Honig. Mische dies miteinander und stelle es zum Gären an wie zuvor.
Dieses weinartige Honigwasser ist sehr gut gegen das Fieber, auch für die, die von übermäßiger Hitze geplagt sind, und gegen die Gebrechen des Gehirns. Man kann es anstelle von Wein gebrauchen für diejenigen, denen der Wein verboten ist.
Auf diese Weise kann man auch weinartiges Wasser machen mit dem Saft von Johannisbeeren, von roten und schwarzen Kirschen, ebenso von Trauben, Äpfeln und Birnen. Richte dich dabei immer nach dem Verhältnis, das bei den Sauerkirschen gilt, wie zuvor erklärt.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| vande Meede vande twee ſooꝛten hier boven verhaelt 64 ſtoopen | Met der zwei oben beschriebenen Sorten, 64 Stoop | - | - | - |
| 16. ſtoop ſaps van Amarellen | 16 Stoop Saft von Sauerkirschen | - | - | Vom Text selbst genannt: Saft von Johannisbeeren, roten oder schwarzen Kirschen, Trauben, Äpfeln oder Birnen |
| twee ſtoop Honichs | 2 Stoop Honig | - | - | - |
Was ist das? Ein Fruchtmet: vorhandener Met wird mit Sauerkirschsaft und etwas Honig vermischt und noch einmal zum Gären angestellt. Das Rot kommt wohl aus dem Saft, denn ein anderes Färbemittel nennt der Text nicht.
Der Grundmet. Mit den zwei Sorten sind wohl die beiden vorigen Mete des Buchs gemeint: der Met aus Honigresten und Spülwasser (clu-016) und der mit 90 Teilen Wasser auf 10 Teile Honig (clu-017). Ob sich der Eintrag frisch gesottenen, noch ungegorenen Met denkt oder fertigen, sagt Clutius nicht. Beides geht auf: Saft und Honig bringen in jedem Fall neuen Zucker. 64 und 16 Stoop ergeben zusammen die 80 Stoop, auf die clu-017 einkocht; ob das gewollt ist, bleibt offen.
Die Gärung. „Wie zuvor“ verweist auf die Vorgänger, ausgeführt wird es hier nicht. Dort kommt Bierhefe dazu, und in clu-016 bleibt das Fass randvoll, damit Schaum und Trub oben austreten; dicht verschlossen wird erst, wenn es nicht mehr gärt. Eine Dauer nennt Clutius nicht. Saft und Honig werden nur vermischt, von Sieden steht hier nichts.
Andere Früchte. Die Mengen der Sauerkirschen gelten auch für die anderen Säfte. Welche Farbe oder Stärke sie ergeben, sagt der Text nicht.
Für Metmacher: die Zahlen
Modellrechnung, keine Messung. Sie geht vom Grundmet clu-017 aus, die Sorte clu-016 ist nicht rechenbar, weil sie nur die Eierprobe nennt.
| Lesart | Zucker | SG (OG) | °Oe | °Brix | Alkohol bis trocken |
|---|---|---|---|---|---|
| Grundmet noch ungegoren: alles zusammen gerechnet | 145-169 g/l | 1,056-1,065 | 56-65 | 13,8-16,0 | 8,6-10,1 % |
| Grundmet fertig vergoren: nur der neue Zucker aus Saft und Honig | 42-58 g/l | 1,016-1,022 | 16-22 | 4,2-5,7 | 2,5-3,4 %, zusätzlich zum Alkohol des Grundmets |
„Alkohol bis trocken“ gilt, wenn aller Zucker vergärt. Liegt der Wert über dem, was die Hefe verträgt, hört die Gärung früher auf, und der Met bleibt süß.
Annahmen: In 64 der 80 Stoop von clu-017 stecken anteilig 8 Stoop Honig und 56 Stoop Wasser, dazu kommen 2 Stoop Honig und 16 Stoop Saft. Der Stoop kürzt sich heraus, der Honig ist im Raummaß gerechnet. Der Saft steht mit Literaturwerten für Kirschsaft in der Rechnung, nicht mit Werten für Amarellen von 1597, die anderen Säfte sind nicht gerechnet. In der zweiten Zeile zählen die 64 Stoop Met wie Wasser; die Dichte dort misst also nur die Zuckerzugabe.
Praxis. Heutiger Hinweis, nicht bei Clutius: 64 zu 16 zu 2 lässt sich in jedem Gefäß als Raummaß ansetzen. Das Getränk enthält Alkohol, auch wenn Clutius es für Menschen nennt, denen Wein verboten ist.
Was ist ein Stoop und wie rechne ich das Rezept um?
Ein Hohlmaß für Flüssigkeiten. Clutius gibt keine Größe an, und für den Ansatz zählt nur das Verhältnis: 64 Teile Met, 16 Teile Sauerkirschsaft und 2 Teile Honig, also 32 zu 8 zu 1.
Ist dieses Rezept für die Lagerküche geeignet?
Nein. Es ist ein Gärgetränk, und Gärung und Lagerung lassen sich im Lager nicht verlässlich führen.
Welche Früchte kann ich statt Sauerkirschen nehmen?
Clutius nennt selbst Johannisbeeren, rote und schwarze Kirschen, Trauben, Äpfel und Birnen und verlangt dasselbe Verhältnis wie bei den Sauerkirschen. Welche Farbe die anderen Säfte ergeben, sagt er nicht.
Ist das Getränk alkoholfrei, weil es für Menschen gedacht ist, denen Wein verboten ist?
Nein. Es wird zum Gären angestellt und enthält Alkohol. Clutius setzt es nur an die Stelle des Weins. Seine Heilangaben sind ein Zeitzeugnis, kein heutiger Rat.
Aus welcher Zeit und woher stammt dieses Rezept?
Dieses Rezept stammt aus dem Clutius: Von den Bienen (Buch 3: Vom Honig) (1597, Leiden - Holland). Aus dem Bienenbuch des Leidener Apothekers und Hortulanus Theodorus Clutius, im Gespräch mit Carolus Clusius: das dritte Buch über Honig und Wachs mit der Honiggewinnung (ungepresster, Jungfern- und grober Honig), geläutertem Honig, in Honig kandierten Schalen, Früchten, Wurzeln und Rosen, Quittenbrot, Fruchtpasten, Marzipan, Met, weinartigem Honigwasser, rotem und weißem Hypocras, Branntwein, Wermutwein und Essig aus Met, dazu Wachs läutern und bleichen, Kerzen, Fackeln, Siegelwachs, Pfropfwachs und Wachstuch.
- Amarellen
Sauerkirschen. Kiliaan (1599): cerasum amari sive aridi saporis, Kirsche von bitterem oder herbem Geschmack.
- wijnachtich Honichwater
Weinartiges Honigwasser. Wijnachtich ist auch sonst für den Geschmack belegt: Dodoens nennt Beeren wijnachtich van smaeck (Mittelniederländisches Wörterbuch).
- ſtoop
Gefäß und Hohlmaß für Flüssigkeiten (Mittelniederländisches Wörterbuch). Clutius gibt keine Größe an; es zählt das Verhältnis.
Normdaten der Zutaten
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| twee ſtoop Honichs | honey Q10987 |
Lesarten
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
vande Meede vande twee ſooꝛten hier boven verhaelt
Gewählte Lesart: Met der beiden als Met überschriebenen Einträge clu-016 und clu-017; im Text bleibt es beim Verweis, denn das folgende Honigwasser clu-018 heißt nicht Met. Ob der Met schon vergoren ist, entscheidet der Wortlaut nicht.
Andere mögliche Lesarten:
- Fertig vergorener Met, der durch Saft und Honig nachgärt - Meede heißt sonst das fertige Getränk, und Clutius sagt nicht, dass sie frisch sein muss. Dann wird das Getränk stärker als der Grundmet.
- Eben gesottener, noch ungegorener Met - In den Vorgängern wird der Sud erst danach zum Gären angestellt, und auch hier folgt das Anstellen erst nach dem Mischen.
rode ende ſwarte Kriecken
Gewählte Lesart: Rote und schwarze Kirschen. Kiliaan: kriecke, cerasum. Hier stehen keine Kerſſen daneben, deshalb nicht wie in clu-010 als „Kriecken“ belassen.
Andere mögliche Lesart:
- Die roten als Amarellen, die schwarzen als Morellen - Kiliaan setzt roode kriecke wie die Amarelle mit cerasum apronianum gleich und swerte kriecke mit der Morelle. Dass Clutius die Wörter genauso trennt, ist nicht belegt, denn er zählt die Amarellen hier gerade nicht zu den Kriecken.
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Stand dieser Fassung: 01.11.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.
