Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle · Frankfurt am Main · 1581
Nimm ein Maß Honig auf sechs Maß Wasser und koche es am Feuer, so wie man junges Rindfleisch kocht. Während es kocht, wirf rote Rosenblüten hinein und schäume den Sud richtig ab. Das Feuer soll hell brennen, ohne Rauch. Wenn der Met fertig gekocht ist, nimm ihn vom Feuer und lass ihn erkalten.
Unterdessen nimm zu fünf Vierteln von dem Met, den du gekocht hast, ein Maß Honig. Gib den Honig in einen Kessel, lass ihn über der Glut kochen und rühre ihn ständig, bis er rote oder braune Farbe annimmt, je nachdem, welche Farbe du haben willst.
Nimm dann von dem gekochten Met und gieße ihn unter den Honig, rühre es gut und schütte alles untereinander. Danach nimm frische Lorbeerbeeren mit ihrer Haut, stoße sie und hänge sie hinein. Lass den Met gut abkühlen, ehe du ihn in das Fässlein füllst.
Willst du ihn mit gutem Gewürz oder mit Hopfen stärken, so kannst du das auch tun.
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein Maß Honig zu sechs Maß Wassers | Maß Honig (für den Sud) | 1 | Flüssiger Honig; kristallisierten vorher schonend verflüssigen | - |
| sechs Maß Wassers | Maß Wasser | 6 | - | - |
| rot dolden von roten Rosen | Rote Rosenblüten | - | Garten oder Bio-Laden (ungespritzt) | Getrocknete Rosenblütenblätter aus dem Gewürzhandel |
| ein Maß Honig/ das thu in ein Kessel | Maß Honig (zum Bräunen, als Farbhonig) | 1 | - | - |
| frische Lorberbeer/ die Haͤut haben | Frische Lorbeerbeeren mit Haut | - | - | Lorbeerblätter (moderner Ersatz, anderes Aroma) |
| gutem Gewuͤrtz/ oder mit Hopffen | Gutes Gewürz (optional) | - | - | Hopfen |
Welches Getränk ist das? Ein gekochter Met aus Rumpolts Kellermeisterei: Honigwasser wird gesotten und abgeschäumt, mit roten Rosenblüten aromatisiert, mit einem zweiten, dunkel gekochten Honig gefärbt und mit zerstoßenen Lorbeerbeeren gewürzt. Der Text endet mit dem Einfüllen ins Fässlein. Hefe, Gärung und Reifezeit nennt er nicht.
Der Sud. Ein Maß Honig auf sechs Maß Wasser kochen und behandeln wie eine Fleischbrühe: den aufsteigenden Schaum laufend abnehmen. Die Rosenblüten kommen während des Kochens hinein. Das helle, rauchfreie Feuer hält Rauchgeschmack aus dem Sud. Danach vom Feuer nehmen und erkalten lassen.
Der Farbhonig. Unterdessen ein zweites Maß Honig in einem Kessel über der Glut unter ständigem Rühren kochen, bis er rot oder braun ist. Er dient laut Text der Farbe. Honig brennt dabei schnell an, und beim Zugießen des Mets spritzt es; den Met langsam zugeben.
Fünf Viertel Met. Rumpolt nennt die Einheit nicht. Praktisch gelesen als fünf Viertelmaß, also gut ein Maß Met auf das Maß Farbhonig, wie Rumpolt an anderer Stelle „ein viertheil einer Maß“ schreibt. Danach kommt der übrige Met dazu, denn „schüts alles vntereinander“ führt alles zusammen. Wird der ganze Met untergemischt, stecken insgesamt zwei Maß Honig auf sechs Maß Wasser im Getränk.
Lorbeer. Frische Lorbeerbeeren mit Schale grob zerstoßen und einhängen. Rumpolt sagt nur „hengs darein“; in seinen Nachbarrezepten hängt er Würzzutaten in einem Säcklein oder Tuch in den Wein. Ein Leinenbeutel ist deshalb die naheliegende heutige Ausführung. Lorbeerblätter wären ein moderner Ersatz mit anderem Aroma.
Abkühlen und Fass. „wol vberschlagen“ heißt: gut abkühlen lassen, bis der Met nicht mehr warm ist, erst dann ins Fass. Wer heute einen vergorenen Met will, setzt jetzt eine Met- oder Weinhefe zu; das ist moderne Praxis, der Text sagt dazu nichts.
Praxis. „Maß“ trägt nur das Verhältnis, jedes Gefäß taugt als Maß. Für Rosen, Lorbeer, Gewürz und Hopfen gibt Rumpolt keine Mengen. Die Zeitangabe von 120 Minuten ist eine Schätzung für Sud und Farbhonig, der Text gibt keine Zeit an; Erkalten, Ziehen und alles Weitere im Fass sind nicht eingerechnet.
Frische Lorbeerbeeren sind heute schwer zu bekommen. Rumpolt verlangt ausdrücklich die Beeren mit ihrer Haut, nicht die Blätter, die bei ihm „Lorberbletter“ heißen. Lorbeerblätter sind ein moderner Ersatz mit anderem Aroma.
Nein. Das Rezept endet mit dem Einfüllen ins Fässlein, ein trinkfertiges Getränk entsteht am Kochtag nicht. Ein vergorener Met braucht heute Hefe und Zeit im Fass, und dazu sagt der Text nichts.
Der Text nennt keine Hefe und beschreibt keine Gärung. Er lässt offen, ob der Met im Fass vergoren oder als gewürzter Honigsud getrunken wurde. Wer heute einen vergorenen Met will, setzt nach dem Abkühlen eine Met- oder Weinhefe zu; das ist moderne Praxis, nicht Rumpolt.
Ein Maß Honig geht in den Sud mit sechs Maß Wasser, ein zweites Maß wird zum Färben dunkel gekocht und mit dem Met vermischt. Kommt der ganze Met dazu, sind es zusammen zwei Maß Honig auf sechs Maß Wasser.
Ein historisches Hohlmaß, dessen Größe von Ort zu Ort schwankte. Das Rezept arbeitet mit Verhältnissen, deshalb kannst du jedes Gefäß als Maß nehmen, solange du es beibehältst.
Dieses Rezept stammt aus „Ein new Kochbuch“. Kochbuch des kurfürstlich-mainzischen Mundkochs Marx Rumpolt, gedruckt 1581 in Frankfurt am Main: rund 1.300 durchnummerierte Rezepte in 91 Kapiteln, geordnet nach Tierarten und Zutaten, dazu Bankett- und Hofämter-Ordnungen für die fürstliche Tafel.
Der Honigsud wird gekocht wie eine Fleischbrühe, und der aufsteigende Schaum wird abgenommen. Der Vergleich ist eine Arbeitsanweisung, Fleisch kommt nicht hinein.
Hohlmaß, im Rezept nur als Verhältnis genutzt: ein Teil Honig auf sechs Teile Wasser. Die Größe schwankte von Stadt zu Stadt, deshalb zählt das Verhältnis, nicht der absolute Wert.
Dolde = Blütenstand, Blütenbüschel (FWB). Gemeint sind die Blütenköpfe der roten Rose.
Unterdessen: Während der Sud erkaltet, wird der zweite Honig gekocht.
Der zweite Honig wird über der Glut gekocht, bis er rot oder braun ist, und dient laut Text der Farbe des Mets.
Untereinander: alles miteinander vermischen.
Die Früchte des Lorbeers (FWB lorber, Grimm lorbeere), nicht die Blätter, die bei Rumpolt „Lorberbletter“ heißen. „die Haͤut haben“: mit ihrer Schale.
Bei Flüssigkeiten: abkühlen, lauwarm werden (Grimm; Elsässisches Wörterbuch „überschlagen“ = lauwarm). Rumpolt gebraucht es ebenso nach dem Sieden von Zitronen (rum-1898). Der Met soll nicht heiß ins Fass.
Kräftiger machen. Gewürz oder Hopfen stellt Rumpolt frei und nennt keine Mengen.
Kleines Fass. Was danach mit dem Met geschieht, sagt der Text nicht.
Zuordnung der historischen Zutatennamen zu Wikidata-Konzepten, auf Grundlage des CoReMA-Zutatenindex. Mehrere Konzepte bedeuten: die Lesart ist nicht entschieden.
| ein Maß Honig zu sechs Maß Wassers | honey Q10987 |
| sechs Maß Wassers | water Q283 |
| ein Maß Honig/ das thu in ein Kessel | honey Q10987 |
| gutem Gewuͤrtz/ oder mit Hopffen | spice Q42527 |
Mediävistische Texte sind oft mehrdeutig. Hier die Stellen, an denen wir uns für eine Lesart entscheiden mussten - mit den plausiblen Alternativen.
zu 5 viertheiln Medt ... ein Maß Honig
Gewählte Lesart: Wörtlich fünf Viertel Met auf ein Maß Honig; die Einheit nennt Rumpolt nicht. Am nächsten liegt das Viertelmaß, wie Rumpolt „ein viertheil einer Maß“ schreibt (rum-1991): dann gut ein Maß Met auf das Maß Farbhonig. „viertheil“ als Maßwort ist gut belegt (Grimm „ein viertheil einer masz“, Fischer, Schmeller).
Andere mögliche Lesarten:
nim̃ deß gesotten Medts/ vnd schuͤt jn vnter das Honig
Gewählte Lesart: Vom gekochten Met (die genannten fünf Viertel) auf den Farbhonig gießen; „schuͤts alles vntereinander“ führt danach Farbhonig und übrigen Met zusammen.
Andere mögliche Lesart:
in das Faͤßlein thust
Gewählte Lesart: Der abgekühlte Met kommt ins Fässlein; ob er dort vergoren wird und womit, sagt Rumpolt nicht.
Andere mögliche Lesarten:
hengs darein
Gewählte Lesart: Die zerstoßenen Beeren werden in den Met eingehängt, nach Rumpolts Nachbarrezepten in einem Säcklein oder Tuch („thu das in ein Saͤcklein/ vnd henck es in den Wein“, rum-1975; „in ein rein leinen Tuch gewunden“, rum-1969).
Andere mögliche Lesart:
Lorberbeer/ die Haͤut haben
Gewählte Lesart: Frische Lorbeerbeeren (Früchte) mit ihrer Schale (FWB lorber „Beere des Lorbeerbaumes“). „die Haͤut haben“ passt nur zur Frucht.
Andere mögliche Lesart:
rot dolden von roten Rosen
Gewählte Lesart: Rote Rosenblüten, die Blütenköpfe (FWB dolde 1: Blütenbüschel, Blütenstand).
Andere mögliche Lesart:
Gewählte Lesart: Abkühlen, lauwarm werden lassen, bevor der Met ins Fässlein kommt (Grimm; Elsässisches Wörterbuch „überschlagen“ = lauwarm; Rumpolt rum-1898 nach dem Sieden).
Andere mögliche Lesart:
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Stand dieser Fassung: 19.10.2026. Wir überarbeiten die Übersetzungen laufend; beim Zitieren bitte das Datum mit angeben.