Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 · Bairischer Sprachraum, Entstehungsort unbekannt (Datierung 1438/39-Mitte 15. Jh. über Hartliebs "Namenmantik", nach Honold); später im Besitz der Grafen Starhemberg von Riedegg (Oberösterreich) · 1450
Nimm Honig von jungen Bienen. Daraus machst du einen grünen Met. Verfahre dabei, wie du es mit dem anderen Met getan hast. Gib kein Braun daran.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| honig von Iungen pein | Honig von jungen Bienen | - | gut sortierter Supermarkt, Imker | Milder Blütenhonig |
| (implied) | Wasser | - | Leitung | - |
| (implied) | Hefe | - | Supermarkt | Weinhefe oder Bierhefe |
Die genaue Bedeutung von ‚Honig von jungen Bienen‘ ist nicht eindeutig belegt. Es könnte sich auf Honig aus jungen Waben, von jungen Bienenvölkern oder auf eine besonders helle und milde Honigqualität beziehen, die für diesen ‚grünen‘ Met gewünscht ist.
‚Grün‘ bezieht sich hier wahrscheinlich auf die Farbe und Klarheit des Mets - er soll hell, klar und nicht getrübt oder dunkel sein. Es könnte auch bedeuten, dass der Met frisch und ungespiced ist, im Gegensatz zu gereiften oder mit dunklen Gewürzen versetzten Varianten. Eine tatsächliche grüne Färbung ist unwahrscheinlich, da keine entsprechenden Zutaten genannt werden.
Nein, nicht geeignet. Met ist ein fermentiertes Getränk, das Wochen bis Monate zur Gärung und Reifung benötigt. Die aktive Zubereitung ist zwar schnell, aber das Endprodukt ist nicht für den sofortigen Verzehr am Lagerfeuer gedacht. Es kann jedoch zu Hause vorbereitet und dann im Lager ausgeschenkt werden.
Dieses Rezept stammt aus dem Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz –, Handschriftenabteilung; Ms. germ. qu. 1187 (Mitte 15. Jh.). CoReMA-Handschrift B4 (Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 1187): bairisches Kochbuch der Mitte des 15. Jahrhunderts, 112 Blatt Papier. Enthält u.a. ein Paar-Rezept für "grünen Met" und ein Grundrezept "Wie du mett solt machen" (Honig-Wasser-Ansatz mit Hopfen und Hefe-Nachgärung) - textlich eng verwandt mit W1 (Wien, Cod. 2897), das dieselben zwei Met-Rezepte fast wortgleich überliefert.
"Honig von jungen Bienen". Lautgesetzlich regelhaft aus mittelhochdeutsch "bîn" (Biene) mit bairischem Anlautwechsel b > p und der im 15. Jahrhundert abgeschlossenen Diphthongierung î > ei. Gemeint ist nicht das Lebensalter der einzelnen Biene, sondern das Alter des Stocks: der Honig eines Volks, das in diesem Sommer neu geschwaermt ist. Das Grimmsche Woerterbuch fuehrt die ganze Wortfamilie - "Jungferbiene" ist "der erste bienenschwarm eines stockes im sommer", "Jungfernhonig" "der beste und reinste honig aus einem bienenstocke. auch der honig der von den jungferbienen eingetragen wird", "Jungfernwachs" "wachs von jungferbienen. ferner das reine von allen fremden theilen gesaeuberte und abgebleichte wachs". Das Muster ist durchgehend: vom Neuschwarm, und darum rein und hell. Der handwerkliche Grund steht nicht bei Grimm, sondern in der Imkerpraxis: ein Neuschwarm baut sein Wabenwerk komplett frisch, in diesen Waben war nie Brut und kein Pollen eingelagert. Geerntet wurde durch Ausschneiden der Wabe, der Honig kommt also samt Wabenumgebung ins Gefaess - aus jungfraeulicher Wabe hell und klar, aus alter, mehrfach bebrueteter dunkel. Genau darauf zielt der Schlusssatz "kain prawn tu nicht daran": die helle Sorte nicht mit der dunklen verschneiden. Dazu passt, dass das Grundrezept derselben Handschrift die Menge ueber das Wabenwerk bemisst ("als vil sein in dem werkch ist"). Aus heutiger Sicht ist die Unterscheidung verschwunden, was den Ausdruck befremdlich macht: Magazinbeute und Honigschleuder trennen Honig und Wachs, Waben werden ueber Jahre wiederverwendet, und Honig wird nach Trachtpflanze sortiert, nicht nach Alter des Volkes. Nicht belegt ist eine Bezeugung von "Jungfernhonig" fuer das 15. Jahrhundert selbst - Grimm zitiert Jacobsson, ein technologisches Woerterbuch des 18. Jahrhunderts. Als Schreibvariante direkt belegt ist daneben "bein" (Knochen, MHDBDB; an anderer Stelle im Korpus als "Schaedel" geglosst), was im Honigzusammenhang keinen Sinn ergibt.
‚Grün‘ kann hier ‚hell‘, ‚klar‘ oder ‚frisch‘ bedeuten, im Gegensatz zu dunkleren oder gewürzten Met-Varianten. Es könnte auch auf einen jungen, noch nicht vollständig gereiften Met hinweisen.
Diese Formulierung verweist auf ein bekanntes, aber im Manuskript nicht explizit aufgeführtes Standardrezept für Met, das als Grundlage für diese Variante dient.
‚Kein Braun‘ bedeutet, dass keine Zutaten hinzugefügt werden sollen, die den Met bräunlich färben würden, und dass der Met während der Zubereitung nicht zu stark karamellisiert oder oxidiert werden soll, um seine helle Farbe zu bewahren.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| (implied) | water Q283 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
pein
Gewählte Lesart: Die Lesart ‚jungen Bienen‘ wurde gewählt, da sie im Kontext von Honig und Met eine plausible Beschreibung für eine spezifische Honigqualität darstellt.
Andere mögliche Lesarten:
grunn mett
Gewählte Lesart: Die Lesart ‚grünen Met‘ im Sinne von hell, klar und möglicherweise ungespiced wurde gewählt, da die Anweisung ‚kein Braun‘ dies unterstützt und eine tatsächliche grüne Färbung ohne explizite Farbstoffe unwahrscheinlich ist.
Andere mögliche Lesarten:
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Stand dieser Fassung: 15.08.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.