Ein new Kochbuch (Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gruͤndtliche beschreibung wie man recht vnd wol ... allerley Speiß ... auff Teutsche/ Vngerische/ Hispanische/ Jtalianische vnnd Frantzoͤsische weiß/ kochen vnd zubereiten solle)
Met mit Rosen und Lorbeerbeeren
Moderne Übersetzung
Nimm ein Maß Honig auf sechs Maß Wasser und koche es am Feuer, so wie man junges Rindfleisch kocht. Während es kocht, wirf rote Rosenblüten hinein und schäume den Sud richtig ab. Das Feuer soll hell brennen, ohne Rauch. Wenn der Met fertig gekocht ist, nimm ihn vom Feuer und lass ihn erkalten.
Unterdessen nimm zu fünf Vierteln von dem Met, den du gekocht hast, ein Maß Honig. Gib den Honig in einen Kessel, lass ihn über der Glut kochen und rühre ihn ständig, bis er rote oder braune Farbe annimmt, je nachdem, welche Farbe du haben willst.
Nimm dann von dem gekochten Met und gieße ihn unter den Honig, rühre es gut und schütte alles untereinander. Danach nimm frische Lorbeerbeeren mit ihrer Haut, stoße sie und hänge sie hinein. Lass den Met gut abkühlen, ehe du ihn in das Fässlein füllst.
Willst du ihn mit gutem Gewürz oder mit Hopfen stärken, so kannst du das auch tun.
Zutaten
| Original | Modern | Mengenangabe | Wo kaufen | Alternative |
|---|---|---|---|---|
| ein Maß Honig zu sechs Maß Wassers | Maß Honig (für den Sud) | 1 | Flüssiger Honig; kristallisierten vorher schonend verflüssigen | - |
| sechs Maß Wassers | Maß Wasser | 6 | - | - |
| rot dolden von roten Rosen | Rote Rosenblüten | - | Garten oder Bio-Laden (ungespritzt) | Getrocknete Rosenblütenblätter aus dem Gewürzhandel |
| ein Maß Honig/ das thu in ein Kessel | Maß Honig (zum Bräunen, als Farbhonig) | 1 | - | - |
| frische Lorberbeer/ die Haͤut haben | Frische Lorbeerbeeren mit Haut | - | - | Lorbeerblätter (moderner Ersatz, anderes Aroma) |
| gutem Gewuͤrtz/ oder mit Hopffen | Gutes Gewürz (optional) | - | - | Hopfen |
Zubereitungshinweis
Welches Getränk ist das? Ein gekochter Met aus Rumpolts Kellermeisterei: Honigwasser wird gesotten und abgeschäumt, mit roten Rosenblüten aromatisiert, mit einem zweiten, dunkel gekochten Honig gefärbt und mit zerstoßenen Lorbeerbeeren gewürzt. Der Text endet mit dem Einfüllen ins Fässlein. Hefe, Gärung und Reifezeit nennt er nicht.
Der Sud. Ein Maß Honig auf sechs Maß Wasser kochen und behandeln wie eine Fleischbrühe: den aufsteigenden Schaum laufend abnehmen. Die Rosenblüten kommen während des Kochens hinein. Das helle, rauchfreie Feuer hält Rauchgeschmack aus dem Sud. Danach vom Feuer nehmen und erkalten lassen.
Der Farbhonig. Unterdessen ein zweites Maß Honig in einem Kessel über der Glut unter ständigem Rühren kochen, bis er rot oder braun ist. Er dient laut Text der Farbe. Honig brennt dabei schnell an, und beim Zugießen des Mets spritzt es; den Met langsam zugeben.
Fünf Viertel Met. Rumpolt nennt die Einheit nicht. Praktisch gelesen als fünf Viertelmaß, also gut ein Maß Met auf das Maß Farbhonig, wie Rumpolt an anderer Stelle „ein viertheil einer Maß“ schreibt. Danach kommt der übrige Met dazu, denn „schüts alles vntereinander“ führt alles zusammen. Wird der ganze Met untergemischt, stecken insgesamt zwei Maß Honig auf sechs Maß Wasser im Getränk.
Lorbeer. Frische Lorbeerbeeren mit Schale grob zerstoßen und einhängen. Rumpolt sagt nur „hengs darein“; in seinen Nachbarrezepten hängt er Würzzutaten in einem Säcklein oder Tuch in den Wein. Ein Leinenbeutel ist deshalb die naheliegende heutige Ausführung. Lorbeerblätter wären ein moderner Ersatz mit anderem Aroma.
Abkühlen und Fass. „wol vberschlagen“ heißt: gut abkühlen lassen, bis der Met nicht mehr warm ist, erst dann ins Fass. Wer heute einen vergorenen Met will, setzt jetzt eine Met- oder Weinhefe zu; das ist moderne Praxis, der Text sagt dazu nichts.
Praxis. „Maß“ trägt nur das Verhältnis, jedes Gefäß taugt als Maß. Für Rosen, Lorbeer, Gewürz und Hopfen gibt Rumpolt keine Mengen. Die Zeitangabe von 120 Minuten ist eine Schätzung für Sud und Farbhonig, der Text gibt keine Zeit an; Erkalten, Ziehen und alles Weitere im Fass sind nicht eingerechnet.
Vollständige Version mit Originaltext, Glossar und Anmerkungen: fyndling.de/rezepte/rum-1972/
fyndling.de/rezepte/rum-1972/